Der Seniorenrat der Stadt Radolfzell tut sich schwer, unter Corona-Bedingungen in großer Zahl zusammen zu finden. Nur sechs von zehn Räten kamen in der aktuell schwierigen Pandemie-Phase zur Sitzung ins Rathaus, allerdings waren alle vier fehlenden Seniorenräte entschuldigt. Sie seien entweder familiär eingebunden oder ungeimpft. Es habe wegen der Angst, sich anstecken zu können, Vorbehalte gegeben, berichtete Seniorenrats-Sprecherin Paula Bickel.

Bisher keine Videokonferenzen

Was bereits im Kreisseniorenrat umgesetzt wurde, stößt in Radolfzell jedoch auf Ablehnung: Ein Treffen der Seniorenräte mittels Videokonferenz. Eher ratlos steht Sprecherin Bickel vor dem Misserfolg einer im Frühjahr angeregten Idee, Online-Konferenzen via Zoom abzuhalten: „Sie können niemanden dazu zwingen“, so Paula Bickel dazu und angesichts der leer gebliebenen Ratssitze im Bürgersaal.

Neben technischen Fragen und der fehlenden, für Videokonferenzen benötigten Ausrüstung sei der neue Seniorenrat in seiner Grundhaltung eher abwartend, Paula Bickel beschreibt es so: „Der frühere Seniorenrat war aktiver.“

Thema Seniorenhilfe-Telefon

Bei der jüngsten Sitzung ging es auch um das städtische Seniorenhilfe-Telefon. Nicht alle Senioren haben Enkel, Kinder oder einen Freundeskreis, mit denen sie sich austauschen und ihre Gedanken teilen können. Während der Corona-Pandemie ist es gerade für diese Gruppe eine besondere Herausforderung, die soziale Distanz und die Isolation zu bewältigen. Die Stadtverwaltung Radolfzell bietet deshalb telefonische Hilfe an. Unter der Nummer (0 77 32) 8 12 45 sollen Seniorenhilfe-Mitarbeiter den Anrufern zuhören, diese Beraten und gegebenenfalls auch beruhigen. Die Gespräche werden vertraulich und anonym behandelt. Das Angebot besteht vormittags von neun bis zwölf Uhr.

Seniorenrats-Sprecherin Paula Bickel kritisierte die Erreichbarkeit und das Fehlen von Rufumschaltungen bei internen Sitzungen der Abteilung. Das sei frustrierend für die Senioren, die anrufen und niemanden erreichen würden, so die Sprecherin des Seniorenrats.

Infos zum Thema Brandschutz

Der Seniorenrat blickte außerdem auf die Informationsveranstaltung mit Feuerwehrkommandant Helmut Richter im Mehrgenerationenhaus der Diakonie zurück. Dabei ging es um das Thema Brandschutz und die Prävention vor einer heimtückischen Kohlenmonoxid-Vergiftung. Bei den 20 Teilnehmern stieß der Vortrag auf großes Interesse, und auch im Seniorenrat wurde er als Erfolg verbucht. Manchen Zuhörern sei unklar gewesen, dass bei Bränden die Notrufnummer 112 der Feuerwehr zu wählen sei, erinnerte sich Bickel.

Kommandant Richter habe zudem ein Feuerlöschspray vorgestellt, der für Senioren leichter zu handhaben sei, als ein schwerer Feuerlöscher. Brennendes Fett auf dem Herd dürfe nicht mit Wasser, sondern nur mit speziellen Branddecken gelöscht werden – dies blieb den Räten gut in Erinnerung. Ein Präventionsset, bestehend aus Kohlenmonoxid-Warnmelder, einem Feuerlöschspray und einer Branddecke, koste rund 80 Euro, rechnete Seniorenrätin Katharina Gätjens vor.

Kein Seniorentreff bis März

Mit Bedauern teilte Paula Bickel mit, dass der Seniorentreff im Zunfthaus der Narrizella Ratoldi in der Kaufhausstraße, der seit Oktober jeweils am Montag und Mittwoch stattgefunden hatte, wegen der Verunsicherung unter den Senioren durch die vierte Pandemiewelle nun bis März eingestellt wurde. Gabriele Vogt, zweite Sprecherin des Seniorenrats, beschrieb die Stimmung während der bisherigen Senioren-Treffen als „toll und locker“.

Auf der Ratssitzung stellte sich auch Petra Ott vor. Sie übernahm zum November die Leitung der städtischen Abteilung für Soziales, bürgerschaftliches Engagement und Senioren. Sie sei fünfeinhalb Jahre lang in der Heimaufsicht tätig gewesen und habe die stationäre Pflege aus einem anderen Blickwinkel erlebt, erklärte Ott.

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Die Isolation der Senioren durch die Corona-Pandemie begreife sie als ein schleichendes Gift. Sie suche deshalb nach Ideen und Gedanken, wie man die Senioren in nächster Zeit auf anderen Wegen erreichen könne.

Ein als Präsenzveranstaltung geplanter Workshop für Senioren müsse wegen der aktuellen Corona-Situation erneut verschoben werden, so Petra Ott. Sie regte die Senioren an, ihre Wünsche für eine Seniorenhilfe und für den Workshop schriftlich bei ihr einzureichen. Die Rückmeldungen könnten so in die Vorbereitung des Workshops einfließen.