Ein schnellerer Ausbau der Windenergie ist die zentrale Forderung der Umweltschutzverbände BUND und Nabu während der Naturschutztage 2022. Die Veranstaltung fand nicht wie sonst im Radolfzeller Milchwerk statt, sondern lief komplett digital. Rund 700 Teilnehmer haben sich an drei Veranstaltungstagen bei 17 digitalen Vorträgen, Diskussionsrunden und Seminaren online zugeschaltet. Eine durchweg positive Bilanz zieht der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle: „Diese digitalen Naturschutztage waren ein spannender, hilfreicher und guter Auftakt für das neue Naturschutzjahr.“

Bild: Martin Köppel

Im Zentrum der Forderungen an die Politik steht in diesem Jahr ein Systemwechsel: Damit auf zwei Prozent der Landesfläche 1000 neue Windräder entstehen können, müssen auf anderen Flächen davon betroffene Vogel- und Fledermausarten besonders geschützt und unterstützt werden, sagen die Landesvorsitzenden Enssle und Sylvia Pilarsky-Grosch (BUND).

Für mehr Personal, passende Artenhilfsprogramme und ein Artenmonitoring rechnen die Verbände mit Gesamtkosten in Höhe von 15 bis 20 Millionen Euro jährlich. „Klima- und Artenschutz gibt es nicht umsonst. Das Geld wäre gut angelegt – in unser aller Zukunft!“, werden beide Landesvorsitzende in einer Presseinformation zitiert.

„Diese digitalen Naturschutztage waren ein spannender, hilfreicher und guter Auftakt für das neue Naturschutzjahr.“Johannes ...
„Diese digitalen Naturschutztage waren ein spannender, hilfreicher und guter Auftakt für das neue Naturschutzjahr.“Johannes Enssle, Nabu Landesvorsitzender | Bild: Uli Regenscheit

BUND und Nabu würden die Ausbauziele der Landesregierung für erneuerbare Energien unterstützen, denn die Zeit dränge. „Baden-Württemberg bleiben nur noch acht Jahre, um die Zwischenetappe beim Klimaschutz mit einer Reduktion von 65 Prozent gegenüber 1990 zu erreichen. Dafür brauchen wir deutlich mehr grüne Energie. Zugleich muss der Ausbau von Wind- und Solarenergie im Einklang mit dem Natur- und Artenschutz geschehen“, betonen Pilarsky-Grosch und Enssle.

„Die Öffentlichkeitsbeteiligung kann dazu beitragen, Konflikte zu befrieden. Sie ist die Voraussetzung für eine gute und ...
„Die Öffentlichkeitsbeteiligung kann dazu beitragen, Konflikte zu befrieden. Sie ist die Voraussetzung für eine gute und rechtssichere Planung.“Sylvia Pilarsky-Grosch, BUND Landesvorsitzende | Bild: Frank Müller

Den Bau von 1000 neuen Windrädern im Land sehen die Verbände als Herkulesaufgabe. Schnellere und bessere Planungsprozesse seien nach Meinung von BUND und NABU unerlässlich. Dabei verlängere eine frühzeitige, ergebnisoffene Beteiligung der Bürgerinnen, Bürger und Verbände die Verfahren nicht – im Gegenteil, wie Sylvia Pilarsky-Grosch betont: „Die Öffentlichkeitsbeteiligung kann dazu beitragen, Konflikte zu befrieden. Sie ist die Voraussetzung für eine gute und rechtssichere Planung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Johannes Enssle ergänzt: „Der Artenschutz sowie die Bürger- und Verbändebeteiligung dürfen bei der Planungsbeschleunigung nicht unter die Räder kommen. Wir brauchen beides: Mehr Klimaschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt. 1000 neue Windräder in Baden-Württemberg – das kann nur mit dem Naturschutz gelingen, nicht gegen ihn.“

Ausbau soll schneller und unkomplizierter passieren

Die Verbände fordern, dass Baden-Württemberg zu einer landesweiten Planung zurückkehrt, bei der auf übergeordneter Ebene Vorranggebiete für die Windenergie definiert werden. „Es ist bekannt, dass etwa zwei Prozent der Landesfläche ausreichen würden, um die Ausbauziele zu erreichen. Auf diesen zwei Prozent sollte dann auch schneller und unkomplizierter geplant und gebaut werden können.

Außerhalb dieser zwei Prozent sollten Windenergieanlagen allerdings tabu sein“, fordert Pilarsky-Grosch. Die zwei Prozent sollten vorrangig dort gesucht werden, wo möglichst viel Wind weht und wo im landesweiten Vergleich die geringsten Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz zu erwarten sind. Über eine landesweite Analyse könnten solche Flächen gut ermittelt werden, ist sie sich sicher.