Der Mögginger Mindelsee ist längst kein Geheimtipp mehr. Längst hat er sich, verstärkt durch die Förderung des Tourismus, aber auch die Darstellung in der Öffentlichkeit, zu einem beliebten Ausflugsziel nicht nur für Naturliebhaber entwickelt. Und das hat nicht nur positive Seiten. In der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats wies Ralf Stolz, Hauptgeschäftsführer der Hauptgeschäftsstelle des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Möggingen, gemeinsam mit Professor Gernot Segelbacher, ehrenamtlicher Naturschutzwart, auf die sich seit Jahren verschärfende Situation am Mindelsee hin.

Vor allem die Bewerbung des Sees als Badeplatz ist für die Naturschützer Grund zur Sorge. Fast täglich beobachtet Gernot Segelbacher vor allem am Badesteg und am Parkplatz Zuwiderhandlungen. In seiner Rolle als ausgewiesener Naturschutzwart informiert er Besucher über die Vorschriften zum Schutz der Natur und meldet Verletzungen der Vorschriften der Naturschutzbehörde. Und die Probleme sind vielfältig: Segelbacher berichtete im Ortschaftsrat von Wegen, die mittlerweile drei mal so breit seien wie noch vor wenigen Jahren, Besuchern die am Badeplatz übernachten, und überfüllten Mülleimern. „Es ist ein Dauerproblem, das sich seit Jahren abgezeichnet hat – nun haben wir die Belastungsgrenze erreicht“, erklärte Segelbacher.

Ralf Stolz (ganz links im Bild) vom BUND gab im Rahmen der Ortschaftsratssitzung in der Mögginger Mindelseehalle einen Überblick zur Situation am Mindelsee.
Ralf Stolz (ganz links im Bild) vom BUND gab im Rahmen der Ortschaftsratssitzung in der Mögginger Mindelseehalle einen Überblick zur Situation am Mindelsee. | Bild: Petra Reichle

Balance zwischen Naturschutz und Tourismus

„Wir müssen von der Bezeichnung Badeplatz wegkommen und einen Konsensus zwischen Tourismus und Naturschutz finden“, betonte Möggingens Ortsvorsteher Ralf Mayer. Auch er sieht die Situation durch die verstärkte Bewerbung des Sees verschärft. Gleichzeitig wies er auf die Bedeutung des „sanften Tourismus“ für Möggingen hin, auch im Hinblick auf die Tatsache, dass es im laut Mayer „grünen Mosaikstein Radolfzells“ so gut wie kein Gewerbe gäbe. Die Bezeichnung „sanfter Tourismus“ meint eine Form des Reisens, bei der möglichst wenig auf die Natur eingewirkt und sie möglichst ursprünglich erlebt wird. „Wir brauchen den Tourismus, wir brauchen die Balance zwischen Tourismus und Naturschutz“, sagte Ortsvorsteher Mayer.

Das Zelten, Campieren und Abstellen von Wohnwagen ist auf dem Parkplatz am Mindelsee nicht erlaubt. Trotzdem kommt es beim Parkplatz am Rande des Naturschutzgebietes immer wieder zu Ordnungswidrigkeiten.
Das Zelten, Campieren und Abstellen von Wohnwagen ist auf dem Parkplatz am Mindelsee nicht erlaubt. Trotzdem kommt es beim Parkplatz am Rande des Naturschutzgebietes immer wieder zu Ordnungswidrigkeiten. | Bild: Michael Jahnke

Ein Arbeitskreis erarbeitet aktuell ein Konzept, das zur Entschärfung der Situation beitragen soll. Teil der Diskussion ist auch die Frage, wie eine sinnvolle Beschilderung den Zugang und Aufenthalt am See im Rahmen des Naturschutzes steuern könnte. „Gemeinsam mit Respekt“ lautet die Devise Ralf Mayers, verbunden mit der Erwartung, dass alle Besucher eine klar definierte Hausordnung einhalten. Schließlich soll der Mindelsee mit seiner außergewöhnlich vielfältigen Flora und Fauna seinen Spitzenplatz unter den Naturschutzgebieten behalten und sich als solcher nicht nur direkt am See, sondern auch im Rahmen einer neuen Ausstellung des BUND für Naturliebhaber präsentieren. Diese soll die im Frühsommer 2021 eröffnet werden.

Programme sollen der Natur helfen

Und nicht nur der Schutz des Mindelsees wurde angesprochen: Umweltschutz war auch Thema des Vortrags von Theresa Tewes, Beauftragte für Klima- und Umweltschutz bei der Stadtverwaltung. Sie hatte gute Nachrichten: Das Aktionsprogramm „10.000 Bäume für Radolfzell“ hat mittlerweile 1660 zusätzliche Baumpflanzungen bewirkt, viele weitere sollen im Herbst noch folgen. Und auch das Förderprogramm „Radolfzell saniert“ der Stadtverwaltung steht im Zeichen des Umweltschutzes. Im Rahmen des Förderprogramms können sich Bürgerinnen und Bürger bei Fragen bezüglich der energetischen Sanierung bestehender Gebäude beraten lassen, sowie einen Investitionszuschuss beantragen, sofern die geplante Sanierung mindestens zwei CO2-reduzierende Maßnahmen vorsieht.

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