Die Schneefälle der vergangenen Wochen haben die Bodenseeregion nicht nur zeitweise in eine besonders schöne Winterlandschaft verwandelt – sie haben auch zu starken Belastungen der Bäume geführt. Vor allem in den höheren Lagen. So ist auf dem Schienerberg oder auch auf dem Bodanrück mehr Schnee liegen geblieben als zum Beispiel in der Radolfzeller Innenstadt. „Dort oben waren die Bäume stärker belastet“, erläutert der stellvertretende Forstamtsleiter des Landkreises Konstanz, Helmut Fritz.

Feuchter Schnee, der sich besonders bei Temperaturen um den Gefrierpunkt einstellt, hat ein enormes Gewicht, das auf die Bäume und Pflanzen einwirkt. Er bleibt auch auf kleinen Flächen und Ästen liegen und erhöht so die Bruchgefahr: „Dadurch sind schwache Äste abgebrochen und Bäume umgestürzt, die nicht mehr ganz standfest waren“, führt Helmut Fritz weiter aus. Daher kann es sein, dass der ein oder andere Weg im Wald noch nicht passierbar ist. Auch die Schienerbergstraße war gleich zu Beginn der starken Schneefälle betroffen. Erst nach der Bergung eines Lastwagens und dem Entfernen eines Baumes war die Straße wieder nutzbar.

Wegen der ungewöhnlich großen Schneemengen war es den Forstarbeitern „zum Teil gar nicht möglich, zu den umgestürzten Bäumen auf dem Schienerberg vorzudringen“, berichtet der stellvertretende Forstamtsleiter weiter. Denn vor allem in etwas schwer zugänglicheren Bereichen kommen selbst größere Autos an ihre Grenzen. Immerhin kann damit gerechnet werden, dass sich diese Verhältnisse in den nächsten Tagen entspannen. Ansteigende Temperaturen werden auch in höheren Lagen die Schneemenge reduzieren oder sogar ganz wegtauen. „Das wird sich radikal ändern“, ist sich Helmut Fritz sicher.

Überschaubarer Schaden in Wäldern trotz hoher Schneemengen

Den Gesamtschaden schätzt er als nicht ungewöhnlich hoch ein, angesichts dieser Schneemengen. „Immerhin ist nichts großflächig zusammengebrochen“, sagt er. So etwas könne vor allem in jüngeren Beständen schon einmal vorkommen, wenn die Pflanzen unter einer dicken Schneeschicht verschwinden. Die größte Aufgabe des Forstes bestehe nach Aussage von Helmut Fritz nun darin, Fichten zu finden, aus denen die Krone herausgebrochen oder die anderweitig geschädigt sind. Sie gelte es möglichst schnell auszumachen und zu schlagen.

Denn sie wären im Frühjahr ein idealer Brutplatz für den den gefürchteten Buchdrucker, der den trockenen Wäldern in den vergangenen Jahren schon so stark zugesetzt hat. „Die müssen wir jetzt schnell finden. Sie sind in der Fläche verteilt – das ist viel Arbeit“, sagt Fritz. Im vergangenen Jahr habe ein Sturm im Februar eine ähnliche Situation geschaffen und so die Ausbreitung des Buchdruckers begünstigt. „Da konnten sich die Tiere prächtig entwickeln“, erinnert sich Helmut Fritz. Die aktuelle Situation schätzt der Forstfachmann als „ähnlich, aber nicht so groß“ ein.

„Das hat der Natur gut getan. Der Vorteil war auch, dass der Boden vorher nicht gefroren war. So kann das Wasser auch in tiefere Schichten eindringen. Der Boden saugt das gerade richtig auf.“Hermann Leiz, Ortsvorsteher von Liggeringen, über die anhaltenden Regenfälle
„Das hat der Natur gut getan. Der Vorteil war auch, dass der Boden vorher nicht gefroren war. So kann das Wasser auch in tiefere Schichten eindringen. Der Boden saugt das gerade richtig auf.“Hermann Leiz, Ortsvorsteher von Liggeringen, über die anhaltenden Regenfälle | Bild: Andreas Kochloeffel

Die Einschätzungen des stellvertretenden Forstamtsleiters kann der Liggeringer Ortsvorsteher Hermann Leiz nur bestätigen. Er ist selbst Besitzer eines kleinen Waldstücks, auf dem sich der Schneebruch in den vergangenen Jahren deutlich macht. „Selbst bei mir sind aus einigen Fichten die Kronen herausgebrochen“, berichtet er. Immerhin kann er den Niederschlägen in Form von Schnee und Regen noch etwas Gutes abgewinnen: „Das hat der Natur gut getan. Der Vorteil war auch, dass der Boden vorher nicht gefroren war. So kann das Wasser auch in tiefere Schichten eindringen. Der Boden saugt das gerade richtig auf“, sagt er.

Junge Bäume müssen vor Wildverbiss geschützt werden

Mal ganz abgesehen von dem persönlichen Schaden, den er in seinem Wald hat, beneidet er die Förster derzeit nicht um ihre Arbeit: „Die Revierförster bedaure ich. Die kommen gar nicht mit der Arbeit hinterher“, erklärt Leiz. Damit spielt er auf die vielfältigen Herausforderungen an, die sich in den vergangenen Jahren durch Stürme, starke Trockenheit oder eben Schneebruch ergeben haben. Er selbst hat ebenfalls reichlich zu tun. Unter anderem haben umgestürzte Bäume einen Schutzzaun beschädigt, der junge Bäume vor Wildverbiss schützen soll. „Da muss man jetzt schnell reagieren, sonst fressen die Rehe die jungen Triebe ab“, erklärt der Privatwaldbesitzer.