Es ist die Erinnerung an etwas, das länger her erscheint, als es tatsächlich war. Vor sechs Monaten stand die Narrenmusik in der Geschäftsstelle des SÜDKURIER am Rosenmontag und spielte ihren Fasnachts-Hit „Bad Guy“. Und nun spielen sie es wieder an einem schwülen Augustabend unter freiem Himmel am Seeufer auf der Mettnau. Dass sie wieder zusammen Musik machen dürfen ist eine organisatorische Höchstleistung.

Bild: Schneider, Anna-Maria

Denn für Blasmusik gelten strenge Corona-Auflagen. Die Befürchtung ist, dass durch die ausgestoßene Luft durch die Instrumente die Aerosole, und somit auch die Viren, übermäßig im Raum verteilt werden. „Ich kann mit einer Trompete allerdings nicht einmal eine Kerze auspusten“, erklärt Michael Back, Chef der Narrenmusik. Dennoch halte sich die Narrenmusik streng an alle Corona-Verordnungen und sei froh, überhaupt wieder proben zu dürfen.

Endlich wieder zusammen, wenn auch mit entsprechendem Abstand: Die Narrenmusik probt am Radolfzeller Seeufer auf der Mettnau. Monatelang war Blasmusik wegen Corona verboten.
Endlich wieder zusammen, wenn auch mit entsprechendem Abstand: Die Narrenmusik probt am Radolfzeller Seeufer auf der Mettnau. Monatelang war Blasmusik wegen Corona verboten. | Bild: Schneider, Anna-Maria

Da sie keinen Probenraum haben, der eine entsprechende Deckenhöhe aufweist, hat die Narrenmusik in diesem Sommer unter freiem Himmel geprobt. Und das überall, wo es ausreichend Platz gab. „Wir haben im Altbohl, in der Bollstetter Straße, in der Goethestraße, in der Nordstadt und eben jetzt auf der Mettnau gespielt“, zählt Back auf. Immer in Gärten von Mitgliedern oder Freunden der Narrenmusik, wo eben Platz war, die Abstände einzuhalten.

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Jede Probe müsse man außerdem beim Ordnungsamt anmelden und genehmigen lassen. Bei der Anmeldung habe man einen Grund angeben müssen. „Man darf nicht einfach so proben, wir brauchen einen Auftritt, auf den wir uns vorbereiten“, sagt Michael Honz, musikalischer Leiter der Gruppe. Dieser Auftritt findet Freitagnachmittag ab 17 Uhr vor dem Milchwerk statt. Dort veranstaltet der neue Gastronom des Milchwerks einen Feierabendhock.

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Entgegen der Annahme, die Nachbarn würden sich gestört fühlen, wenn auf einmal eine Blaskapelle im Garten spielt, waren die Proben der Narrenmusik in den Vierteln eine willkommene Abwechslung. Beschwert habe sich niemand, berichtet Michael Back. Im Gegenteil: „Uns wurde sogar Geld angeboten, wenn wir nächste Woche wieder kommen.“ Nach Monaten der Zwangspause war es nicht nur für die Musiker selbst befreiend wieder Musik machen zu dürfen.

Zuhörer genießen die lang vermisste Musik

Auch die Zuhörer genossen die lang vermisste Live-Musik. Auf der Mettnau haben sich ebenfalls Besucher auf den Bänken versammelt, um der Probe zuzuhören. Viel Gelegenheit auf Konzerte zu gehen hat in diesem Jahr niemand. „Auch wir haben all unsere geplanten Auftritte absagen müssen“, sagt Michael Back. Für den Verein sei dieses Jahr finanziell ein Minusgeschäft. Auch weil der Pfingsmontags-Frühschoppen abgesagt wurde.

Das Ehepaar Kochlöffel hat es sich mit einer Decke am Seeufer gemütlich gemacht und lauscht der Probe der Narrenmusik, in der ihr Sohn trommelt.
Das Ehepaar Kochlöffel hat es sich mit einer Decke am Seeufer gemütlich gemacht und lauscht der Probe der Narrenmusik, in der ihr Sohn trommelt. | Bild: Schneider, Anna-Maria

Nach der Fasnacht sei der Probenbetrieb wegen Corona eingestellt worden. Monate hat sich die Musikgruppe nur über das Internet oder in Kleinstgruppen austauschen können. An gemeinsamen Musizieren war lange nicht zu denken. Dass alle wieder zusammen kommen können, täte jedem Einzelnen gut, ist sich der Narrenmusik-Chef sicher.

Zwischen den Musikern müssen zwei Meter Abstand eingehalten werden. Auch zum Vordermann braucht es ordentlich Abstand.
Zwischen den Musikern müssen zwei Meter Abstand eingehalten werden. Auch zum Vordermann braucht es ordentlich Abstand. | Bild: Schneider, Anna-Maria

„Musik machen ist nicht nur Lebensqualität, sondern auch eine Lebenseinstellung“, sagt Vize Markus Schreiber. Er kommt als letzter zur Probe dazu, direkt von der Arbeit. Doch mit den ersten Klängen ist sämtlicher Alltagsstress vergessen. Die Narrenmusiker sind bester Laune und spielen, bis die Noten in der Dunkelheit nicht mehr zu lesen sind.

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