Freitag, 5. Juli 2019 – der Tag bleibt dem Ehepaar Dagmar und Christoph Rixen immer in Erinnerung. Auf dem Rückweg von einer Familien-Baustelle in Würzburg erreichten die Dachbau-Unternehmer bereits auf der Autobahn Bilder vom verheerenden Brand ihrer Gewerbehalle in Moos. Ein 3000 Grad heißer Lichtbogen-Kurzschluss im elektrischen Sicherungskasten ließ die Lagerhalle innerhalb weniger Stunden bis auf Bruchteile des Gebäudes abbrennen. 80 Feuerwehrkräfte aus Moos, Radolfzell und Singen konnten verhindern, dass sich der Brand auf die Nachbargebäude ausbreitete. Zwei Jahre später entstand auf dem Grundstück der Rixen-Dach eine neue Gewerbehalle aus Metall. Das Material der Halle ist nicht die einzige Neuerung im Unternehmen. Die Dach-Bauer aus Moos sind auch ein regionaler Pionier bei der Digitalisierung im Handwerk. Rund eine Million Euro investierte das Update „Rixen-Dach 2.0“ in den Neubau der Gewerbehalle und in die Ausstattung des Handwerksbetriebs.

Bereits drei Tage nach dem Brand nahm „Rixen-Dach“ seine Arbeiten wieder auf. Vom Brand verschont blieb das Büro im Wohnhaus neben der Brandstelle. Dort waren sämtliche Aufträge dokumentiert. Inmitten des Brandschutts bis zu dessen Räumung und dem Neubau der Halle errichtete Rixen-Dach zwei Zelte, um die Aufträge zu erfüllen. Keiner der zehn Mitarbeiter verlor nach der Brandkatastrophe den Arbeitsplatz. Die Gemeinde bot auf der gegenüberliegenden Seite Platz für die Lagerung von Baumaterialien. Doch selten kommt ein Unglück allein: Diebe entwendeten vier Wochen nach dem Brand die neu angeschafften Maschinen sowie ein neues Fahrzeug. Erneut schaffte Rixen-Dach Werkzeuge, Maschinen und ein Fahrzeug an. Eine Radarfalle hielt in einem gestochen scharfen Bild zwar den Fahrer des gestohlenen Fahrzeugs bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung in Freiburg fest. „Doch der Diebstahl bleibt bis heute unaufgeklärt“, erzählt Dagmar Rixen.

Nach fünf Monaten Bauzeit entstand bis zum September dieses Jahres beim Aufrechterhalten des gesamtes Betriebs auf dem Gewerbegelände eine moderne Halle. Sie bietet Platz für die betriebseigene Dachdeckerei, Blechnerei und Zimmerei sowie ein komfortables Regallager für die Materialien des Dachdeckens. Das Büro mit vier Arbeitsplätzen und ein Raum für Kundengespräche sind im oberen Dachgeschoss untergebracht. Der von der Familie Rixen geführte Betrieb beschäftigt zehn Mitarbeiter mit vier Meistertiteln und erfahrene Gesellen, eine junge Frau in der Ausbildung zur Dachdeckerin sowie Talente in den Baugewerken. Als Talente bezeichnet Christoph Rixen jene Mitarbeiter, die detailverliebt ihrer Berufung der mittlerweile hochkomplexen wie anspruchsvollen Dachbaukonstruktion folgen und hochmotiviert ihren Aufgaben nachgehen.

Mit dem Neubau etablieren sich auch Umgestaltungen für den Betrieb. Ein Aufenthaltsbereich der Mitarbeiter im Freien wurde vom hinteren Bereich der Halle in den Vorhof verlegt. Christoph Rixen zeigt sich stolz auf sein Team. Er sagt, die Mitarbeiter hätten es verdient, sich vorne im Eingangsbereich zu erholen oder gemeinsam ein Fest zu feiern. Im Neubau befinden sich die Sozialräume und sanitären Anlagen für die Mitarbeiter. Mit dem Neubau zieht auch der Fortschritt in den Betrieb. In der Digitalisierung im Handwerk sieht nicht nur das Unternehmerpaar, sondern auch der spätere Nachfolger Jurji Rixen eine große Chance. Die Besprechungs- und Konferenzräume und das kaufmännische Büro sind miteinander vernetzt. Die Mitarbeiter werden über ein sogenanntes Whiteboard in ihren Arbeitseinsatz eingewiesen. Sie erhalten ein Tablett und können sekundenschnell und vor Ort mittels betriebseigener Tutorials Rat und Informationen über das Gewerk einholen.

Das komplette Angebotswesen wird künftig in Videofilmen festgehalten. Und der Betrieb ist digital für die Kunden rund um die Uhr erreichbar. Rechnerunterstützte Erzeugung und Änderungen von 3-D-Modellen sowie bauphysikalische Berechnungs- und Zeichenprogramme werden von Rixen-Dach seit längerem eingesetzt. Neu sind deren Vernetzung und die Verbindung zu den Baustellen, Kunden, Mitarbeitern sowie zur Betriebsleitung, die in Echtzeit miteinander kommunizieren können, aber auch bautechnische Unterstützung anfordern und übermitteln können. Die Digitalisierung im Handwerk ist staatlich gefördert. Eine Spezialfirma unterstützt Rixen-Dach bei der Implementierung für die Bedürfnisse des Handwerksbetriebes.