Das Akkordeon-Orchester Radolfzell feiert gleich mit drei Konzerten seinen 90. Geburtstag. Die fünf Ensembles haben sich im kleinen Saal des Milchwerks präsentiert und ihr Können auf unterschiedlichen Niveaus gezeigt, ein weiteres Konzert folgt am 22 November. Schon die Jüngsten, vereint in Jugendensemble und Big Band, bewiesen unter der Leitung von Werner Kopp ein sicheres und konzentriertes Spiel. Swingend und rockig, zusammen mit Keyboard, E-Gitarre und Schlagwerk, gelang dem Nachwuchs der groovige Sound besonders gut.

Die Jüngsten sind voller Konzentration bei der Sache. Werner Kopp (von hinten zu sehen), seit dem Frühjahr Leiter des Ensembles, greift dieses Mal zur Gitarre.
Die Jüngsten sind voller Konzentration bei der Sache. Werner Kopp (von hinten zu sehen), seit dem Frühjahr Leiter des Ensembles, greift dieses Mal zur Gitarre. | Bild: Pantel, Veronika

Musikalischer Rückblick auf die Anfangsjahre

Weil das Orchester so gut wie keine Unterlagen aus der Gründungszeit besitzt, hatte Leiter Rudi Hartmann die Idee, Musik aus den 1930er Jahren ins Programm zu heben: „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ intonierten die „Quetschkommodians“, das sind erwachsene Neueinsteiger oder Mitspieler, die ihr Können auf ihrem Instrument wieder entdeckt haben. Von der Tanzbodenmusik führten sie bis in die Gegenwart zum fetzigen Ausflug in die Karibik.

Solistin Mira Dittrich spielt versiert auf. Sie ist auch Mitglied im Hauptorchester.
Solistin Mira Dittrich spielt versiert auf. Sie ist auch Mitglied im Hauptorchester. | Bild: Pantel, Veronika

Aufhorchen ließ das junge, erst 16 Jahre alte Talent Mira Dittrich. Sie trug Hans Langs „Schneider-Variationen“ vor, zwölf Abwandlungen über das Volkslied „Ein Schneider wollte wandern“, das die abenteuerliche Begegnung des Schneiders mit dem Teufel schildert. Ob zierliche Melodie-Schlenker, Ausflug in den Walzer oder in schräge Harmonien – das Leitthema blieb stets präsent und Mira Dittrich trug es lebendig und ausdrucksstark vor.

Händel ganz barock

Im Hauptorchester bewiesen sieben erfahrene Spieler, dass auch Händels Wassermusik mit barocken Trillern und Soli-Tutti-Abstufungen ausgesprochen gut auf dem Akkordeon klingt. Gehobene Unterhaltungsmusik gab es mit Joe Rixners „Bagatelle“. Im Arrangement von Curt Herold entfaltete sich der bunte Reigen verschiedener Stile mit vertrackt schwierigen Stellen sehr ausdrucksvoll. Die Comedian Harmonists beherrschten die 1930er-Charts ebenfalls. Sie schufen Meilensteine wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Veronika, der Lenz ist da“. Das motivierte fast zum Mitsingen – so authentisch klang die Fassung von Hans-Günther Kölz.

Im Quintett greift Leiter Rudi Hartmann (links) selbst zum Akkordeon
Im Quintett greift Leiter Rudi Hartmann (links) selbst zum Akkordeon | Bild: Pantel, Veronika

Wenn der Leiter zum Instrument greif

Im „Quintett“ bewies Leiter Rudi Hartmann mit seinen vier Mitspielern wahre Meisterschaft auf dem Akkordeon. Markant und beschwingt kam der „Corona-Marsch“ daher. Die Zugaben waren wieder Höhepunkte aus der Gründungszeit, die in die Beine gingen: Aber leider ist das Tanzen zu „Wenn die Elisabeth“ oder „Ich bin die fesche Lola“ in Corona-Zeiten ja nicht denkbar.

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