Am 8. Mai wurde in vielen Ländern die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht als ein Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und als Ende des Zweiten Weltkriegs gefeiert – entweder mit einem Feiertag oder in aller Stille. In Radolfzell hatte man sich für ein Friedensfest im Stadtgarten und auf dem Luisenplatz entschieden.

Wie zerbrechlich der Frieden in Europa sein kann, zeige der Krieg in der Ukraine, so Oberbürgermeister Simon Gröger bei seiner Eröffnungsrede zum Friedensfest auf dem Luisenplatz. Dabei soll daran erinnert werden, wie wertvoll der Friede, die Demokratie, die Gemeinschaft und der Zusammenhalt unter den Menschen sei, so Simon Gröger.

Mit Blick auf den derzeitigen Krieg sei es wichtig, diese Werte und Grundprinzipien zu schützen. Dieser Angriffskrieg schmerze besonders, weil er diesen – in Europa gelebten Werten – widerspreche, bekennt Gröger.

Friedensfest als wichtiges Zeichen

Die Organisatorin des Friedensfests Dunia Binder von der städtischen Stabstelle Partizipation und Integration verteidigte bei ihrer Begrüßung die im Vorfeld verlautbarte Kritik eines Friedensfests angesichts des Kriegs in der Ukraine: Das Fest setze ein wichtiges Zeichen, erklärte Binder.

Das würden die bunten Friedensplakate, die Zahl der Besucher und das Mitwirken zahlreicher Institutionen am Fest zeigen. Es gab Spiele zur Demokratie, eine Geschichtsstunde zum Grundgesetz als Friedensbuch, eine Trommelgruppe als Zeichen friedvollen Miteinanders von Kulturen und Altersgruppen, und Informationen über die Stolpersteine. Genauso wie Bastelaktionen, Bücher für den Frieden und geglückte wie gescheiterte Installationen.

Geplante Aktion der Freien Grünen Liste wird verhindert

Wie kann man an einem Gedenktag für den Frieden seine Trauer über den Krieg in Europa zum Ausdruck bringen? Zum Beispiel mit der Verhüllung eines umstrittenen Kriegerdenkmals durch ein schwarzes Tuch als Zeichen der Trauer. Auf diese Idee kam Gemeinderat Siegfried Lehmann von der Freien Grünen Liste (FGL).

In Absprache mit den Organisatoren des Friedensfestes verhüllte die FGL das umstrittene Kriegerdenkmal am Luisenplatz mit einem schwarzen Tuch. Doch diese Aktion stieß plötzlich auf Gegenwind. Trotz Einwilligung der Organisatoren verhinderte letztlich das Ordnungsamt die kreative Installation.

Siegfried Lehmann begreife das Denkmal in seiner Darstellungsform von 1936 als Teil der Kriegsvorbereitung im Nationalsozialismus. Es sollte die Bevölkerung positiv auf den anstehenden Krieg einstimmen. „Menschen lernen offensichtlich nicht aus der Geschichte“, so Lehmann. Er zog Parallelen zu den russischen Vorbereitungen des Ukraine-Krieges in deren Bevölkerung. Die Verhüllung wäre ein Kommentar zu Propaganda-Funktionen von Denkmälern gewesen.

Greenpeace sammelt Unterschriften, um Druck auf die Politik zu machen

In einer weltumspannenden Organisation taucht das Wort Frieden namentlich auf: bei Greenpeace. Denn Peace ist Englisch für Frieden. In seinen Ursprüngen sei Greenpeace nicht als Organisation gedacht worden, sondern als Bewegung für den Frieden. Dieser sollte grün und ökologisch sein, erläutert Silvan Hild als Sprecher von Greenpeace Bodensee.

Die Gruppe bewog Besucher des Friedensfests zu einer Unterschrift für ein Friedensmanifest. Es enthält elf verschiedene Anforderungen für ein friedliches Zusammenleben, die Hild als Thesen für den Frieden begreift. Die elf Thesen beschreiben, was sich die Organisation Greenpeace zukünftig unter Frieden vorstellt.

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Mit seiner Unterschrift könne der Bürger Druck auf die Politik ausüben, so Hild. Aber auch auf kriegsführende Staaten. In dem Manifest „manifestiert“ sich quasi der Wille der Menschen nach Frieden in der Welt, so die Idee. Es gehe auch an kriegsführende Staaten, damit Menschenrechte nicht verletzt würden – sowie an die Regierungen, die Waffenexporte genehmigten.

Das Grundgesetz als Grundlage des friedlichen Zusammenlebens

Der Beitrag von Gemeinderat Norbert Lumbe (SPD) hatte gleich zwei Facetten: Explizit suchte er das Gespräch mit den Bürgern. Er stellte den Besuchern des Radolfzeller Friedensfests aus seiner Sicht die Grundlage des Zusammenlebens vor: Das Grundgesetz. Der Vortrag Lumbes im Pavillon des Stadtgartens erinnerte an den Speakers Corner (Ecke des Redner) im Londoner Hyde park.

Dort haben Redner das verbriefte Recht, einen Vortrag zu einem beliebigen Thema zu halten und Vorbeigehende um sich zu sammeln. Für Norbert Lumbe ist das Grundgesetz das „Friedensbuch der Gesellschaft“. Es sei aus der bitteren Erfahrung der Weimarer Republik und einer Demokratie, die sich nicht halten konnte, entstanden. Und nach einer Zeit, die das Menschenrecht nicht kannte, so Lumbe.

Im Pavillon des Stadtgartens führte Norbert Lumbe (5.v.l.) in die Geschichte des Grundgesetzes ein und suchte das Gespräch mit den ...
Im Pavillon des Stadtgartens führte Norbert Lumbe (5.v.l.) in die Geschichte des Grundgesetzes ein und suchte das Gespräch mit den Bürgern (v.li.) Renate Sturm, Heinrich Schuster, OB Simon Gröger, Hannes Ehlerding und Niklas Heilmann. | Bild: Georg Lange

Die ersten 19 Artikel des Grundgesetzes seien geprägt von diesen Erfahrungen. Lumbe bewundert den Ewigkeitscharakter des Grundgesetzes, bestimmt durch Artikel 19. Dieser nämlich besagt, dass die Grundsätze in ihrem Bestand nicht verändert werden dürfen. Und der Artikel über die Würde stelle den Mensch in das Zentrum des Grundgesetzes. Und nicht den Staat.