Die Kläranlage Radolfzell ist von Ablagerungen befreit worden, die die Abflüsse des Faulturms verstopfen. Wie die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung schreibt, waren dabei Profitaucher eines Hamburger Betriebs im Einsatz. Beschwert durch Bleigewichte und in einen Tauchanzug gehüllt – insgesamt hat die Schutzausrüstung ein Gewicht von 66 Kilogramm – ließen sie sich über ein Stahlseil 24 Meter tief bis auf den Grund des Faulturms hinabsinken.

Bei den Arbeiten waren die Taucher über Sprechfunk mit ihren Kollegen verbunden. Damit sie sich während ihres Arbeitseinsatzes abkühlen konnten, befindet sich ein Schlauch im Inneren des Anzuges, durch den kühles Wasser floss. Dies war nötig, da die Einsatzkräfte während ihres anstrengenden Tauchganges fast einen Liter Flüssigkeit verloren. Und: „Um den Tauchgang unter bestmöglichen Bedingungen zu realisieren, haben wir die Temperatur im Faulturm im Vorfeld schon um zwei Grad herabgekühlt“, betonte Uwe Negrassus, Leiter des Fachbereiches Tiefbau und Kläranlage.

Pläne mussten verinnerlicht werden

Da sie absolut nichts sehen konnten, mussten die Taucher sich vor dem Abstieg in den Faulturm vorab Pläne verinnerlichen, auf denen die Innenarchitektur des Turmes exakt dargestellt ist. Jeder Taucher durfte mit Blick auf die Arbeitsbelastung und die nötige Dekompressionszeit nur jeweils zweieinhalb Stunden im Faulturm im Einsatz sein, bevor er von seinen Kollegen abgelöst wurde, wie Siegfried Richter, Inhaber des Tauchunternehmens aus Hamburg, erklärte.

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Während des Einsatzes saugten die Taucher mit einem langen Schlauch die Ablagerungen an den Abflüssen im Faulturm ab. Bei den Ablagerungen „handelt es sich vor allem um Haare und Material aus zellulosehaltigen Verbindungen, also beispielsweise Feuchttücher, die sich mit der Zeit am Grund des Turmes ansammeln“, erläuterte Regina Eberle, die sich in der Kläranlage um die Laboranalysen kümmert. Problematisch sei, dass der Verbrauch von letzteren in den vergangenen Jahren stark zugenommen habe.

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Zuletzt wurde der Faulturm 2014 gereinigt

Damit die Prozesse im Faulturm nicht ins Stocken geraten – der in den Klärbecken anfallende Schlamm wird dort unter sauerstofffreien Bedingungen durch Bakterien zu Faulschlamm und Faulgas abgebaut – muss er in regelmäßigen Abständen von den anfallenden Ablagerungen befreit werden. In der Kläranlage Radolfzell war dies zuletzt 2014 der Fall.

Insgesamt fielen beim aktuellen Arbeitseinsatz rund 150 Kubikmeter Rückstände an, die nach dem Absaugen aus dem Faulturm in einer Siebbandpresse entwässert wurden. Das danach übrig gebliebene trockene Material muss als Sondermüll in einer Verbrennungsanlage entsorgt werden, da es Schwermetalle enthält. Wiederverwendet wird das Gas, das bei der Gärung im Faulturm entsteht – mit ihm deckt die Kläranlage in ihrem hauseigenen Blockheizkraftwerk rund 50 Prozent ihres Bedarfes an Strom.