Am Montag, 20. Juli, hat die traditionelle Mooser Wasserprozession stattgefunden. Während in normalen Jahren rund 20 Ruderboote und etliche Begleitboote den Untersee von Moos nach Radolfzell überqueren, war diesmal alles anders.

Das zeigte sich unter anderem am Radolfzeller Ufer: Hier fanden sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehrere hundert Gläubige, Radolfzeller Bürger und Besucher der Stadt ein, um den Pilgern aus Moos einen gebührenden Empfang zu bereiten. Dieses Mal war die Zahl der Menschen, die hier bereitstanden, überschaubar.

Das reduzierte Radolfzeller Empfangskomitee für die Mooser Pilger am Hafenanleger.
Das reduzierte Radolfzeller Empfangskomitee für die Mooser Pilger am Hafenanleger. | Bild: Jarausch, Gerald

Einen festlichen Rahmen, der sonst zu diesem Anlass obligatorisch ist, gab es ebenfalls nicht. Auch der Prozessionszug, der normalerweise entlang des Ufers und über die alte Mettnau-Brücke in die Innenstadt und zum Münster führt, fiel aus. Die rund 45 Pilger und Gemeinderäte der Gemeinde Moos nahmen stattdessen den direkten Weg zum Münster durch den Bahnhofstunnel und über den Seetorplatz.

Das könnte Sie auch interessieren

Für all diese Änderungen ist die Corona-Pandemie verantwortlich, die eine drastische Reduzierung der Teilnehmerzahl notwendig gemacht hat. In diesem Zusammenhang wurde darum gebeten, den Pilgern in diesem Jahr keinen großen Empfang an der Radolfzeller Mole zu bereiten. Für die Pilger selbst und auch die Menschen in Radolfzell war es wichtig, dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte.

Seit 223 Jahren keine Absage

„Während wir in diesem Jahr auf den weltlichen Teil des Festes verzichten, wollten wir auf das kirchliche Fest nicht verzichten“, erklärte Oberbürgermeister Martin Staab nach der Ankunft der Pilger im Hafen. In den 223 Jahren, seit die Mooser Bürger ihr Gelübde (siehe Infokasten) abgelegt haben, wurde die Prozession laut dem Radolfzeller Stadtarchiv nie abgesagt. In schwierigen Jahren wurde sie mitunter allerdings auf den Landweg verlegt. Auch der Mooser Bürgermeister Patrick Krauss hatte sich bereits im Vorfeld für die Beibehaltung der Tradition ausgesprochen.

„So wie unsere Vorfahren die Viehseuche überstanden haben, werden auch wir diese Seuche überstehen“, sagte er während seiner Ansprache auf der Überfahrt. Insgesamt fuhren rund 45 Mooser Bürger auf einem Hauptboot und einem kleinen Solarboot über den See.

Nur ein einziges geschmücktes Boot fuhr am Montag in den Radolfzeller Hafen ein.
Nur ein einziges geschmücktes Boot fuhr am Montag in den Radolfzeller Hafen ein. | Bild: Gerald Jarausch

Die schön geschmückten Ruderboote waren in diesem Jahr nicht dabei. Dabei machen sie die Pilgerfahrt optisch besonders attraktiv. Ebenfalls ungewohnt war das anschließende „Mooser Amt“, der Gottesdienst im Radolfzeller Münster. Dort hatten neben einigen wenigen Radolfzeller Bürgern lediglich die Pilger aus Moos Zugang. Und so ergab sich auch in dem Gotteshaus ein sehr ungewöhnliches Bild.

Ungewohnt wenig Besucher beim Mooser Amt im Münster.
Ungewohnt wenig Besucher beim Mooser Amt im Münster. | Bild: Gerald Jarausch

Wo in normalen Jahren die Menschen dicht gedrängt in den Sitzreihen sitzen und im hinteren Teil der Kirche stehen, waren am Montag nicht einmal sämtliche Sitzreihen im Münster besetzt. Rund 60 Personen fanden sich in hier ein, um dem Festakt beizuwohnen.

Hoffen auf nächstes Jahr

„Das ist irgendwie surreal“, befand in diesem Zusammenhang der Radolfzeller Stadtrat und Historiker Christof Stadler. Diesen Eindruck dürften die meisten Teilnehmer der diesjährigen Wasserprozession geteilt haben. Nun hoffen sie auf ein baldige Besserung der Rahmenbedingungen.

Zumindest einer ist sich schon sicher, dass im kommenden Jahr wieder alles annähernd normal sein wird: „Ich bin sicher, dass im nächsten Jahr wieder die Boote über den See fahren“, sagte Oberbürgermeister Martin Staab.

Das könnte Sie auch interessieren