Gläubige Christen sind von den Einschränkungen durch die Kontaktsperre wegen der Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Für gewöhnlich feiern sie am Sonntag in Gemeinschaften ihr Osterfest. Doch die gute Nachricht zuerst: Ostern fällt nicht aus. Es wird nur anders begangen.

Auf der Halbinsel Höri geben der evangelische und katholische Pfarrer Handreichungen für die Osterfeierlichkeiten im kleinen oder isolierten Kreis. Die evangelischen Pfarrer aus Radolfzell und von der Höri bieten im Internet für den Sonntag einen österlichen Gottesdienst zum Streamen an. Und der Vorsitzende des Radolfzeller Kirchengemeinderats, Christoph Stadler, lädt dazu ein, sich dem Festgeheimnis auf neue Formen zu nähern: Beispielsweise bei einem Osterspaziergang die Tradition der Weg- und Flurkreuze in den Blick zu nehmen.

Gemeinschaft erleben

Gerade die christlichen Kirchen sind durch die Kontaktsperren getroffen. Die Gemeinschaft, die communio, sowie das Zusammensein, die Mitmenschlichkeit und das gemeinsame Tragen und Heilen sind zentrale Elemente ihres Glaubens. Und an ihrem höchsten kirchlichen Feiertag entfällt nun zusätzlich der Gottesdienst, die Liturgie und Feier des Glaubens.

Der evangelische Kirchengemeinderat der Höri suchte nach Wegen, den Verlust nach körperlich gespürter Gemeinschaft zu überwinden und über räumliche Grenzen eine Verbundenheit unter den Gläubigen herzustellen. Mittwochs und Sonntags läuten auf der Höri sowie in Radolfzell und Böhringen die Glocken. Dabei können sich Gläubige in einer Andacht miteinander verbinden. Dafür veröffentlichte der evangelische Pfarrer der Höri, Roland Klaus, einen Text – aber auch Gebete und Lieder.

Aufzeichnung eines Gottesdienstes

Am Gründonnerstag zeichneten er und die evangelischen Pfarrer aus Böhringen und Radolfzell einen Gottesdienst auf, der zu Ostern über die jeweiligen Internetseiten der Kirchengemeinden abgerufen werden kann. Pfarrer Roland Klaus möchte Gläubigen keinen Weg vorschreiben, wie er in der Osterzeit seinem Gott begegnen möchte. Es setzt vielmehr auf unterstützende Maßnahmen zur Andacht durch Glocken, dem Entzünden der Osterkerze oder mit anregenden Texten für die Besinnung.

Pfarrer Stefan Hutterer empfiehlt als Handreichung und Leitfaden zu Ostern für die Hauskirche das katholische Gesangsbuch „Gotteslob“. Es kann aus den Kirchenräumen der Höri entnommen und ausgeliehen werden. Bild: Georg Lange
Pfarrer Stefan Hutterer empfiehlt als Handreichung und Leitfaden zu Ostern für die Hauskirche das katholische Gesangsbuch „Gotteslob“. Es kann aus den Kirchenräumen der Höri entnommen und ausgeliehen werden. Bild: Georg Lange

Stefan Hutterer ist katholischer Pfarrer und für sämtliche Gemeinden auf der Höri zuständig. Einen Streamingdienst für Gottesdienste könne die katholische Kirchengemeinde technisch nicht leisten, erläutert der Pfarrer: Doch es gebe Gottesdienste im Fernsehen und Angebote im Internet, bei denen sich Gläubige das Passende heraussuchen und auswählen könnten. Für den regionalen Bezug bietet er auf der Homepage der Höri-Kirchengemeinde einen Link zu den katholischen Online-Kirchen im Hegau an.

Pfarrer Hutterer setzt auf die christliche Tradition der Hauskirche als Glaubensgemeinschaft derer, die im Haus zusammen leben und das Osterfest gemeinsam feiern. Dafür bietet die Kirchengemeinde auf ihrer Internetseite Texte, Predigten und Gebete an. Wer über keine neuen Medien verfüge könne in den Kirchen die ausgelegten Texte mitnehmen.

Osterfeuer und Osterkerze

Hauskirchen habe es schon immer dort gegeben, wo es aus geografischen oder wetterbedingten Gründen nicht möglich war, jeden Sonntag einen Gottesdienst zu besuchen, erläutert Hutterer. Im Gesangsbuch Gotteslob werden Texte und Lieder vorgeschlagen, die speziell für eine Feier in häuslicher Gemeinschaft zugeschnitten sind. Wer kein Gesangsbuch habe, könne sich in den Kirchen eines ausleihen und über die Feiertage mitnehmen. Am Sonntag entfacht der katholische Pfarrer um 6 Uhr morgens das Osterfeuer und entzündet an ihm die Osterkerze. Die Gläubigen können dann im Verlauf des Vor- und Nachmittags ihre eigene Kerze entzünden oder das Licht mit der eigenen Laterne mitnehmen.

Tipps für Osterspaziergang

Der Vorsitzende des Radolfzeller Kirchengemeinderates, Christoph Stadler, regt an, in einem Spaziergang Wegkreuze zu erkunden und an ihnen Blumen oder nach jüdischem Brauch Steine, als Zeichen der Fürbitte niederzulegen. Wer den Weg von der Stahringer Pfarrkirche zur Homburg wählt, begegnet neben den Wegkreuzen im Dorf auch am Aufgang zur Homburg das alte Turmkreuz auf einem Findling sowie die Kreuze beim Neuweiler und Weiler Hof und kurz vor der Ruine ein Steinkreuz, das an eine Heimkehr aus russischer Gefangenschaft erinnert.

Am Ende der hinteren Homburg befindet sich die neue Dreifaltigkeitskapelle, die Bezug auf die frühere Schlosskapelle der Homburg nimmt. Auf dem Rückweg über den Schlosshaldenweg erinnert ein schlichtes Holzkreuz an ein tragisches Unglück aus dem Jahr 1946 beim Baumfällen.

Auf dem Weg zur Mettnau finden Spaziergänger zudem Bildstöcke aus dem 17. Jahrhundert, die zur ursprünglichen Kapelle St. Wolfgang auf der Mettnau führen und an den Leidensweg und an das Ostergeheimnis erinnern.

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