Attraktiv. Dieses Wort benutzt Oberbürgermeister Martin Staab bei dem offiziellen Termin zur fertigen Sanierungsmaßnahme der Bahnhofsunterführung in Radolfzell besonders häufig. „Attraktiv, hell, sauber, schön und begehbar“, so beschreibt der OB den neu sanierten Durchgang zum See.

Die Wände erstrahlen in hellem Weiß und eine dezente und einheitliche Beschriftung weisen den Weg zu den Gleisen und entweder zur Stadt oder zum See. Doch wurde nicht nur etwas frische Farbe und ein neuer Boden verlegt. „Der nicht sichtbare Teil des Projekts hat am meisten Geld gekostet“, erklärt Staab. Denn unter den grauen Bodenplatten wurde das komplette Abwassersystem der Unterführung neu verlegt. Uwe Negraßus, Fachbereichsleiter Tiefbau, verspricht: „Hier wird es keine großen Pfützen mehr geben.“

Lichtanlage ist vandalismussicher

Auch die Lichtanlage sei komplett erneuert worden. Diese seien „vandalismussicher“ und von der Deutschen Bahn zugelassen. „Hier gibt es keine Angsträume mehr, alles ist taghell“, sagt Uwe Negraßus. Bei der Wandgestaltung habe man sich für minimalistisches Weiß entschieden und auch sonstige Plakathalterungen und Schaukästen entsorgt.

Sehr ärgerlich sei hingegen, dass noch während der Sanierung die frisch gestrichenen Wände immer wieder von Unbekannten beschmiert wurden. Die Arbeiter hätten regelmäßig diese wieder überstreichen müssen. „Und das werden wir auch weiterhin so machen. Jeden Tag werden wir, falls notwendig, Schmierereien direkt übermalen“, kündigt Negraßus an. Damit verkannte Künstler merken, dass es sich nicht lohne, sich an den Wänden der Unterführung verewigen zu wollen.

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So schön die Unterführung nun aussieht, so deutlich ist nun der Kontrast zum restlichen Bahnhofsgebäude. Doch dort sei die Bahn zuständig, die Stadt habe keinen Einfluss darauf. Um die eigentlich vorgegebene Barrierefreiheit möchte sich die Deutsche Bahn erst aktiv ab dem Jahr 2027 kümmern, dann sollen die Aufzüge zu den Gleisen installiert werden.

Bodenplatten lassen sich leichter reinigen

Bis dahin soll die Unterführung ihren aktuellen Glanz behalten. Dafür soll auch das eigens dafür neu angeschaffte Reinigungsgerät der Technischen Betriebe sorgen. Dieses reinige und wische gleichzeitig die Bodenplatten in einem Zug. „Davor mussten wir nachts oder früh am Morgen mit dem Dampfstrahlgerät alles sauber machen“, berichtet Ralf Wiedemann, Leiter der Abteilung Stadtreinigung. Auch durch die großen Bodenplatten und die einheitliche Wandfarbe sei die Unterführung nun leichter im jetzigen Zustand zu erhalten.

Neu ist auch, dass die Stadt Radolfzell das Hausrecht für den Durchgang zum See von der Deutschen Bahn erhalten habe. Mit der Konsequenz, dass in dem schmalen Tunnel künftig kein Straßenmusiker mehr spielen dürfen. „Die Unterführung ist auch ein Fluchtweg und den müssen wir freihalten. Das wird künftig regelmäßig kontrolliert“, sagt OB Martin Staab.

Sanierung könnte etwas teurer werden

Die Sanierung ist mit 450.000 Euro veranschlagt worden. Doch werden die Kosten vermutlich ein kleines bisschen höher sein, kündigt Negraßus schon einmal an. Nach der ersten Ausschreibung habe sich erst kein Unternehmen gemeldet. Mit dem Kostenvoranschlag sei man Spitz auf Knopf am Kostenplan dran gewesen und doch hätte die alte Unterführung so manche Überraschung -und somit auch eine Kostensteigerung – für die Arbeiter parat gehabt. „Wir werden vermutlich so zehn Prozent über dem Budget abschließen, doch noch haben wir die Endabrechnung nicht fertig“, so Negraßus. Damit das Bahnhofsgebäude etwas besser zur frisch sanierten Unterführung passt, wolle die Bahn es in den kommenden Wochen von außen grundreinigen lassen.