Wer sich nicht groß für Politik interessiert, oder die letzten paar Jahre als Einsiedler ohne Kontakt nach außen in einer Höhle im Wald auf dem Bodanrück verbracht hat, könnte bei einem heutigen Besuch in Radolfzell etwas verwirrt sein. Es ist Landtags-Wahlkampf. Soweit ist dieser Vorgang bekannt.

Die Parteien haben bereits ihre Wahlplakate aufgehängt. Auch das ist so üblich und sollte selbst Eremiten nicht aus den Socken hauen. Die Parteien sind ebenfalls seit Jahren die selben, die um die Gunst der Wähler buhlen. Also fast.

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Denn in diesem Jahr hängen neben Plakaten der SPD, CDU, Grüne, FDP und Linke auf einmal auch Gardisten, Schnitzwiiber, das Kappedeschle und Schulerbube an den Laternenmasten. Einen knackigen Wahlslogan wie die anderen Parteien haben sie nicht, aber die Optik der Garde-Plakate ist durchaus farbenfroh und ansprechend. Eine Botschaft gibt es dennoch: Alle sollen die Fasnacht daheim feiern.

Und da die Bändel in den Gassen eher zum Feiern animieren, so zumindest die Befürchtung der Radolfzeller Stadtverwaltung, sollen die Plakate an den Laternenmasten die gegenteilige Wirkung haben. Neben den ganzen Wahlkampfplakaten wirken auch die Garde-Plakate seriös. Da will der gemeine Narr nicht feiern, sondern wählen.

Konkurrenz am Laternenmast: Das Kappedeschle neben echten Landtagskandidaten.
Konkurrenz am Laternenmast: Das Kappedeschle neben echten Landtagskandidaten. | Bild: Schneider, Anna-Maria

Wichtig ist es jetzt nur zu wissen, dass die Naarrengarde der Narrizella keine offizielle Partei ist, die am 14. März dann auf dem Wahlzettel steht. Obwohl das Kappedeschle sicher einen hervorragenden Abgeordneten abgeben würde. Er könnte sich dann im Tourismus-Ausschuss des Landtages dann für die intensive Förderung der Fasnacht im ländlichen Raum einsetzen. Ein bisschen Farbe könnte das Landesparlament ohnehin vertragen.

Nur zur Frauenquote würden selbst das Schnitzwiib nicht beitragen. Denn im Kleid steckt natürlich ein Mann. Obwohl es diese Konstellation im baden-württembergischen Landtag noch nicht gibt.