In Stahringen gilt: „Für d`Fasnet gilt des Johr: Schachmatt! Doch it für unser Narrenblatt. Macht au die hure Pandemie s‘meischte vu de Fasnet hi!“. Johann Sauter, Altmeister der Stahringer Schoofwäscherzunft, bringt es damit auf den Punkt: Das Narrenblatt trotzt der Pandemie. Seit mittlerweile 66 Jahren ist der heute 96-Jährige, Vater von Zunftmeister Reinhard Sauter, als Narrenblatt-Redakteur tätig. Auch in diesem Jahr ist er mit zwei treffenden Gedichten vertreten und will gemeinsam mit den zehn Redakteuren den Narren trotz widriger Umstände Unterhaltsames bieten.

Rolf Zimmermann zeichnet seit 45 Jahren die Titelbilder des Narrenblatts, normalerweise passend zum Motto der Fasnacht. In diesem Jahr lautet es: Viele Masken, wenig Fasnet.
Rolf Zimmermann zeichnet seit 45 Jahren die Titelbilder des Narrenblatts, normalerweise passend zum Motto der Fasnacht. In diesem Jahr lautet es: Viele Masken, wenig Fasnet. | Bild: Repro Schoofwäscher

50. Ausgabe mit Rainer Zimmermann

Was für die Radolfzeller Lothar Rapp und das Kappedeschle, ist für die Stahringer ihr Rainer Zimmermann und das „Schoofwäscher“-Narrenblatt. Die diesjährige Ausgabe ist sein mittlerweile 50. Werk. Der unter dem Kürzel „raz“ publizierende Redakteur fing bereits im Alter von 16 Jahren an, für das Blatt zu schreiben. Seit 1973 ist Rainer Zimmermann Chefredakteur. „Trotz der Corona-Pandemie war es uns ein Anliegen, mit dem Narrenblatt ein kleines Stück närrische Normalität in die Häuser zu bringen“, erklärt Rainer Zimmermann.

Chefredakteur Rainer Zimmermann (Bild aus dem Vorjahr) und seinem Redaktionsteam ist es zu verdanken, dass das Narrenblatt erscheint.
Chefredakteur Rainer Zimmermann (Bild aus dem Vorjahr) und seinem Redaktionsteam ist es zu verdanken, dass das Narrenblatt erscheint. | Bild: Petra Reichle

Das Blatt ist mit 56 Seiten so dick wie immer

Wie in jedem Jahr stecken auch in dieser Ausgabe Anekdoten, in denen es am liebsten um kleine Missgeschicken geht, die den Stahringern im zurückliegenden Jahr widerfahren sind – sei es im Urlaub, auf der Homburg, beim Einkaufen oder auf dem neuen Dorfplatz. Mit Rainer Zimmermann haben die Stahringer zudem einen hervorragenden Zeichner, der die Geschichten entsprechend illustrieren kann, zumeist in Form eines Schafs – vom Corona-Schaf, Trink-Schaf, Brillen-Schaf, Zebra-Schaf, Gebiss-Schaf über das Klepperle- und Zunftrat-Schaf bis hin zum Klo-Schaf.

Trotzdem ist in diesem Jahr alles anders

Während üblicherweise die Redakteure gemeinsam ein Wochenende in der Zunftstube zusammensitzen, Most trinken und von Rita und Jane Koch mit „Bohne und Knöpfle“ verköstigt werden, sitzen sie in diesem Jahr allein, oder bestenfalls zu zweit, zuhause und sind per Videokonferenz verbunden. Auch hier findet Johann Sauter den passenden Reim: „Doch alles wa uns des Johr g‘numme, im nägschde wird es wieder kumme. Uf kon Fall ka‘s no lang so bliebe, me wird die Pandemie vertriebe!“

Schafe in allen Lebenslagen gehören seit 50 Jahren zum Erscheinungsbild des Narrenblatts. Chefredakteur Rainer Zimmermann illustriert dafür die Geschichten mit jeweils passenden Schaf-Motiven.
Schafe in allen Lebenslagen gehören seit 50 Jahren zum Erscheinungsbild des Narrenblatts. Chefredakteur Rainer Zimmermann illustriert dafür die Geschichten mit jeweils passenden Schaf-Motiven. | Bild: Repro Schoofwäscher

Diese Hoffnung hat auch Zunftmeister Reinhard Sauter, der schweren Herzens alle Veranstaltungen abgesagt hat. „Unsere Dorf-Fasnet ist seit Generationen vor allem eine Straßenfasnet und lebt vom Miteinander. Damit wir nächstes Jahr wieder alle gemeinsam feiern können, appellieren wir an alle Narren, sich an die geltenden Regeln zu halten“, sagt Reinhard Sauter. Auch wenn keine weiteren Aktionen möglich sind, soll es im Dorf zumindest durch viele Narrenbäume und närrische Dekoration ein bisschen Fasnachts-Stimmung geben. Auch die Musiker sind aufgerufen, die in Corona-Zeiten so beliebte Tradition der Balkon-Musik fortzuführen und den Stahringer Narrenmarsch auf dem heimischen Balkon zu spielen.

Reinhard Sauter wünscht allen eine dennoch gesunde und schöne Fasnacht mit den Worten: „Haut dich‘s Corona-Virus um, no landescht du im Klinikum. Damit des alles it passiert, hätt s‘Gremium, wo grad regiert, uns und alle andre Leit, ganz strenge Regle ufferleit. Und di hond wirklich ihren Grund, befolget‘s guet und bliebed xund. S‘nägscht Johr wird‘s denn wieder schä! Bis dirt äni: Narro Mäh!“