Mit einer deutlichen zeitlichen Verzögerung wurde gestern der Spatenstich zum neuen Pflegeheim auf der Mettnau getätigt. Damit ist praktisch besiegelt, dass die Stadt Radolfzell nicht, wie gefordert, im Juni 2022, sondern erst rund ein Jahr später der Forderung nachkommt, Bewohnern des eigenen Seniorenwohnheims ausschließlich Einzelzimmer anzubieten.

Genügend Zeit für eine Umsetzung hätte man eigentlich gehabt. Seit dem Jahr 2009 ist klar, dass die Zweibettzimmer im städtischen Pflegeheim Hospital zum Heiligen Geist zum September 2019 endgültig durch Einzelzimmer ersetzt werden sollten. Immerhin konnte die Stadt aber eine Verlängerung bis Juni 2022 erwirken.

Nicht allein die Stadt ist schuld an den Verzögerungen

Die Verzögerungen, die sich bei der Umsetzung eines neuen Pflegeheims ergeben haben, sind nicht nur hausgemacht, wie Bürgermeisterin Monika Laule beim Spatenstich erläuterte: „Nachdem wir beim Regierungspräsidium als Stiftungsaufsicht unseren Finanzierungsplan vorgelegt haben, begann eine Odyssee mit etlichen Prüfaufträgen.“

Die Behörde monierte insbesondere den zu niedrigen Eigenkapitalanteil der Stiftung. Sie forderte am Ende 70 Prozent der Investitionssumme von 19,23 Millionen Euro. Die wird nur über einen Verkauf des Gebäudekomplexes in der Poststraße 15 möglich sein. Am 10. Mai endlich erhielt die Stiftung das Ja des Regierungspräsidiums für den Baubeginn.

So soll es in zwei Jahren an diesem Platz aussehen: Ein Modell vom künftigen Pflegeheim auf der Mettnau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Radolfdzeller Krankenhaus (im Bildhintergrund).
So soll es in zwei Jahren an diesem Platz aussehen: Ein Modell vom künftigen Pflegeheim auf der Mettnau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Radolfdzeller Krankenhaus (im Bildhintergrund). | Bild: Jarausch, Gerald

In jedem Fall dürfen sich die Senioren der Stadt auf ein modernes Gebäude freuen, wie OB Martin Staab betonte. Um auch sonst dem Ruf einer Umweltstadt gerecht zu werden, finden sich auf dem Dach des Pflegeheims eine Dachbegrünung und eine Photovoltaikanlage.

Mit den Wohngruppen ist man zudem dem Wohn- und Teilhabegesetz nachgekommen, das ein Leben in der Gemeinschaft für Senioren fordert. Die hohe Qualität des Gebäudes spiegele sich optisch in dem Versuch wider, es trotz seines Volumens möglichst leicht wirken zu lassen. Nicht zuletzt aus diesem Grund erhielt das Architekturbüro GMS aus Isny den Zuschlag beim Gestaltungswettbewerb.

18 Euro mehr am Tag

Monika Laule musste ankündigen, dass die künftigen Bewohner mehr Geld für das Wohnen ausgeben müssen als bisher. Die Kosten werden sich wohl um rund 18 Euro pro Tag erhöhen. Das liegt an dem Investitionskostensatz, der anteilig in den Gesamtkosten einer Unterbringung beinhaltet ist.

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Für die künftige Hausherrin Marisa Eid, die seit April als Leiterin der Altenpflegeeinrichtung Hospital zum Heiligen Geist tätig ist, beginnt mit dem Spatenstich eine Zeit der Vorfreude: „Ich freue mich, dass wir künftig viel mehr Qualität für die Bedürfnisse der Bewohner anbieten können“, sagte sie auf Nachfrage des SÜDKURIER.

Nach ihrer Einschätzung wird man die Arbeit im neuen Pflegeheim mit dem Personal des bisherigen Hauses an der Post- und Seestraße bewältigen können. Sie sieht insbesondere bei der Anordnung der Räumlichkeiten eine große Erleichterung auf das Personal zukommen. Nicht zuletzt deswegen wird es möglich sein, dass es künftig rund doppelt so viele Tagespflegeplätze geben wird wie bisher.

Es fehlt an Pflegeplätzen

Gleichwohl steigt die reine Anzahl der Pflegeplätze in Radolfzell mit dem Neubau nicht nennenswert, wie Monika Laule betonte: „Wir schaffen keine neuen Plätze.“ Das wäre allerdings durchaus vonnöten. Denn nach ihrer Aussage „fehlt es im Landkreis massiv an Plätzen“. Das ist ähnlich wie in Radolfzell der Umstellung auf Einzelzimmer zuzuschreiben. „Viele Einrichtungen mussten schließen“, stellte die Bürgermeisterin fest.