Angelika Haarbach verlässt die Ratoldus Gemeinschaftsschule – sie tritt ihren Ruhestand vorzeitig an, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. In den vergangenen acht Jahren, die sie der Schule vorstand, galt es eine Reihe von Herausforderungen zu meistern: Der Bau des neuen Schulgebäudes und die Entwicklung eines Konzepts für die neue Schulform.

Seit Beginn der Gemeinschaftsschule nahm in jedem Jahr die Anzahl der Schüler und Lehrer zu. In diesem Sommer absolvierten die ersten Zehntklässler ihren Realschulabschluss. Kollegen und Schüler dankten Haarbach bei der Abschiedsfeier für ihren großen Einsatz und die herzliche Atmosphäre, die sie verbreitet habe.

Gehen, wenn es am Schönsten ist

Man solle ein Fest verlassen, wenn es am schönsten ist, zitierte Norbert Schaible, geschäftsführender Schulleiter von Radolfzell. Angelika Haarbach habe den Zeitpunkt ihres Abschieds an einem Höhepunkt ihrer Tätigkeit an der Gemeinschaftsschule gut gewählt. Die ersten Fünftklässler, die den Start an der weiterführenden Schule machten, halten seit Kurzem ihre Realschulabschluss-Zeugnisse in den Händen.

Ein Schiffchen für die Rektorin: Lehrerin Sibylle Köhler-Heck (v.l.) übergibt Angelika Haarbach das Abschiedsgeschenk des Kollegiums – einen Gutschein für einen Restaurantbesuch und eine Überfahrt nach Sylt. Rechts daneben Konrektorin Katharina Schmal.
Ein Schiffchen für die Rektorin: Lehrerin Sibylle Köhler-Heck (v.l.) übergibt Angelika Haarbach das Abschiedsgeschenk des Kollegiums – einen Gutschein für einen Restaurantbesuch und eine Überfahrt nach Sylt. Rechts daneben Konrektorin Katharina Schmal. | Bild: Natalie Reiser

Haarbach sei die vielen Herausforderungen an dieser Schule „tatkräftig“ angegangen, lobte Oberbürgermeister Martin Staab. Er habe die 62-Jährige als „engagierte, umtriebige Schulleiterin mit Mut, Gestaltungswillen und Blick für das Wesentliche“ kennengelernt. Obwohl die Zusammenarbeit mit dem städtischen Schulträger vertrauensvoll und von Verständnis dafür geprägt gewesen sei, dass manches nicht so schnell gehe, habe sie in Punkten, die ihr wichtig waren, „nicht lockergelassen“.

Weitere gute Wünsche

Verena Mohr, die Vorsitzende des Elternbeirats, dankte Angelika Haarbach für ihre kompetente Führung, die es zugelassen habe, dass alle gemeinsam mit der neuen Schulform wachsen konnten.

Die Klasse fünf gold singt an frischer Luft ein Abschiedsständchen für Schulleiterin Angelika Haarbach.
Die Klasse fünf gold singt an frischer Luft ein Abschiedsständchen für Schulleiterin Angelika Haarbach. | Bild: Natalie Reiser

Schüler verschiedener Klassen hatten Videobotschaften zusammengestellt, in denen sie der Rektorin gute Wünsche mit auf den Weg gaben. Eine kleine Auswahl der lustigsten Wünsche: „Wir wünschen Ihnen eine schöne Rente“, „Sie waren immer nett und hatten ein gutes Händchen bei der Personalauswahl“, „Viel Spaß mit der Familie“ und ein Wunsch der Jüngsten an der Grundschule: „Wir hoffen, Du kriegst kein Corona.“

Nachfolge ist noch offen

Wer die Leitung im nächsten Schuljahr übernehmen wird, sei noch nicht sicher, informierte Sarah Schäfer, verantwortlich für die Pressearbeit an der Schule. Konrektorin Katharina Schmal, die ihre Arbeit an der Schule in dieser Funktion weiterführen wird, dankte Haarbach in einer emotionalen Rede. Sie würdigte sie als „enorme Kämpferin“, der nicht nur die Schule, sondern auch sie persönlich viel zu verdanken habe.

Schmal zeichnete den Lebenslauf von Haarbach nach. Inmitten ihrer beruflichen Laufbahn als Lehrerin an verschiedenen Schulen in St. Georgen, Tuttlingen und Salem und zugleich als verheiratete Mutter von drei Kindern habe Haarbach einen Masterstudiengang absolviert, der sie auf die Position einer Schulleiterin vorbereitete. In den 40 Dienstjahren, die nun hinter ihr liegen, habe sie sich zudem für die SPD engagiert und zahlreiche Ehrenämter bekleidet. Trotzdem sei das Gesellige mit Haarbach als Rektorin nicht zu kurz gekommen.

Fünftes Kind einer armen Familie

Gerührt, aber gleichzeitig voller Energie dankte Haarbach für das Lob. Als fünftes Kind einer armen Familie sei sie stets dankbar für die Bildungsmöglichkeiten gewesen, die sich ihr geboten hätten. „Ich bin überzeugt davon, dass Bildung soziale Unterschiede ausgleichen kann“, so die Schulleiterin. Insofern sei der Weg an eine Gemeinschaftsschule für sie logisch gewesen. Diese Schulform neu aufbauen zu können, nannte sie ein „Mammutprojekt“ und zugleich „die spannendste Aufgabe“, die es für eine Rektorin gebe.

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Damit habe sie einen Wunsch verwirklichen und etwas Dauerhaftes schaffen können. Ein „Fertig“ gebe es allerdings nie, das Konzept werde stetig weiterentwickelt werden. Sie bedankte sich beim Schulamt und allen Kollegen für die beständige Unterstützung. Den größten Dank sprach sie jedoch ihrer Familie aus: „Ohne Euch hätte ich das nicht bewältigt!“ In wenigen Tagen kann Angelika Haarbach mit ihrem Ehemann den 35. Hochzeitstag feiern. Außerdem freut sie sich auf ihr erstes Enkelkind.