Man hat beinahe den Eindruck, dass Karola Rösch angesichts dieser Nachricht ein ganzes Netz voller Handbälle vom Herzen gefallen ist: „Wir freuen uns alle riesig, dass wir endlich wieder trainieren dürfen“, sagt die Sprecherin des HSC Radolfzell. Seit dem Mittwoch darf in Baden-Württemberg Fußball, Handball, Basketball, Volleyball, Ringen und Judo wieder ohne die bisherigen Abstandsregeln trainiert werden.

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Denn seit dem 1. Juli ist grundsätzlich der Trainings- und Wettkampfbetrieb in Mannschafts- und Kontaktsportarten wieder in den Hallen möglich. Abseits des Sportbetriebes ist der Abstand von mindestens 1,5 Metern weiter einzuhalten.

Endlich wieder Sperre-Absetzen beim HSC

Für Karola Rösch vom HSC Radolfzell wurde es Zeit, dass wieder ordentlich für die neue Handballsaison trainiert werden kann. „Auch wenn wir noch immer nicht wissen, wann und ob sie dieses Jahr überhaupt starten wird“, sagt sie. Aber beim HSC will man vorbereitet sein. Von der B-Jugend aufwärts bis zu den Aktiven haben alle HSCler das Training wieder aufgenommen.

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Dafür wurde laut Rösch ein strenges Hygienekonzept beim Handballverein entworfen: So dürfen die Spieler nach wie vor nur umgezogen in der Halle erscheinen – auch wenn die neue Corona-Verordnung die Nutzung von Kabinen und Duschen wieder erlaubt. Vor dem Training und auch danach müssen die Handballer ihre Hände und vor allem auch ihren Handball desinfizieren. „Und zudem wird in jeder Einheit vom Trainer eine Liste mit allen Anwesenden ausgefüllt, das ist Pflicht“, erläutert Rösch. So könne im Falle eines möglichen infizierten Sportlers die Infektionskette einfach und schnell nachverfolgt werden.

Per Sprungwurf über den Block: Beim HSC Radolfzell kehren die Spieler endlich wieder zum gewohnten Trainingsinhalt zurück.
Per Sprungwurf über den Block: Beim HSC Radolfzell kehren die Spieler endlich wieder zum gewohnten Trainingsinhalt zurück. | Bild: Jarausch, Gerald

Die E- und F-Jugendlichen sowie die Bambinis, also die ganz kleinen Handballer, müssen nach wie vor auf ihren Trainingsstart in der Halle warten. „Dort sind einfach zu viele Kinder im Training“, sagt Rösch. Bislang dürfen 20 Spieler an einer Einheit teilnehmen. Im Trainer der F-Jugend beispielsweise, seien es laut Rösch pro Training um die 30 Nachwuchsspieler. Ein zu hohes Risiko, wie die Jugendtrainerin empfindet. „Deshalb haben wir beschlossen mit dem Training bis nach dem Sommerferien zu warten“, so Rösch weiter.

BSZ-Halle bleibt den Handballern verschlossen

Und auch ein anderer Umstand macht die Ur-HSClerin sauer: Während alle städtischen Sporthallen wieder geöffnet sind, dürfen die Handballer die Halle am Berufsschulzentrum in Radolfzell weiterhin nicht nutzen. Laut Rösch habe man keine Angaben zu den Gründen erhalten. „Jetzt dürfen wir endlich wieder trainieren und dort bleibt die Halle geschlossen. Uns fehlen so Einheiten“, sagt sie.

Prüfungen am BSZ sind der Grund

Laut Marlene Pellhammer, Pressesprecherin des Landratesamtes Konstanz, stehe die Sporthalle am BSZ deshalb noch nicht zur Verfügung, weil sie für Prüfungszwecke benötigt werde. Dies solle sich aller Voraussicht nach nach den Sommerferien wieder ändern. Pellhammer betonte aber auch, dass der HSC für den temporären Wegfall der BSZ-Halle zusätzliche Zeitkontingente in der Mettnauhalle erhalten habe.

Schulterwurf: Beim ersten Training nach dem Lockdown geht es beim VFK Eiche zur Sache.
Schulterwurf: Beim ersten Training nach dem Lockdown geht es beim VFK Eiche zur Sache. | Bild: Jarausch, Gerald

Erstes Training seit Mitte März für Ringer

Für Egon Bader, Vorsitzender der Ringer des VFK Eiche Radolfzell, ist die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes auch im Kampfsportbereich ein lange ersehntes Signal der baden-württembergischen Landesregierung. Auch die Ringer haben pünktlich am 1. Juli wieder den Trainingsbetrieb aufgenommen. „Für uns ist es das erste Training seit dem Ausbruch der Pandemie Mitte März“, sagte er.

Keine Zuschauer erlaubt

Man müsse zwar immer noch auf Zuschauer beim Training verzichten – was gerade bei den ganz jungen Ringer manchmal schwer sei – aber er zeigte sich glücklich, dass es jetzt endlich wieder los gehe. „Die zwangsverordnete trainingsfreie Zeit war für uns Ringer eine mittlere Katastrophe“, so Bader weiter. Bei Trainings- und Übungsformen, in denen ein andauernder körperlicher Kontakt erforderlich ist, bilden die Eiche-Ringer feste Trainings- und Übungspaare.

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Trotz der Rückkehr zum Trainingsbetrieb sorgt sich Bader, dass die Pandemie auch negative Folgen für seinen Sport nach sich ziehen könne. Denn er rechne auch mit Absprüngen von jungen Ringern, die sich in Zeiten der Trainingsabstinenz eine andere Sportart gesucht hätten. „Der Sport ist seit März sehr ins Abseits geraten“, so Bader. Traurig stimme ihn auch, dass die eigentlich für April in Radolfzell vorgesehene A-Jugendmeisterschaft der Pandemie zum Opfer fiel. „Sie wird zwar nachgeholt, allerdings nicht bei uns in Radolfzell„, sagt Bader.

Es gelten weiterhin strenge Regeln

Seit Mittwoch dürfen die Sportvereine in Radolfzell wieder mit Körperkontakt trainieren. Dennoch müssen sich die Sportler an strenge Regeln halten. Diese Vorschriften sind laut Stadtverwaltung zu beachten:

  1. .Kein Abstand, aber: Während des gesamten Trainingsbetriebes muss ein Abstand von mindestens 1,5 Metern durchgängig eingehalten werden. Davon ausgenommen sind für das Training oder die Übungseinheit übliche Sport-, Spiel- und Übungssituationen. Ist durchgängig oder über einen längeren Zeitraum ein unmittelbarer Körperkontakt erforderlich, sind möglichst feste Trainingspaare zu bilden.
  2. .Keine Durchmischung: 20 Sportler dürfen zusammen in der Halle trainieren. Innerhalb dieser Gruppe kann auf den ansonsten erforderlichen Mindestabstands verzichtet werden. Eine Durchmischung der Gruppen soll vermieden werden.
  3. .Keine Viren: Alle benutzten Sport- und Trainingsgeräte müssen nach der Benutzung sorgfältig gereinigt oder desinfiziert werden.
  4. .Kein Müffeln: Umkleiden und Duschen dürfen wieder benutzt werden. Sportler müssen in den Kabinen und Duschen aber darauf achten, dass sie den Mindestabstand einhalte. Zudem ist der Aufenthalt zeitlich auf ein Minimum zu beschränken. (mgu)