Die Messmer Stiftung ist durch jährliche Spendenvergaben in sechsstelliger Höhe bekannt. Anfang des Jahres hat sie selbst eine Zustiftung erhalten. Eine Witwe aus Radolfzell, die ungenannt bleiben möchte, hat der Stiftung 300.000 Euro überschrieben. Die Messmer Stiftung nimmt diese Zustiftung zum Anlass, darüber zu berichten, wie Spenden und Zustiftungen behandelt werden, wie die Stiftung wirtschaftet und wie es ihr trotz Corona voraussichtlich gelingen wird, die Ausschüttungen auf dem Niveau der Vorjahre zu halten.

Die diesjährige Zustiftung ist die zweite, die die Messmer Stiftung bislang erhalten hat. Der erste Zustifter wurde während eines Kuraufenthalts in der Messmer Klinik auf die Stiftung aufmerksam. Regional zu fördern und konkret verfolgen zu können, welche Projekte vor Ort unterstützt werden, sei in beiden Fällen ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung gewesen, das Geld der Messmer Stiftung zukommen zu lassen, berichten Petra Bialoncig und Arnulf Heidegger vom Vorstand der Stiftung. „Der Zustifterin ist es wichtig, dass ihr Vermögen den Bürgern der Stadt Radolfzell und der Region zugutekommt“, erklärt Bialoncig.

Ein weiterer Wunsch sei gewesen, das Geld so anzulegen, dass es langfristig wirken kann. Eine Zustiftung erhöht den Kapitalstock der Stiftung und muss nicht, wie eine Spende, zeitnah verwendet werden. Ein Zustifter erhält keinerlei Rechte. Doch durch den Satzungszweck einer Stiftung ist festgelegt, wie die Gelder verwendet werden dürfen.

Ihnen hat die Region die Stiftung zu verdanken, die jedes Jahr eine Ausschüttung in sechsstelliger Höhe vornimmt: Das mittlerweile verstorbene Radolfzeller Unternehmerehepaar Erika und Werner Messmer, hier im Jahr 2006.
Ihnen hat die Region die Stiftung zu verdanken, die jedes Jahr eine Ausschüttung in sechsstelliger Höhe vornimmt: Das mittlerweile verstorbene Radolfzeller Unternehmerehepaar Erika und Werner Messmer, hier im Jahr 2006. | Bild: Roland Dost

Die Messmer Stiftung wurde 1998 vom Unternehmer Werner Messmer als gemeinnützige Stiftung gegründet. Sie soll auf die Ewigkeit angelegt sein. Zweimal jährlich werden Projekte im gesamten Landkreis in den Bereichen Bildung, Erziehung und Jugendhilfe, in Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie in Sport, Gesundheitswesen und Altenpflege gefördert. Heute liege das Grundstockvermögen der Stiftung bei etwa 43 Millionen Euro, so Bialoncig. „Stiftungen benötigen, um erfolgreich zu sein, eine gewisse Größe“, erklärt Karl Steidle, Aufsichtsratsvorsitzender der Messmer Stiftung. Kleinere Stiftungen von unter einer Million Euro seien kaum rentabel und sinnvoll zu gestalten.

Da in der aktuellen Niedrigzinslage kaum Erträge zu erzielen seien, sei die Lage für kleinere Stiftungen besonders schwierig, fährt Bialoncig fort. Der Messmer Stiftung sei es hingegen gelungen, gut zu wirtschaften. „Auch 2020 konnten wir unsere Zielrendite von drei bis dreieinhalb Prozent erreichen“, informiert die Managerin. Etwa 25 Prozent des Vermögens sei in Immobilien gebunden.

Mieteinnahmen fließen über die Stiftung in die Region

In Radolfzell hat die Stiftung das Messmer Haus in der Stadtmitte gebaut, das von der Caritas gemietet wird. Auch das Montessori Kinderhaus in der Nordstadt, dessen Mieter die Stadt Radolfzell ist, befindet sich im Besitz der Stiftung. Künftig strebe die Stiftung aber an, den Anteil des in Immobilien investierten Vermögens auf 40 Prozent zu erhöhen. In Planung ist der Bau einer dreizügigen Kindertagesstätte im Neubaugebiet „Im Tal“ in Markelfingen. Im April erwartet die Stiftung die Entscheidung des Gemeinderates, der zwischenzeitlich eine Einrichtung für nur zwei Gruppen bevorzugt hatte. Das freie Kapital der Stiftung werde zurzeit in Aktien angelegt.

Was die zur Verfügung stehende Summe angeht, die 2021 in Förderungen investiert werden kann, seien die Weichen auch trotz Corona auf eine positive Entwicklung gestellt. Bedauerlicherweise könne auch in diesem Frühjahr kein großes Zusammenkommen zur Spendenvergabe im Milchwerk stattfinden, meint Heidegger. „Das war immer ein sehr schönes Format, das uns die Möglichkeit gegeben hat, alle zu treffen, die Projekte in der Stadt und im Landkreis umsetzen“, findet er.

Wenn die Messmer Stiftung zur Ausschüttung ihrer Förderungen einlädt, ist das seit vielen Jahren ein gesellschaftlicher Anlass für Radolfzell und den Kreis Konstanz. 2019 konnte dies im Milchwerk noch in großer Runde gefeiert werden, als insgesamt über eine halbe Million Euro an 108 Antragsteller vergeben wurden.
Wenn die Messmer Stiftung zur Ausschüttung ihrer Förderungen einlädt, ist das seit vielen Jahren ein gesellschaftlicher Anlass für Radolfzell und den Kreis Konstanz. 2019 konnte dies im Milchwerk noch in großer Runde gefeiert werden, als insgesamt über eine halbe Million Euro an 108 Antragsteller vergeben wurden. | Bild: Georg Lange

Doch auch unabhängig davon werde viel Wert auf eine gute Kommunikation mit Schulen, Kulturschaffenden und städtischen Einrichtungen gelegt, um zu sehen, wie Projekte vorankommen. „Für uns ist eine Beziehung auf Augenhöhe und ein regelmäßiger Austausch sehr wichtig. Wir wollen hören, was den Menschen am Herzen liegt, wie sie Förderungen wahrnehmen, ob sie Wünsche und Ansätze für Förderungen haben“, sagt Bialoncig.

Aufgrund von Corona habe einiges verschoben werden müssen, berichtet sie weiter. Vor allem Projekte im Kulturbereich konnten nicht stattfinden. Oft sei gemeinsam nach Alternativen gesucht worden. Noch wichtiger sei es geworden, Schüler digital so auszurüsten, dass sie am Homeschooling teilnehmen können. In mehreren Fällen half die Stiftung kurzfristig: Schüler der Ratoldus Gemeinschaftsschule bekamen Tablets und die Kinderwohnung erhielt ein Laptop. Ferner förderte die Stiftung den Kulturfonds, der zur Unterstützung für Kulturschaffende im Landkreis gegründet wurde, sowie die Caritas, die ein Betreuungsangebot für Familien während Corona schuf. Das THW bekam eine Förderung, um eine Hygienestation anzuschaffen.