Für Leseratten der Region gibt es eine erfreuliche Nachricht: Die Stadtbibliothek hat am Donnerstag ihre Türen erstmals wieder geöffnet. Bei einem Rundgang durch das Gebäude mit Angelique Tracik, Leiterin für den Fachbereich Kultur, und Petra Wucherer, Leiterin der Stadtbibliothek, wird eines allerdings schnell deutlich: Normal ist im Österreichischen Schlösschen derzeit nichts.

„Bitte einzeln eintreten“. Vor und in der Stadtbibliothek stehen mehrere Schilder.
„Bitte einzeln eintreten“. Vor und in der Stadtbibliothek stehen mehrere Schilder. | Bild: Julian Widmann

„Es ist eine wahnsinnige Umstellung“, sagt Petra Wucherer und erklärt: „Das, was die Stadtbibliothek eigentlich auszeichnet, gibt es aktuell nicht.“ Sie nennt ein Beispiel: Das Zurückziehen mit einer Zeitung bei einem Kaffee – in Corona-Zeiten undenkbar. „Die Stadtbibliothek wird von vielen Menschen hier eigentlich als Wohnzimmer von Radolfzell bezeichnet“, sagt Wucherer. Das sei aktuell aber nicht mehr der Fall.

Hier können die Kinder eigentlich entspannt lesen. Eigentlich, denn aktuell ist der Bereich wegen Corona abgesperrt.
Hier können die Kinder eigentlich entspannt lesen. Eigentlich, denn aktuell ist der Bereich wegen Corona abgesperrt. | Bild: Julian Widmann

Und dennoch sind sie und auch Angelique Tracik froh, unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln die Leser im Österreichischen Schlösschen wieder begrüßen zu dürfen. „Für uns ist das auch ganz neu, wir sind jetzt in den Testtagen und schauen, was alles funktioniert und wo wir anpassen müssen“, sagt Tracik. Genau beobachten und gegebenenfalls steuern – das sei die Devise. Aktuell dürfen sich maximal 40 Besucher gleichzeitig in der Stadtbibliothek aufhalten: „Wenn wir merken, dass es zu viele Besucher werden und die Leute sich zu nahe kommen, reduzieren wir auf 30“, stellt Wucherer klar.

Angelique Tracik (links) mit einem Einkaufskorb, den die Besucher am Eingang finden.
Angelique Tracik (links) mit einem Einkaufskorb, den die Besucher am Eingang finden. | Bild: Julian Widmann

Am Eingang der Bibliothek stehen deshalb auch nur genau 40 Körbe. Die Leiterin der Stadtbibliothek zeigt beim Rundgang auf die blauen Körbe: „Die zehn blauen Körbe sind für die Kinder, die 30 weißen für die Erwachsenen.“ Das System mit den Körben sei wichtig für den Überblick. Sprich: Steht kein Korb mehr zur Verfügung, darf auch vorübergehend erstmal niemand mehr rein.

Der eigentliche Lieblingsort von Petra Wucherer (rechts) in der Stadtbibliothek. Aktuell mussten die Sitzmöglichkeiten aber weggeräumt werden.
Der eigentliche Lieblingsort von Petra Wucherer (rechts) in der Stadtbibliothek. Aktuell mussten die Sitzmöglichkeiten aber weggeräumt werden. | Bild: Julian Widmann

Sowohl Tracik als auch Wucherer wollen unbedingt vermeiden, dass die Menschen sich zu nahe kommen. Daher liege ihnen auch trotz Wiederöffnung der Lieferservice, den die Stadtbibliothek seit Montag, 20. April, anbietet, sehr am Herzen. „Wir wollen ihn weiterhin aufrecht erhalten“, sagt Wucherer. Denn sie wolle ja, dass die Leute zum Lesen kommen: „Normal sind etwa 30 Prozent unserer Medien ausgeliehen. Wir sind froh, dass durch die Wiederöffnung und den Lieferservice wieder Bücher rausgehen“. Denn tausende Medien seien in den vergangenen Wochen zurückgekommen.

Die Rückgabe der Bücher erfolgt nur durch den Rückgabeautomaten.
Die Rückgabe der Bücher erfolgt nur durch den Rückgabeautomaten. | Bild: Julian Widmann

Entscheidend seien in der nächsten Zeit zudem die Regeln, an die sich die Besucher halten müssten, so Tracik. Zum Beispiel, dass Bücher nur noch über den Rückgabe-Automaten zurückgegeben werden dürfen. „Das war uns ein Anliegen, dass die Leser beim Zurückgeben der Medien nicht in die Bibliothek müssen“, erklärt die Leiterin für den Fachbereich Kultur.

Auch in der Stadtbibliothek gelten strenge Abstandsregeln.
Auch in der Stadtbibliothek gelten strenge Abstandsregeln. | Bild: Julian Widmann

Zudem gelte ab Dienstag – montags ist die Stadtbibliothek geschlossen – die Mundschutzpflicht. Petra Wucherer fügt an, dass sie sehr froh über diese Lösung sei. „Ich hoffe aber, dass die Menschen schon am Freitag einen Mundschutz tragen“, sagt sie.

Die Anweisungen sollen den Besuchern helfen.
Die Anweisungen sollen den Besuchern helfen. | Bild: Julian Widmann

Doch nicht nur das. Für Petra Wucherer und ihr Team ist derzeit eben vieles anders, wie sie selbst ausführt. Internetplätze gebe es aktuell keine. Auch die Möglichkeit, die öffentliche Toiletten zu benutzen, falle weg. „Die Leute zeigen dafür aber großes Verständnis“, so Wucherer, die sich für die kommenden Wochen gut vorbereitet fühlt. Mit einem erleichternden Lächeln sagt sie: „Zum Glück haben wir hier in Radolfzell nette und geduldige Leser. Ich bin zuversichtlich.“