Mit einem Video haben Mitglieder der Radolfzeller Aktionsgemeinschaft jetzt auf die prekäre Situation im Einzelhandel hingewiesen. Die Resonanz auf das 4.40 Minuten lange Video, dass auf der eigenen Facebook-Seite am Samstagabend veröffentlicht wurde, ist überwältigend: „Nach zwei Tagen haben schon 9000 Leute das Video gesehen. Wir haben durchgehend positive Rückmeldungen“, sagt Hanspeter Hafner. Der Radolfzeller Schuhhändler selbst ist einer der Akteure in dem Video.

Insgesamt äußern sich elf Einzelhändler darin. Sechs davon stammen aus Radolfzell, die anderen aus Konstanz, Singen und Stockach. Die Kooperation über die Stadtgrenze hinaus war ein bewusster Schritt der Einzelhändler, berichtet Initiatorin Sandra Biller-Stocker: „Wir können durch die Krise zusammenwachsen. Es geht nicht um eine Stadt, sondern den Landkreis. Je mehr dahinterstehen, desto besser“, sagt sie.

„Hier geht es nicht mehr um eine Umsatzdelle, sondern um die Existenz“

Die Botschaft, die hinter dem Video steht, ist klar und eindeutig: „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, heißt die Bestandsaufnahme, die visuell mit einem Gang in das fünf Grad kalte Wasser im Untersee untermauert wird. Im Anschluss verlesen die Einzelhändler abwechselnd ihre Sicht auf den Lockdown und seine Folgen. Dabei plädieren sie für eine maßvolle Öffnung samt Anmeldung und Rückverfolgungsmöglichkeit. Das dauerhafte Schließen der Geschäfte und der Gastronomie halten sie für fatal: „Hier geht es nicht mehr um eine Umsatzdelle, sondern um die Existenz“, stellt Hanspeter Hafner klar. Deshalb plädieren sie in dem Video für mögliche Öffnungsstrategien.

„Uns nervt die Ideenlosigkeit der Politik. Da gibt es nur die Holzhammermethode. Nach einem Jahr darf man da auch mal etwas anderes erwarten“, führt Hafner weiter aus. Verwunderlicherweise gelten die Einschränkungen nicht für alle Branchen. Dass Lebensmittelketten in ihren Sortimenten zunehmend Sachwaren anbieten und in Baumärkten keine Kundennachverfolgung notwendig ist, „versteht kein Mensch“, sagt Stefan Heck. Weil man einerseits auf die schwierige Situation aufmerksam machen und andererseits keinen weiteren Brandbrief schreiben wollte, kam man in einer Sitzung der Aktionsgemeinschaft Radolfzell auf die Videoidee.

Hans Peter Hafner ist einer von insgesamt elf Akteuren, die in dem Video die Botschaft der Aktionsgemeinschaft vermitteln.
Hans Peter Hafner ist einer von insgesamt elf Akteuren, die in dem Video die Botschaft der Aktionsgemeinschaft vermitteln. | Bild: Jarausch, Gerald (Screenshot Facebook)

Wichtig ist den Akteuren auch, dass es „kein Jammervideo“ ist, wie Stefan Heck betont. „Uns war wichtig, dass es ein positives Video ist. Wir wollen arbeiten und nicht noch weitere Hilfen“, erklärt Sandra Biller-Stocker dazu. Sie war für die Organisation und Zusammenstellung des Videos zuständig.

Mit technischer Hilfe von außerhalb wurden die verschiedenen Videoelemente und Textpassagen aus den unterschiedlichen Mündern zusammengefügt, so dass alle Beteiligten praktisch mit einer Stimme sprechen und die gleiche Botschaft senden. „Es nutzt nichts, wenn nur der Handel geöffnet wird. Es müssen alle wieder arbeiten dürfen“, sagt Sandra Biller-Stocker.

Das Video der Aktionsgemeinschaft ist auf der Facebook-Seite des Händlerverbundes platziert. Auch gibt es einen instagram-Account, auf dem sich das Video befindet