Er sei überwältigt und gerührt, gestand Johannes Kögel, Vorsitzender des Krankenhausfördervereins Radolfzell. Denn der große Saal des Milchwerks war nahezu voll besetzt beim Benefizkonzert. Zu diesem hatte das Orchester des Gesundheitsverbundes Landkreis Konstanz zugunsten des Radolfzeller Krankenhauses geladen.

Und der ärztliche Direktor des Hegau-Bodensee-Klinikums Radolfzell Sebastian Jung sah es in seiner kurzen Ansprache als Vertrauensbeweis, dass das Publikum in so großer Zahl erschienen sei. „Ihr habt die Covid-Zeit gut genutzt, mir fehlen die Worte“, sagte er in Richtung Orchester und seinem Leiter Wolfram Lucke.

Ein abwechslungsreiches Programm

Tatsächlich überzeugte das Laien-Orchester, das in der Hauptsache aus Mitarbeitern des Klinikverbundes besteht, in hohem Maße. Wolfram Lucke, Initiator und Gründer in Personalunion, hatte ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet, das das Orchester mit sichtbarer Freude am gemeinsamen Spiel bewältigte.

Mit gestenreichem und körperbetontem Dirigat führte Lucke sein Orchester sicher auch durch schwierige Passagen. Er dirigierte das jeweilige Tempo vor und ermunterte zu dynamisch gestaltetem, spannungsvollem Spiel.

Zwischen energetischen und fließenden Passagen

Joseph Haydns C-Dur-Divertimento war die geeignete Warmspiel-Musik, schwungvoll, breit fließend und mit stimmigen Pointen. Schostakowitschs herrliche Miniaturen aus „Fünf Stücke“ verlangten ebenso energische Spielweise wie sanfte Ausführung etwa im markanten Walzer.

Natürlich greift das Orchester in seinen Konzerten auch auf ein eingespieltes Repertoire zurück, aber die für Orchester bearbeiteten vier Stücke von Edvard Grieg waren eine Premiere.

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Aus „Lyrische Stücke“, ursprünglich für Klavier geschrieben, bezauberte der „Zug der Zwerge“ mit schmissigem Orchesterklang und fein gewichteten solistischen Aufgaben. Auch „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ ist geprägt von rauschenden Festklängen und zarten, versonnenen Zwiegesprächen.

Ein perfektes Ende

Der in den Konzerten des Liebhaber-Orchesters stets gleiche Finalblock begann mit dem bekannten fünften Ungarischen Tanz von Johannes Brahms, führte über Edward Elgars „Nimrod“ aus seinen Enigma-Variationen, wo das Orchester im satten Klang schwelgen darf, zum perfekten Rausschmeißer, dem zweiten Walzer von Schostakowitsch.

Hier bewies das Orchester noch einmal sein Können: Behäbig schreitendes Walzertempo trifft auf sehnsuchtsvoll zarte Zwischentöne – mitreißender und eingängiger kann ein Konzert kaum enden!