Viele hatten es im Zuge der abgesagten Radolfzeller Kulturnacht bereits abgehakt. Umso überraschender kommt die Nachricht von Victoria Graf, dass das große Scheunenprojekt „7:77 Ortszeit“ in Böhringen trotz Corona-Pandemie definitiv vom 30. September bis 4. Oktober stattfindet. Gemeinsam mit etwa 30 Künstlern will sie den historischen Ortskern in Böhringen das dritte Jahr in Folge in ein großes Künstlerdorf verwandeln.

Was in diesem Jahr anders ist

„Es geht doch!“ kommt es fast ein bisschen triumphierend von Victoria Graf, die in den vergangenen Monaten hartnäckig an ihrem Projekt drangeblieben ist. „Das Hygienekonzept ist natürlich ein Riesen-Aufriss, aber da das Gelände sehr weitläufig und groß ist, können die geforderten Abstände gut eingehalten werden“, betont sie.

Allerdings würden in diesem Jahr das Rathaus und ihr eigenes Atelier „Die Werkstatt“ nicht als Stationen bespielt. Man beschränke sich auf die Wohnhäuser, Ställe und Scheunen in der Fritz-Kleiner-Straße sowie auf das Schlachthaus und das Nachbargebäude auf dem Dorfplatz. Jedoch ist ein weiteres altes Wohngebäude hinzugekommen.

Bauzaun, Vorschriften und Security-Dienst

Es sei geplant, das ganze 2500 Quadratmeter große Ortszeit-Gelände mit einem Bauzaun abzusperren. Insgesamt dürfen sich auf dem Areal zeitgleich 500 Besucher aufhalten. Darüber wacht ein Security-Dienst, der auch die Kontaktdaten aufnimmt. Die Ställe und Scheunen, die Victoria Graf eigenhändig ausmessen musste, können je nach Größe von 16 bis 24 Personen gleichzeitig besuchen. Im Schlachthaus und in den drei Wohngebäuden dürfen sich je nach Größe der Etagen und Räume drei bis 18 Personen zeitgleich aufhalten.

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„Wir hoffen einfach, dass sich alles über die fünf Tage etwas verteilt“, so Victoria Graf. Auf zusätzliche Höhepunkte wie Live-Musik oder Theater als Publikumsmagnete müsse verzichtet werden, um größere Ansammlungen zu vermeiden. Auch Essen und Getränke würden an die Möglichkeiten angepasst. „Es soll schön und atmosphärisch werden, aber auch nicht zu gemütlich. Stattdessen soll die Kunst stärker in den Fokus gerückt werden“, macht die Organisatorin deutlich.

Verschiedene Kunstrichtungen sind zu sehen

Inhaltlich verspricht Victoria Graf „eine coole Mischung“ von textiler Kunst, Fotografie, Grafik, Pop-Art Skulpturen aus Stein, Holz, Metall und Glas bis hin zu Videokunst sowie Licht- und Rauminstallationen. „Einige Künstler haben abgesagt, aber es sind auch neue Teilnehmer hinzugekommen, darunter namhafte Künstler aus der Region, aber auch aus Aschaffenburg, Tübingen, Detroit und New York„, berichtet sie.

Viele setzen sich künstlerisch mit der Zahl Sieben auseinander, die Menschen zu allen Zeiten und in allen Kulturen bewegt hat. Das war ein Wunsch von Victoria Graf, denn 2020 ist es genau 777 Jahre her, dass Böhringen erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Künstler hatten zu diesem Thema ein Mitmachprojekt für Kinder in „Die Werkstatt“ angekündigt, das coronabedingt entfällt.

„Vieles muss jetzt anders laufen, aber was mich absolut begeistert und motiviert, ist das schöne Gemeinschaftsgefühl, das in den letzten Monaten unter den Künstlern gewachsen ist“, sagt Victoria Graf. Sie freut sich, dass alle jetzt in der heißen Phase kräftig anpacken. „Auch die Unterstützung, die von Stadt und Ortsverwaltung kommt, ist super. Man spürt einfach, alle wollen die 7:77 Ortszeit.“

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