Das gibt es nirgendwo sonst: Einen ganzen Straßenzug mit verlassenen Häusern, in denen sich Künstler nach Lust und Laune austoben können. Allein deshalb verspricht das große fünftägige Kunst- und Kulturspektakel 7:79 Ortszeit auch im fünften Jahr einzigartig zu bleiben.

Mehr als 50 Maler, Bildhauer, Fotografen, Musiker, Installationskünstler und Schauspieler werden ab Donnerstag, 30. September, dem alten Gemäuer im Böhringer Ortskern wieder Leben einhauchen. Mit wechselnder Livemusik auf zwei Musikbühnen, klassisch-experimenteller Musik in der St. Nikolaus-Kirche, einer neuen Theaterbühne mit Kabarett, Komödie und Zauberei ist zusätzlich zu den vielfältigen Ausstellungen in den Bauernhäusern, Scheunen und Ställen ein sattes Unterhaltungsprogramm geboten.

Ortszeit in diesem Jahr noch länger

Durch den Feiertag am Montag, 3. Oktober, dauert die Ortszeit in diesem Jahr einen Tag länger. Erstmals wird ein symbolischer Eintritt verlangt: Der Eintrittsbändel für vier Tage kostet vier Euro. An der Kulturnacht bleibt der Besuch gratis und es fährt ein Shuttlebus.

Programm und Öffnungszeiten

Viel Atmosphäre: Vor allem am Abend ist der Besuch der Ortszeit 7:78 im vergangenen Jahr ein farbenfrohes Erlebnis.
Viel Atmosphäre: Vor allem am Abend ist der Besuch der Ortszeit 7:78 im vergangenen Jahr ein farbenfrohes Erlebnis. | Bild: Jarausch, Gerald

Die Räume inspirieren Künstler unterschiedlich

„Jedes Jahr lassen sich neue Teilnehmer von den außergewöhnlichen Räumen der alten Böhringer Ortsmitte inspirieren. Aus dem Vollen schöpfen, alles tun zu dürfen, ist ein seltener Glücksfall für Künstler und bietet völlig neue Perspektiven“, erklärt Organisatorin und Initiatorin Victoria Graf die große Beteiligung regionaler und überregionaler Kunstschaffenden.

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Erst recht begeistere die einmalige Atmosphäre der Veranstaltung. Alle Räume würden professionell beleuchtet und die Kunst aufwändig in Szene gesetzt. Veranstaltungstechniker Daniel Rahm lässt hierzu Zahlen sprechen: 1,5 Kilometer Kabel hat er in den vergangenen Tagen verlegt, 100 Mehrfachsteckdosen und 350 Strahler verbaut. „Natürlich sparsame LED-Strahler“, lässt er augenzwinkernd wissen.

Kunstschaffende aus ganz Süddeutschland dabei

Neue Gesichter unter den Teilnehmern sind beispielsweise Ulrike Burberg mit Fotografien zum Thema „Lost Place“, Dagmar Eckert und Carola Stanforth aus Stuttgart mit großformatigen abstrakten Arbeiten einerseits und emotionalen Bildern von Begegnungen mit Menschen, Nico Hänisch mit Fotokunst, Elisabeth Hölz aus dem Allgäu (Objekte, Malerei), Modedesignerin Janina Richter mit ihrem Projekt „Aussortiert und Wiederbelebt“ und Nils Hendrik Winskowsky, der mit seinem Didgeridoo und anderen außergewöhnlichen Musikinstrumenten durch die Räume ziehen wird.

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Doch auch die Stamm-Künstler der Ortszeit sind immer wieder neu gefordert, da sie jedes Jahr einen neuen Raum zugewiesen bekommen, in dessen Kontext sie ihre Arbeiten stellen müssen. Das gilt für die Skulpturen von Alexander Weinmann, dieses Jahr zum Thema Wald, ebenso wie beispielsweise für Detlev Eilhardt, der für seine Pop-Art-Bilder und Arbeiten in neuem Expressionismus ein „Frauenzimmer“ entstehen lässt.

Vielleicht kennt man ja ein Gesicht? Diese Künstler beklagen bei der Ortszeit im Jahr 2021 die schwierige Situation für Kulturschaffende ...
Vielleicht kennt man ja ein Gesicht? Diese Künstler beklagen bei der Ortszeit im Jahr 2021 die schwierige Situation für Kulturschaffende in Corona-Zeiten. | Bild: Jarausch, Gerald

Ausstellungsstücke mit einer wichtigen Botschaft

Noch stärker als in den Vorjahren wird der Außenbereich bespielt. So präsentiert sich draußen etwa die Stadtgartengalerie Singen mit 24 Exponaten. Platz braucht auch das interaktive Kunstprojekt „Menschenrechte betreten“ von Heike Sauer und Andrea Tiebel Quast. Für die Aktion, gefördert vom Kulturfonds des Landratsamtes, werden die 30 von der UN erklärten Menschenrechte gedruckt auf einer 72 Meter langen und 1,5 Meter breiten Kunststoffbahn ausgerollt.

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Die Besucher kommen somit nicht umhin, die Rechte der Menschen mit Füßen zu treten und sich Fragen zu stellen: Wo enden meine Rechte? Wo beginnen die Rechte des anderen? Als atmosphärische Außeninstallation ist der Prototyp Q1ube des Kunstkubus zu erleben. Das ist ein Gemeinschaftswerk von Victoria Graf und Daniel Rahm, die mit ihrem riesigen Leuchtwürfel begehbaren Raum für Kunst an ungewöhnlichen Orten bieten wollen.

Videoinstallation zum Thema Wasser

Spannend wird es auch in der St. Nikolaus-Kirche mit dem Lichtkunstprojekt von Axel Reinhard Böhme. Er baut um den Taufstein einen mit Stoff bespannten Riesenwürfel, auf den er – passend zum Ort – Videos zum Thema Wasser projiziert. Konzerte von verschiedenen Profimusikern laden zum Verweilen ein.

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Stolz ist Victoria Graf auf die professionelle Theaterbühne, die durch eine Förderung der der DTHG Livekultur und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien möglich wurde. Mehrmals wird dort die Komödie „Mona Lisa ohne Rahmen“ mit Dina Roos-Kuehling zu sehen sein, außerdem Kabarett mit der Kleinkunst-Preisträgerin Heike Sauer alias Marlies Blume und Variete mit Zauberkünstler David Langendörfer. „Die Ortszeit hat auf jeden Fall wieder eine riesige Bandbreite und spricht alle an – Musikfreunde und Theaterliebhaber ebenso wie die Interessierten an darstellender Kunst“, sagt Victoria Graf erfreut.

Sie und alle Teilnehmer hoffen, dass sich die Besucher Zeit nehmen und an mehreren Abenden kommen, um zu schauen, zu staunen und gemeinsam zu feiern. Vor allem aber wünschen sie sich gutes Wetter für diese sehr aufwändige Veranstaltung.

Informationen, auch zu den beteiligten Künstlern im Einzelnen, gibt es hier.