Das Fasten gehört zu den ältesten Begleiterscheinungen des Essens. Die Gründe dafür waren häufig der Mangel an Nachschub, aber auch die Einsicht in Übersättigung oder das Bestreben nach Besinnung. Jedenfalls hat sich die Übung, gelegentlich zu fasten, aus alten Anfängen entwickelt.

Religion und Philosophie haben sie übernommen und dem Volk auferlegt. Der einzelne Mensch hatte früher kaum Gelegenheit, sich seiner Essgewohnheiten bewusst zu werden – er gehorchte meist einer befehlsgewaltigen Obrigkeit. Ab und zu wurden üppige Festmahle gefeiert, die immer wieder durch längere Fastenzeiten abgelöst wurden.

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Die Regeln waren dabei im Allgemeinen ziemlich streng: erlaubt waren nur besondere Speisen wie Hirsebrei, Mehlspeisen und Fisch, jedoch kein Fleisch von warmblütigen Tieren. Natürlich war es oft unbequem, sich längere Zeit der leiblichen Genüsse zu enthalten. Deshalb hat man sich bemüht, bei aller getreulichen Erfüllung des Fastengebots doch da und dort ein Hintertürchen für den genussfreudigen Magen offen zu lassen.

Unsere Kenntnisse über die früheren Essgewohnheiten und Fastenvorschriften stammen aus alten Kochbüchern und klösterlichen Küchenzetteln, wo oft penibel aufgeschrieben wurde, was im Lauf des Kirchenjahres auf den Tisch kam.

Dabei hatten es die Pfarrhausköchinnen und Brüder Küchenmeister sehr wohl verstanden, den Speiseplan an Frei- und sonstigen Fasttagen abwechslungsreich zu gestalten. Waren die Schüsseln der Mönche, wie auch die der Bauern, meist mit Hirsebrei gefüllt, so wurden hohe Feiertage und besondere Gäste dagegen durch reichliches Essen und Festbankette geehrt.

Durch die Beschränkung auf bestimmte Zutaten wurden die Mehlspeisen und Fischgerichte immer raffinierter zubereitet, was das Entstehen der „feinen Küche“ sicher beeinflusst hat. Den ansehnlichsten Anteil der Fastenrezepte nehmen die Fastensuppen ein. Sie waren oft der Mittelpunkt der Mahlzeit und mussten trotz der Abkehr von allem Fleischlichen wohlschmeckend und sättigend sein. Brotsuppen eröffneten traditionell die Fastenzeit. Sie versinnbildlichen die Absicht, „bei Wasser und Brot“ zu entbehren.