Der harte Lockdown, der am Mittwoch in ganz Deutschland umgesetzt wird, stellt vor allem Einzelhändler auf eine echte Probe. Bereits im Frühjahr mussten die Geschäfte vorübergehend schließen und nun wird dies bis zum 10. Januar wieder der Fall sein. Der SÜDKURIER hat mit vier Radolfzeller Händlern gesprochen, wie sie die Corona-Pandemie bis jetzt überstanden haben und was die erneute Schließung ihrer Geschäfte für sie bedeutet. Die Folgen fallen offenbar je nach Angebot unterschiedlich aus und dementsprechend auch die Einordnung der aktuellen Schließungen.

Hans Peter Hafner vom Schuhhaus Hafner blickt sorgenvoll in die Zukunft, falls es auch im kommenden Jahr zu Schließungen von Geschäften kommen sollte.
Hans Peter Hafner vom Schuhhaus Hafner blickt sorgenvoll in die Zukunft, falls es auch im kommenden Jahr zu Schließungen von Geschäften kommen sollte. | Bild: Jarausch, Gerald

So bezeichnet Hans Peter Hafner vom gleichnamigen Schuhgeschäft in der Seestraße das Frühjahr im Rückblick als „eine Katastrophe“, wie er sagt. „Das konnte man nicht mehr aufholen“, resümiert er. Immerhin habe der Sommer mit seinen vielen auswärtigen Gästen in der Stadt eine leichte Entlastung gebracht: „Radolfzell ist glücklicherweise eine Urlaubsregion“, sagt er. Der erneute Lockdown macht dem Geschäftsmann nun jedoch Sorgen: „Das ist eine mittelschwere Katastrophe“, sagt er mit Blick auf seine Umsätze und Einnahmen.

Auch wenn sich die Verkäufe seines Geschäfts über das Internet mittlerweile verdreifacht haben, blickt er mit durchwachsenen Gefühlen in die Zukunft: „Wenn das im nächsten Jahr nochmal kommt, dann wird es für uns kritisch“, erklärt er. Grundsätzlich gibt es für Hans Peter Hafner jedoch keine Alternative zu dem harten Lockdown: „Man musste etwas tun. Ob das nun richtig ist, weiß einfach niemand“, befindet er. Allerdings erkennt er Ungerechtigkeiten im Bereich des Handels: „Wenn ich sehe, wie die Leute bei Amazon in der Verpackungshalle arbeiten, finde ich das nicht gerecht“, gibt er zu bedenken.

Sandra Biller-Stocker von Elektro Biller hat den Eindruck, dass viele Kunden den lokalen Handel derzeit bewusst unterstützen.
Sandra Biller-Stocker von Elektro Biller hat den Eindruck, dass viele Kunden den lokalen Handel derzeit bewusst unterstützen. | Bild: Jarausch, Gerald

Für Sandra Biller-Stocker von Elektro-Biller in der Poststraße und Löwengasse stellt sich das bisherige Jahr besser dar, als zu befürchten war: „Uns geht es nicht schlecht. Auch wenn die Kundenfrequenz abgenommen hat, seit dem die Gastronomie geschlossen ist“, sagt sie. Den für ihre Firma glimpflichen Verlauf führt sie auf die eigene Geschäftsausrichtung zurück. „Durch unsere hauseigene Kundendienst-Abteilung sind wir direkt bei unseren Kunden vor Ort, die in dieser Zeit einen erhöhten Reparaturbedarf hatten“, erklärt sie. Zudem haben die beiden Geschäfte zahlreiche Stammkunden, die auch in Zeiten der Krise zum lokalen Einzelhandel gehalten haben: „Wir haben viele tolle Kunden. Man hatte das Gefühl, das nun erst recht vor Ort eingekauft wurde“, fasst Sandra Biller-Stocker ihre Erfahrungen aus den vergangenen Monaten zusammen.

Über die aktuellen Verschärfungen, die ab Mittwoch, 16. Dezember, gültig sind, ist sie gleichwohl nicht erbaut: „Wir sind nicht begeistert.“ Weil sie in den Geschäften vor dem Lockdown einen besonderen Ansturm erwartet, hat Sandra Biller-Stocker Personal für die beiden Tage aufgestockt, was die Mitarbeiterinnen durch die Verbundenheit zum Betrieb gerne tun. Generell hat sie die Sorge, dass die schwindenden Kontakte zu anderen Menschen nicht ohne Folgen bleiben: „Ich weiß nicht, was das mit uns macht. Aber ich habe auch keine bessere Lösung“, sagt Sandra Biller-Stocker.

Dagmar Rettig von Mode Nemetz kann nicht auf das Internet setzen: Ihre Kunden möchten die Kleidungsstücke vor dem Kauf fühlen und anprobieren. Außerdem fehlen die Anlässe, zu denen man sich neu einkleidet.
Dagmar Rettig von Mode Nemetz kann nicht auf das Internet setzen: Ihre Kunden möchten die Kleidungsstücke vor dem Kauf fühlen und anprobieren. Außerdem fehlen die Anlässe, zu denen man sich neu einkleidet. | Bild: Jarausch, Gerald

Bei Dagmar Rettig vom Damenmode-Fachgeschäft Mode Nemetz in der Bahnhofstraße stellt sich die Gesamtsituation etwas anders dar. Die vergangenen Wochen seien nach ihrer Aussage ganz konstant gelaufen. „Der Dezember lässt sich bisher ganz gut an“, führt sie weiter aus. Doch die Rahmenbedingungen für weitere Absätze sind alles andere als ideal: „Die Schränke sind voll und es gibt keine Anlässe.“ An ihre treuen Kunden verschickt sie deshalb Weihnachtsgutscheine, die beim nächsten Einkauf eingelöst werden können.

Den Lockdown nimmt sie mit einer gewissen Gelassenheit hin: „Wenn es so ist, dann ist es so“, sagt Dagmar Rettig. Ihre Gesamtsituation stelle sich dennoch nicht gerade rosig dar: „Es fehlt im laufenden Jahr schon viel“, sagt sie. Ihre Verkaufstätigkeiten könne sie nicht wie andere Geschäfte in das Internet verlegen: „Meine Kunden kaufen nicht online ein. Es geht um persönliche Beratung und sie möchten das Material gerne anfassen“, erklärt Dagmar Rettig das Problem.

Alexandra Mäurer vom Geschäft Kinderstoffzimmer stellt eine zunehmende Nutzung ihres Online-Angebotes fest und hofft auf nähfreudige Kunden.
Alexandra Mäurer vom Geschäft Kinderstoffzimmer stellt eine zunehmende Nutzung ihres Online-Angebotes fest und hofft auf nähfreudige Kunden. | Bild: Jarausch, Gerald

Im Geschäft Kinderstoffzimmer von Alexandra Mäurer in der Sankt Johannis Straße (Seemeile) ist das ganz anders. Sie baue derzeit ganz auf ihr Online-Verkaufsportal, dass derzeit ohnehin stärker frequentiert sei als in früheren Zeiten. „Das hat zugenommen, seit es Corona gibt“, sagt sie. Nun hofft sie, dass ihre Kunden die Möglichkeit zum Einkauf während des Lockdowns verstärkt nutzen. Generell seien die Rahmenbedingungen nicht ganz schlecht: „Die Leute sind zu Hause und haben Zeit. Da wird viel genäht“, ist sie sicher. Die einschneidenden Maßnahmen hält sie für richtig: „Das war überfällig. Nun muss es wohl sein“, stellt Alexandra Mäurer fest.

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