Arbeiten in den eigenen vier Wänden kann aus vielen Gründen herausfordernd sein. Zum Beispiel, wenn die Kinder zeitgleich im Homeschooling sind. Oder der Partner ist selbst am arbeiten.

Dann bricht die Internetverbindung regelmäßig zusammen, wenn drei Leute gleichzeitig in eine Video-Konferenz müssen. Der Küchentisch wird zum Arbeitsplatz, was so ziemlich alle nervt und wenn die Nachbarn dann auch noch laut Musik hören, ist es mit der Konzentration schnell vorbei.

Hotels stehen wegen der Corona-Verordnung leer

Gleichzeitig haben wegen der aktuellen Corona-Verordnung etliche Hotels geschlossen und somit stehen auch Hotelzimmer leer, die bereits mit Schreibtischen, Stühlen und Internet ausgestattet sind.

Ein Forschungsprojekt der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung führt aktuell eine Feldstudie im Radhotel „Am Gleis“ in Markelfingen durch, ob es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Option ist, leere Hotelzimmer als Arbeitsplätze auf Zeit anzumieten.

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Die akademische Mitarbeiterin und wissenschaftliche Projektmanagerin Luzie Kromer aus Radolfzell begleitet diese Feldstudie und das Gesamtprojekt „Lockdown Hotel“. „Wir versuchen, alternative Nutzungsmöglichkeiten für Hotels zu finden. Diese sollen im besten Fall auch nach dem Lockdown, zum Beispiel in der Nebensaison, fortgeführt werden können“, erklärt Luzie Kromer.

So sieht ein Zimmer im Hotel normalerweise für Touristen aus.
So sieht ein Zimmer im Hotel normalerweise für Touristen aus. | Bild: Jarausch, Gerald

Finanziell wird die Studie ein Jahr lang vom Wissenschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg unterstützt. Die Gelder kommen aus dem Brückenprogramm Touristik. „Corona hat die Tourismus-Branche ziemlich hart getroffen. Aus diesem Grund ist es der richtige Zeitpunkt, Neues auszuprobieren“, sagt die Projektmanagerin.

Der SÜDKURIER hatte die Gelegenheit, als erstes das Homeoffice im Hotel Am Gleis testen zu können. Das als Büro umfunktionierte Zimmer ist eines der Mehrbettzimmer für Radtouristen. Die Betten wurden herausgenommen, ein Schreibtisch hineingestellt.

Die Internetverbindung ist deutlich besser als sie in der Redaktion ist. Was aber auch kein Wunder ist. „Aktuell haben wir kaum geschäftliche Gäste, deswegen nutzt es keiner“, erklärt die stellvertretende Hotelleiterin Carla Schaudt.

Redakteurin Anna-Maria Schneider in ihrem als Büro umgestalteten Hotelzimmer.
Redakteurin Anna-Maria Schneider in ihrem als Büro umgestalteten Hotelzimmer. | Bild: Schneider, Anna-Maria

Für den touristischen Betrieb ist das Radhotel laut Corona-Verordnung geschlossen, Aufenthalte im Zuge von beruflichen Reisen sind jedoch gestattet. An diesem Tag war allerdings niemand sonst da. Und je weniger in der Leitung sind, umso schneller ist die Verbindung.

Das Zimmer ist hell und freundlich, auf dem Tisch stand eine Vase mit Blumen. Eine Flasche Wasser war ebenfalls im Paket enthalten. Ohne weitere Gäste gab es auch wenig Nebengeräusche, außer dem Seehas, der regelmäßig vor der Tür abfährt. Störend sind die Zuggeräusche allerdings nicht.

Man kann sich problemlos Pizza liefern lassen

Da das Restaurant Einkehr an diesem Tag geschlossen hatte, musste der Pizza-Lieferdienst für das Mittagessen aushelfen. Allerdings soll es für künftige Hotel-Homeoffice-Gäste die Möglichkeit geben, ein Mittagsessen bei der Buchung gleich mitzubestellen. „Wir waren von der Idee sofort begeistert“, beschriebt Carola Schaudt die Stimmung im Hotel.

Man wolle sich weiterentwickeln und jede Möglichkeit nutzen, auch im Hotelgewerbe neue Wege zu gehen. Zustande kam die Zusammenarbeit durch die alte Bekanntschaft von Junior-Chef Linus Repnik und Projektmanagerin Luzie Kromer aus dem Jugendblasorchester.

Zur Förderung und den Kosten

Vor der Corona-Pandemie hatten beide bereits an einem Projekt zum Thema Barrierefreiheit gearbeitet. Damals waren Testgäste mit Beeinträchtigungen ins Radhotel gekommen, um die behindertengerechten Zimmer zu testen.

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Das Virus setzte diesem Projekt allerdings ein vorschnelles Ende. „Wir haben dennoch viele gute Hinweise bekommen, wie wir den Aufenthalt für Gäste mit Beeinträchtigungen besser gestalten können“, sagt die stellvertretende Hotelleiterin Schaudt.

Und nun also der Test, ob man im Hotel auch arbeiten kann. Jeder Arbeitsgast bekommt einen Fragebogen zur Einschätzung der eigenen Produktivität. Außerdem tausche man sich mit anderen Hotels aus, die das bereits anbieten. In Konstanz sind dies zum Beispiel das Hotel 47° und das Steigenberger Inselhotel.