Klassische Musik hautnah konnten am Wochenende etwa 200 Musikliebhaber im Milchwerk in Radolfzell genießen. Nach der Corona-Zwangspause im vergangenen Jahr fand wieder ein Abschlusskonzert des Meisterkurses Dirigieren statt. Acht junge Dirigenten aus aller Welt stellten vor, was sie in einer intensiven Probenwoche mit Johannes Schlaefli, Professor für Orchesterleitung, erarbeitet hatten.

Seit 2016 besteht eine Kooperation der Internationalen Sommerakademie mit der Südwestdeutschen Philharmonie. Jungen Dirigenten wird die Möglichkeit geboten, die Kunst des Dirigats mit professionellen Musikern zu verfeinern. Einige von ihnen studieren erst seit Kurzem Orchesterdirigieren, andere haben ihre Ausbildung bereits abgeschlossen und erfolgreich große Orchester dirigiert.

Klassische und romantische Komponisten

Johannes Schlaefli hatte für die jungen Dirigenten Stücke klassischer und romantischer Komponisten ausgesucht und zu einem abwechslungsreichen Konzert zusammengestellt. Bürgermeisterin Monika Laule begrüßte die Anwesenden und sprach mit ihren Worten „Das Publikum ist dankbar, Musik hautnah und nicht nur digital erleben zu dürfen“, wohl vielen aus dem Herzen.

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Emotional wandte sich Insa Pijanka, Intendantin und Schirmherrin der Akademie, an das Publikum: „Es ist ein sehr, sehr schönes Gefühl, wieder auftreten zu dürfen!“ Sie dankte der Stadt, der Musikschule und der Messmer Stiftung. Dass die Sommerakademie in diesem Jahr organisiert wurde, obwohl Entscheidungen nach wie vor mit Blick auf die Corona-Lage getroffen werden müssen, sei nicht selbstverständlich.

Sie erwarte auch für die Zukunft schwere Zeiten für die Kultur und bat um Unterstützung und den Besuch von Konzerten. Deutschland habe eine reiche Musikkultur hervorgebracht, die lebendig erhalten werden sollte.

Hände wogen behutsam

Den Einstieg ins Konzert machte Eu-Lee Nam aus Südkorea mit den zauberhaften Klängen der Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“. Das Dirigat der zarten Frau glich einem Tanz, in dem sich das behutsame Wogen der Hände mit temperamentvollen Bewegungen des ganzen Körpers abwechselte.

Eu-Lee Nam wurde vom Orchester der Südwestdeutschen Philharmonie als Preisträgerin des Meisterkurses Dirigieren ausgewählt.
Eu-Lee Nam wurde vom Orchester der Südwestdeutschen Philharmonie als Preisträgerin des Meisterkurses Dirigieren ausgewählt. | Bild: Natalie Reiser

Ruhig und mit sicherer Hand führte Ina Stoertzenbach den Taktstock zu Johannes Brahms „Sinfonie Nr. 2“ und hob die Passagen des getragen, schicksalhaft und flächig wirkenden Stücks gut voneinander ab.

Zwei Dirigenten, ein Stück

Darauf folgte das „Preludio sinfonico“ von Giacomo Puccini, das von zwei Dirigenten interpretiert wurde. Alexander Sinan Binder unterstrich in seiner Deutung die akzentuierte Steigerung der dramatischen Stellen des sehr abwechslungsreichen Orchesterwerks.

Clara Maria Bauer präsentierte die zweite Interpretation des „Preludio sinfonico“ von Giacomo Puccini, das vor ihr bereits Alexander Sinan Binder dirigiert hatte.
Clara Maria Bauer präsentierte die zweite Interpretation des „Preludio sinfonico“ von Giacomo Puccini, das vor ihr bereits Alexander Sinan Binder dirigiert hatte. | Bild: Natalie Reiser

Insbesondere der zarte Einstieg und die sanften Passagen des Werkes glänzten unter der Leitung von Clara Maria Bauer, die ohne Taktstock und mit starker Mimik dirigierte.

Tomàs Nessi begeisterte am Flügel mit dem Klavierkonzert Nr. 5 von Ludwig van Beethoven, das er, begleitet von den Südwestdeutschen Philharmonikern unter der Leitung von Luis Castillo-Briceno darbot.
Tomàs Nessi begeisterte am Flügel mit dem Klavierkonzert Nr. 5 von Ludwig van Beethoven, das er, begleitet von den Südwestdeutschen Philharmonikern unter der Leitung von Luis Castillo-Briceno darbot. | Bild: Natalie Reiser

Zu einem Höhepunkt des Abends machte der Pianist Tomás Nessi das anspruchsvolle „Klavierkonzert Nr. 5“ von Ludwig von Beethoven. Auch die schwierigsten Passagen spielte er scheinbar mühelos mit viel Gefühl. Unter der Leitung von Luis Castillo-Briceo machte das Orchester das Konzert zu einem Gesamtkunstwerk.

Mit Körpereinsatz und Emphase

Nach der Pause ging es mit Beethoven weiter. Die bekannte „Sinfonie Nr. 5“ dirigierte Andrew Jinhong Kim mit großem Körpereinsatz und viel Emphase. Für eine heitere Stimmung sorgten die ungarischen Szenen von Béla Bartók.

Andrew Jinhong Kim dirigiert die fünfte Sinfonie von Beethoven, gespielt vom Orchester der Südwestdeutschen Philharmonie, mit energischen Gesten.
Andrew Jinhong Kim dirigiert die fünfte Sinfonie von Beethoven, gespielt vom Orchester der Südwestdeutschen Philharmonie, mit energischen Gesten. | Bild: Natalie Reiser

Simon Wallinger kristallisierte gut den unterschiedlichen Charakter der Szenen heraus, von denen besonders die vierte mit dem Titel „Etwas angeheitert“ und den vielen kurzen Einsätzen verschiedener Instrumente das Publikum zum Schmunzeln brachte. Im Ausklang dirigierte Mauro Mariani das Allegro con fuoco der Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“ von Antonín Dvorák mit ganzem Körpereinsatz.