„Ein Glück, dass noch nichts abgerissen wurde!“ Diesen Satz hörte man nicht nur einmal bei den Führungen durch das alte Epple-Anwesen. Mehrfach wurde schon um die künftige Nutzung als Standort für ein Dorfgemeinschaftshaus diskutiert. Bisherige Planungen gehen davon aus, das ganze Areal „platt zu machen“ und Raum für Neues zu schaffen.

Alter Reichenauer Lehenshof

Den wenigsten Böhringern ist bewusst, dass es sich bei dem Anwesen um einen mächtigen, wohl ehemaligen Reichenauer Lehenshof aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und um eines der noch wenigen erhaltenen Denkmäler im Ortskern handelt.

Eine spannende Geschichte

Gespannt verfolgten etwa 50 Teilnehmer bei insgesamt zwei Führungen den kurzweiligen Vortrag von Christof Stadler. „Das Spannende ist, dass das Haupthaus mit riesigem Giebel, Tenne und komplettem Stallbereich ein tolles, solides Eichenfachwerk hat, das sich seinerzeit nach den Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieg nur jemand leisten konnte, der so wohlhabend war, einen reichen Eichenwald zu besitzen. Deshalb ist von Klosterbesitz oder einem Zehnthof der Stadt auszugehen“, unterstreicht der Historiker.

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Immer wieder lenkt er den Blick der Teilnehmer auf das unbeschadete Gebälk und die hochwertigen Konstruktionen. „Von Seiten des Denkmalschutzes wird man einem Abbruch dieses Kerngebäudes von 1650, dass so gut in Schuss ist, sicher nicht zustimmen“, erklärt Christof Stadler. Weniger erhaltenswürdig seien hingegen das Wohnhaus dahinter sowie die westlichen An- und Umbauten aus dem Jahr 1924.

Haupthaus könnte als Veranstaltungssaal dienen

Er könne sich das Haupthaus gut als großen Veranstaltungssaal- ähnlich wie der Liggeringer Torkel – vorstellen, ließ er die Teilnehmer wissen. Auch die Sanierung des Österreichischen Schlösschens führte er als vorbildhafte Symbiose von Historie und Moderne an.

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„Es lohnt sich, bei der Diskussion über das Ensemble mitzumischen, damit die Identität von Böhringen erhalten bleibt“, ermunterte er die Zuhörer. Ein Abstecher führte dann die Teilnehmer ans alte Feuerwehrhaus, das nach einem Großbrand 1907 entstand. Hier steht die im Jugendstil erbaute Fassade unter Denkmalschutz. Auch sie kann wertvolle Impulse für die Dorfkernsanierung geben.