In der Corona-Pandemie sind sie die Schwächsten und die gilt es besonders zu schützen, auch wenn es strenge Maßnahmen sind. Nun hat das Sozialministerium Landesregierung offiziell am Mittwoch eine Ausgangsbeschränkung in Einrichtungen für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf erlassen.

Die Zahl der Infizierten in diesen Einrichtungen steige zunehmend, aus diesem Grund dürfe bis zum 19. April keiner ohne triftigen Grund die Einrichtung verlassen. Dies wären zum Beispiel Arztbesuche (genaueres siehe Text links).

Seit Wochen gibt es ein Besuchsverbot

Im städtischen Pflegeheim Heilig Geist ändert sich durch die neue Verordnung sehr wenig. Seit Wochen gebe es ein Besuchsverbot. Im Zuge dessen habe man mit allen Bewohnern gesprochen und diese gebeten, nur noch in dringenden Fällen hinauszugehen. „Das haben auch aller verstanden und sind sehr einsichtig“, sagt Markus Bonserio, Heimleiter der Pflegeeinrichtung.

Dennoch wolle man den Bewohnern das Osterfest so schön wie möglich machen. Seitdem die Tagespflege geschlossen ist, würden die Mitarbeiter im Pflegeheim mithelfen. Personell sei man also gut aufgestellt. „Wir haben den niedrigsten Krankenstand seit langer Zeit. Die Mitarbeiter sind sehr motiviert“, lobt Bonserio. Doch auch die Heimleitung steht den Mitarbeitern zur Seite. „Keiner ist im Homeoffice, wir sind täglich da und für alle ansprechbar“, sagt er.

Für die Angehörigen wurden Karten verschickt

Betreuung und Beschäftigung würde also nur noch einzeln oder in Kleinstgruppen stattfinden. Den Angehörigen hätte man Bilder und Karten der Bewohner zukommen lassen. Diese wiederum würden fleißig Geschenke und Blumen abgeben. „Nachdem wir alles desinfiziert haben, wird es weitergegeben“, sagt Markus Bonserio.

Die Bewohner könnten per Telefon mit den Angehörigen Kontakt halten. Nur Videoanrufe seien nicht möglich. „In dem alten Gebäude haben wir kein Wlan, die Steinwände sind einfach zu dick“, so Bonserio. Eine gute Internetverbindung stand bei dem geplanten Neubau auf der Mettnau ganz oben auf der Wunschliste.

Die Mitarbeiter sind sehr motiviert

Karten und Geschenke für das Pflegeteam seien auch an der Pforte abgegeben. Das freue die Mitarbeiter sehr, verrät der Heimleiter. „Die Stimmung ist nach den anfänglichen Sorgen mittlerweile richtig gut.“ Es gebe bisher keinen einzigen Corona-Fall oder auch nur einen Verdacht auf die Virusinfektion.

Damit das so bleibe seien die Mitarbeiter angehalten, ihre privaten Sozialkontakte stark einzuschränken. Markus Bonserio hat auch schon einen Notfallplan in der Schublade, falls das Virus doch ins Pflegeheim gelangen sollte. In der geschlossenen Tagespflege könne man eine Isolations-Station einrichten.

Senioren reagieren sehr besonnen

Auch im Pflegeheim Seeheim Höri in Gaienhofen praktiziert man die Ausgangssperre freiwillig bereits seit längerer Zeit. „Die Bewohner sind sehr umsichtig und besonnen“, sagt Anette Schütz, Geschäftsführerin des Seeheim. Alle wichtigen Botengänge und Einkäufe erledigen die Mitarbeiter für die Heimbewohner.

Damit keine Langeweile aufkomme, hätten Angehörige Utensilien für die jeweiligen Hobbys der Bewohner vorbei gebracht und die Seeheim-Mitarbeiter hätten ihr Beschäftigungs- und Betreuungsprogramm etwas erweitert. Im Haus und in der Gartenanlage des Pflegeheims können sich die Senioren frei bewegen. „Sie fühle sich hier sicher“, sagt Anette Schütze. Vor den Feiertagen seien aber einige sicher traurig, keinen Besuch der Familie erhalten zu können.

Durch Videoanrufe und Bilder wird Kontakt gehalten

Auch hier helfe die moderne Technik und es seien Videoanrufe zu den Lieben daheim möglich. „Wenn die Angehörigen es möchten, schicke ich auch Bilder und kurze Videos über das Handy, so halten wir Kontakt“, sagt die Geschäftsführerin. Die Mitarbeiter des Seeheims würden die Verantwortung für die Pflegeheimbewohner sehr ernst nehmen und hätten ihre sozialen Kontakte zu Hause drastisch eingeschränkt.

Für viele ist die Ausgangssperre schwer zu ertragen

Im Pflegeheim Stahringen gilt die Ausgangssperre für die Bewohner auch schon seit einigen Tagen. Es sei für alle nicht leicht, vor allem nicht für die Menschen mit psychischen Erkrankungen, sagt Manuela Bieber, stellvertretende Pflegedienstleitung im Pflegeheim Waldblick in Stahringen. Die Bewohner dürften noch in den Garten, aber alle Besorgungen würden die Mitarbeiter erledigen.

„Wir reden viel mit den Bewohnern und erklären ihnen, dass diese Beschränkungen zu Ostern für uns alle gelten“, sagt sie. Dafür hätten alle großes Verständnis, auch wenn es traurig sei, keinen Besuch zu bekommen. Für die Bewohner wolle man ein richtig schönes Osterfest schaffen mit gutem Essen und einem Osterhasen für jeden, erzählt Manuela Bieber.

Man trifft sich auf der Straße und am Balkon

Ähnlich möchte auch Leon Mehrens, Pflegedienstleiter im Pro Seniore in Radolfzell für die Bewohner eine Atmosphäre schaffen, die über die Ausgangssperre hinwegtröstet. Man habe eine Osterecke eingerichtet und dekoriert und dort Fotos für die Angehörigen gemacht. „Diese haben wir dann als Postkarte verschickt“, erzählt er. Angehörige brächten Blumen und Geschenke vorbei oder unterhielten sich über den Balkon mit den Bewohnern.

Und wer nicht kommen könne, habe die Möglichkeit über ein Tablet ein Videotelefonat zu führen. Im Pro Seniore gelte ebenfalls seit einiger Zeit eine Ausgangssperre, für Bewohner des Pflegeheims und für die Mieter des Betreuen Wohnens. Einen Notfallplan gibt es im Pro Seniore auch schon. Die 16 Mitarbeiter, die im Falle einer Corona-Infektion in die Einrichtung ziehen und nicht mehr heim gehen, seien schon bestimmt. „Unsere Mitarbeiter nehmen das sehr ernst, aber sie bleiben stark“, so Mehrens.

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Wann man raus darf, und wann nicht

Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen dürfen die Einrichtungen nur bei Vorliegen triftiger Gründe verlassen. Die Radolfzeller Stadtverwaltung hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Triftige Gründe sind insbesondere die Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen, zum Beispiel Arztbesuch, medizinische oder psychotherapeutische Behandlungen sowie der Besuch bei Angehörigen helfender Berufe, wie zum Beispiel Physiotherapeuten, soweit dies medizinisch dringend erforderlich ist. Alle anderen Besuche außerhalb sind untersagt.
  • Versorgungsgänge für die Gegenstände des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittelhandel, Getränkemärkte, Tierbedarfshandel, Brief- und Versandhandel, Apotheken, Drogerien, Sanitätshäuser, Optiker, Hörgeräteakustiker, Banken und Geldautomaten, Post, soweit der Bedarf nicht durch die Einrichtung gedeckt wird, soll ebenfalls gestattet bleiben.
  • Bewegung an der frischen Luft, allerdings ausschließlich alleine oder mit einer weiteren Person und ohne jede sonstige Gruppenbildung. Sofern ausreichend Möglichkeit zur Bewegung an der frischen Luft auf dem Gelände der Einrichtung gegeben ist, darf das Gelände der Einrichtung nicht verlassen werden.

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