Möchte man Experten und Politikern Glauben schenken, ist ein Leben mit dem Corona-Virus möglich. Davon zeugen neue Verordnungen des Landes, die 500 Menschen gleichzeitig ein gesellschaftliches Leben ermöglichen sollen. Dazu braucht es ein ausgefeiltes Hygiene-Konzept und die Einhaltung dieser Regeln durch die Besucher. Das von der Radolfzeller Tourismus und Stadtmarketing GmbH organisierte Diner en Blanc zeigte: Es geht.

43 Tische auf 2000 Quadratmetern

Für knapp 300 Besucher bereiteten die Veranstalter auf dem mit Bändern abgesperrten 2000 Quadratmeter großen Molengelände 43 Tische vor – sieben weniger als geplant, um potentielle Infektionsrisiken weiter zu minimieren und um die Anordnung der Tische zu entzerren. Viele der Gäste zeigten sich ausgehungert und lechzten förmlich nach einem gesellschaftlichen Miteinander. Mit einigen Ausnahmen hielten sich die Besucher des Diners en Blanc an das vorgegebene Regelwerk und feierten ihr Picknick diszipliniert unter freiem Himmel und ganz in weiß.

Beim „Diner en Blanc“ verteilten sich die Besucher auf der rund 2000 Quadratmeter großen Veranstaltungsfläche an der Radolfzeller Mole.
Beim „Diner en Blanc“ verteilten sich die Besucher auf der rund 2000 Quadratmeter großen Veranstaltungsfläche an der Radolfzeller Mole. | Bild: Lange, Georg

Mit 285 Anmeldungen kamen weniger Gäste als der Veranstalter erwartet hatte. Das hatte jedoch den Vorteil, dass die Besucher besser auf die Plätze verteilt werden konnten. Sie erhielten Austrittskarten, wenn sie das Gelände kurzfristig verlassen wollten und wurden gebeten, eine Maske zu tragen, wenn sie ihren zugewiesenen Tisch für ein Promenieren und Defilieren verlassen wollten. Das Regelwerk des Abends erreichte alle Teilnehmer am Vortag nochmals mit einer E-Mail. Das Gelände an der Radolfzeller Mole war mit Absperrbändern eingezäunt. Mithilfe eines Streckenmessgeräts und mit Sprühkreide markierten Helfer die Tisch­abstände von vier Metern auf dem Rasen. Am Haupteingang waren zwei Zelte für den Einlass aufgestellt, die bei großem Andrang beide geöffnet wurden und die lange Schlange beim Anstellen entzerrte.

Zufrieden mit dem Management

Nicoline Janker und Lidija Pavecic kamen mit einer Gruppe bauchtanzbegeisterter Frauen aus dem Raum Stockach zum Diner en Blanc an den See. Festlich gekleidet in silberweißen Charleston-Kostümen hätten sie womöglich den ersten Platz eines Kostümwettbewerbs errungen. Zwei Männer begleiteten die Damen, die das letzte Jahrhundert in Kostümen und prächtigem Kopfschmuck aufleben ließen. Nicoline Janker empfand die geringe Anzahl der Teilnehmer als angenehm. Die Krise sei zwar allgegenwärtig und die Maskenpflicht erzeuge ein komisches Gefühl, erzählt sie offenherzig. Mit dem Management der Veranstaltung in Radolfzell zeigte sie sich sehr zufrieden. Es sei jedoch die einzige Großveranstaltung, die sie in diesem Jahr besuchen wolle. Schade sei hingegen, dass man nicht wie gewohnt durch die Reihen flanieren und von den anderen Tischen naschen könne.

Das könnte Sie auch interessieren

Jürgen Hau aus Markelfingen kam mit elf Freunden zum Diner en Blanc, er gab sich sehr entspannt auf dem Fest. Die Tischordnung sei lockerer gestaltet, so sein Eindruck. Und er empfinde die Veranstaltung schöner als im Vorjahr. Hau lobte den Mut der Veranstalter. Sie hätten ein Fest in dieser Größenordnung auch absagen können, so seine Haltung. Am Tisch zeigte sich Susanne Schweizer begeistert von der neuen Sitzordnung: Nun hätten alle eine schöne Sicht sowohl auf den Hafen als auch auf den See. Allein der Anblick des Diner en Blanc sei eine Freude, schwärmten Heinz und Alexandra Imrich. Angesichts des Regelsystems der Tourismus und Stadtmarketing GmbH zeigte sich Alexandra Imrich beruhigt. Die Anordnung sei luftiger. Und sie sehe kein Problem für die Besucher.

Selbst gemachte Speisen, eine gesellige Runde und die exquisite Lage am See machen das Diner en Blanc zu einem Erfolg.
Selbst gemachte Speisen, eine gesellige Runde und die exquisite Lage am See machen das Diner en Blanc zu einem Erfolg. | Bild: Lange, Georg

Philipp und Nadine Lufer kamen mit ihren Kindern sowie deren Tante zum Diner en Blanc an den Radolfzeller Hafen. Zunächst zeigten sie sich verwundert, dass sie mit einer fremden Gruppe an einen Tisch gesetzt wurden. Doch sie waren auch beruhigt, dass die Namen sämtlicher Teilnehmer für die Rückverfolgung eines potenziellen Infektionsgeschehens registriert wurden. Philipp Nuber beobachtete eine Rücksichtnahme der Gäste untereinander, dass die Regeln zur Hygiene eingehalten wurden und dass es keine Interaktion zwischen den Tischen gab. In diesem Zusammenhang sprach Lufer von einer natürlichen Hemmung, die die Menschen begleiten und die sie seit Monaten in sich tragen würden.

Die Sonne geht unter

Johannes Ebbers kommt aus Westfalen und lebt seit zwei Monaten in Moos. Zum ersten Mal erlebe er das Diner en Blanc live und nicht aus der lokalen Berichterstattung. Mit zwei nach oben gestreckten Daumen bewertet er spontan sein Erlebnis auf dem Festgelände. Die Bedingungen würden nicht so sehr ins Gewicht fallen, so sein Eindruck: „Es sind keine zu großen Einschränkungen, die das Fest negativ begleiten.“ Mit einer Gelassenheit kommentierte er den gelungenen Abend: „Die Sonne geht mit oder ohne Corona einfach grandios unter.“ Und es sei nicht das letzte Mal gewesen, dass er beim Diner en Blanc dabei sein werde.