Corona hat die Mitarbeiter des Hospizvereins vor eine große Herausforderung gestellt. Während der Zeit, in der keine Besuche in Pflegeheimen möglich waren, hatten auch sie keinen Zutritt. Um die Leidenden und ihre Familien zu unterstützen, haben sie nach kreativen Lösungen gesucht, um den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Doch für den Hospizverein gibt es auch eine positive Nachricht. Er kann elf neue ehrenamtliche Mitarbeiter in seinen Reihen begrüßen. Von November bis Juli hat eine Schulung stattgefunden, an der zehn Frauen und ein Mann teilgenommen haben. Alle zwei Jahre führt der Verein Schulungen für Menschen durch, die es sich zur Aufgabe machen wollen, ältere oder schwerkranke Personen in ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten.

33 Ehrenamtliche in der Hospizarbeit

„Wir sind sehr dankbar, dass sich ein weiteres Mal so viele Ehrenamtliche gemeldet haben“, sagt Helene Haas, Vorsitzende des Hospizvereins. Mit den elf neuen Mitarbeitern sind nun 33 Personen ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig.

Der Entscheidung für das Ehrenamt gehe oft eine lange Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben voraus, erklärt Annemarie Welte, zweite Vorsitzende des Vereins, die viele Jahre als Klinikseelsorgerin tätig war. Kursleiterin Ulrike Traub hat beobachtet, dass mehrere Teilnehmer sich für diese Tätigkeit entscheiden, nachdem sie im Familienkreis mit dem Tod konfrontiert wurden.

Bedauern oder Dankbarkeit

„Manchmal konnten sie ihre Eltern, die weit entfernt wohnten, in ihren letzten Tagen nicht begleiten“, erzählt Traub. Aus Bedauern darüber oder auch aus Dankbarkeit für die Hilfe von Hospiz-Mitarbeitern, die die Familie unterstützt haben, fühlen manche sich bewogen, sich dieser Aufgabe zu widmen.

Doch sowohl die Motivation als auch die spätere Arbeit der Ehrenamtlichen sei völlig individuell, erklärt Andrea Jeskulke. Als Koordinatorin nimmt sie Kontakt zu der Person auf, die um Unterstützung bittet. Manchmal wenden sich auch die Angehörigen an den Hospizverein.

Keine pflegenden Tätigkeiten

Die Mitarbeiter des Hospizvereins leisten keine pflegenden Tätigkeiten. Sie kommen, um vor allem psychisch zu unterstützen und dabei stellen sie sich ganz auf die Wünsche des Kranken ein. „Wir kommen absichtslos zu den Menschen“, fährt Jeskulke fort, „wir begleiten jeden Menschen in seiner persönlichen Lebenskrise“.

Einige Sterbende wollen sich unterhalten, andere wünschen sich Begleitung beim Spazierengehen, wieder andere Unterstützung darin, eine Biografie zu verfassen. Manchmal seien es auch die Angehörigen, die ein wenig Entlastung bräuchten.

Schulung dauert ein halbes Jahr

In dieser zerbrechlichen Phase des Lebens, in der die Ehrenamtlichen oft engen Kontakt zu den Leidenden bekommen, sei vor allem Sensibilität gefragt, ergänzt Welte. Deshalb sei es dem Verein wichtig, dass alle neuen Ehrenamtlichen an den 15 Schulungsabenden und drei Wochenenden teilnehmen, die sich über ein halbes Jahr erstrecken.

In der Schulung würden viele Themen angesprochen, so Traub. Es geht um Kommunikation, die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit, Selbstbestimmung am Lebensende und die Gestaltung des Abschieds, ein gesundes Verhältnis von Nähe und Distanz zwischen Betreuer und sterbender Person, aber auch um Trauer, die geistliche Seite des Sterbens und Meditation.

Kontakt per Skype, Telefon oder Brief

Während des Lockdowns war die Nähe, die Hospiz-Mitarbeiter normalerweise anbieten, nicht möglich. „Unsere Mitarbeiter waren sehr kreativ“, erzählt Helene Haas: „Sie haben geskypt, telefoniert, Briefe geschrieben und Blumen geschickt.“ Doch Familien, die ihre Angehörigen in dieser Zeit verloren haben, ohne ihnen nahe sein zu können, hätten sehr gelitten. Bereits jetzt gebe es mehr Anfragen für die Trauergruppe des Vereins.

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