Vom 31. Januar auf den 1. Februar brannte in vielen der über 80.000 Friseursalons in Deutschland 24 Stunden lang Licht. „Licht an, bevor es ganz ausgeht“, so heißt die Aktion, zu der der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks aufrief. Am 16. Dezember mussten Friseure im zweiten Lockdown ihre Arbeit niederlegen. Viele Familienbetriebe könnten die Umsatzverluste nicht mehr verschmerzen und stünden vor dem finanziellen Aus, so der Verband.

Mit der Aktion ist die Forderung verbunden, Friseurstudios ab dem 15. Februar wieder zu öffnen. Nicole Bohner aus Radolfzell und Tina Thum aus Eigeltingen schlossen sich der Aktion an und erzählen, warum sie sich für die Öffnung ihrer Salons einsetzen.

Nicole Bohner hat den Friseursalon ihrer Eltern übernommen. Vor zwei Jahren konnte die Familie das 50. Jubiläum ihres Unternehmens feiern. Zusätzlich betreibt Bohner ein Zweithaarstudio, in dem sie Kundinnen betreut, die aufgrund einer Erkrankung ihre Haare verlieren. Dieses Studio ist auch während des Lockdowns geöffnet. „Aber ich kämpfe für Friseure und für meine Mitarbeiterinnen“, sagt die 51-Jährige. Für ihre vier Angestellten hat sie Kurzarbeit beantragt. „Mit 60 Prozent des Nettogehalts ist man nach drei Monaten schnell am Limit“, erklärt die Friseurin.

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Was Nicole Bohner und Tina Thum, die seit ihrer Ausbildung eine enge Freundschaft verbindet, vor allem umtreibt, ist, dass sie die Hygieneregeln nach dem ersten Lockdown akribisch eingehalten haben. Jeder zweite Stuhl wurde entfernt. Zwischen den verbleibenden Stühlen sind beinahe drei Meter Abstand. „Wir haben Plexiglasscheiben angebracht, wechseln die Umhänge nach jeder Behandlung, tragen Masken und arbeiten hinter den Kunden, sodass wir nicht in ihr Gesicht atmen“, erklärt Thum.

Wenn Kunden warten mussten, taten sie das draußen. „Unsere Kunden haben uns bestätigt, dass sie sich sicher fühlen, wenn sie zu uns kommen und viele haben Dankbarkeit geäußert.“ Kontrollen des Ordnungsamts ergaben, dass alle Hygieneregeln eingehalten wurden, so die Inhaberinnen. „Ich bin nicht ein einziges Mal wegen einer Rückverfolgung eines Kontaktes zu einer infizierten Person angerufen worden“, so Bohner.

Diese Plakate hingen vom 31. Januar bis zum 1. Februar in vielen beleuchteten Friseursalons in ganz Deutschland.
Diese Plakate hingen vom 31. Januar bis zum 1. Februar in vielen beleuchteten Friseursalons in ganz Deutschland. | Bild: Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks

Beide Frauen hoffen nun sehr, dass sie ihre Salons am 15. Februar wieder öffnen können. Tina Thum beschäftigt einen Auszubildenden. Mit ihm steht sie ein bis zweimal in der Woche im Studio. Dafür hat sie Übungsköpfe mit besonders präparierten künstlichen Haaren bestellt. Ansonsten hält sie telefonisch Kontakt zu ihren Kunden, nimmt Produktbestellungen an und gibt die bestellte Ware ab.

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Viele Kunden bäten bereits jetzt darum, Termine einzutragen, obwohl noch nicht sicher ist, wann und in welchem Umfang die Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Für die Teilnahme an der Lichtaktion hätten sie viel Zuspruch ihrer Kundschaft erfahren, berichten die Friseurinnen. „Auch nur einen Kunden im Laden empfangen zu dürfen, wäre besser, als gar nicht zu arbeiten“, meint Thum.