Dörflich-urwüchsig und närrisch ausgelassen ging es beim Bunten Abend der Liggeringer Moofanger zu. Das knapp dreieinhalbstündige Programm mit viel närrischem Geist für Auge und Ohr, ein Gemeinschaftswerk aller Zunftgruppen, sorgte von der ersten Minute an für schönste Fasnet-Stimmung in der voll besetzten Halle.

Ja, ist denn Liggeringen das ganze Jahr über ein Tollhaus, muss man sich angesichts der tratschenden Putzfrauen Andrea Korat und Gerlinde Wagner fragen, die frech und unverblümt – ohne jemanden ernsthaft zu verletzten – das Leben im Dorf aufspürten und humorig offenlegten. Als Ansagerinnen führten sie durch den Abend und sorgten zwischen den eigentlichen Bühnennummern für die besten Momente, wenn es um die großen und kleinen Dramen des Lebens ging, die sich erwartungsgemäß immer bei Menschen abspielen, die jeder im Dorf kennt. Diese Expertinnen für die Schwächen der Männer und die Träume von Frauen wissen natürlich über alles Bescheid und können zudem mit einer herrlichen Beobachtungsgabe brillieren. Ganz zu schweigen von ihrer Fantasie, der zur vorgerückter Stunde ein „Wellnesstempel mit Sadomaso-Raum“ entspringt, untergebracht in der Dorfmetzgerei, die demnächst schließt. Dann könnten die Ortschaftsräte nach der Sitzung dorthin gehen anstatt in den Adler, und es melden sich bei diesen Aussichten sicher noch ein paar Bewerber mehr für die Kandidatenliste zur Kommunalwahl.

Unterhaltsamer "Saturday Night Talk"

Gut gelungen war der Après-Ski-Auftritt des Narrenrates auf einer selbstgebauten Skipiste. Wenn auch das Internet die Steilvorlage lieferte, brachten die Akteure mit ihren Einkehrschwüngen auf der Suche nach Party vor allem durch Spielfreude und Situationskomik den Saal zum Kochen.

Dass der Fanfarenzug es nicht nur musikalisch fetzen lassen kann, sondern auch lustige Akteure in seinen Reihen hat, bewiesen einige Mitglieder bei ihrem unterhaltsamen „Saturday Night Talk“ mit in die Jahre gekommenen Kinderstars wie Pumuckl, Pippi Langstrumpf und Michel von Lönneberga, die alle irgendwie in Liggeringen gestrandet sind, weil es dort mit dem Torkel „die beste Location“ unter den drei laufenden Wirtschaften im Ort gibt. Der Adler in Möggingen wäre noch eine Option gewesen, aber diesen Schuppen brauche man jetzt ja für die „Wapo Bodensee“, frozelte man über die Nachbarn.

Großartige Tanzeinlagen

Wie schwer er sich diesmal tat, eine Bütt zu schreiben, zelebrierte „Narrenbolizei“ Michael Renz, doch nach einer Kiste Bier sprudelten amüsante Ideen fürs Liggeringer Revier. Was sei das Dorf bald noch ohne eigene Metzgerei? Man müsse eben für den Eigennutz etwas tun, etwa den alten Feuerwehrschuppen als Schlachterei nutzen – und wenn es nur dafür gut wäre, immer etwas zum Eintauschen gegen einen Laib Brot aus dem Mögginger Backhäusle zu haben. Auch der turbulente Holzer-Beitrag, der auf der Baustelle des Solarenergiedorfes spielte, beanspruchte kräftig die Lachmuskeln, wenn auch die Narrenfreiheit hier von manchen als grenzwertig empfunden wurde. Zum Glück kann Ortsvorsteher Hermann Leiz trotzdem lachen bei allem, was die Narren erfinden, wenn sie sein Lieblingsprojekt und ihn aufs Korn nehmen.

Nicht wegzudenken aus dem Programm sind die großartigen Tanzeinlagen. Da ist in erster Linie der „Schrullen-Tanz“ der Moo-Gruppe zu nennen, die köstlich verkleidet als uralte Wieber mit toller Choreographie das Tanzbein schwang. Ein Auftritt, der vor Humor nur so sprühte und für ein absolutes Stimmungshoch sorgte. Auch die Garde brachte in mehreren Auftritten, mal traditionell, mal als Barbie-Puppen, gemeinsam mit tanzfreudigen Jungs Beeindruckendes aufs Bühnenparkett. Dafür gab es natürlich schönsten Applaus, ebenso für die zwei jüngsten Gardemädels, die mutig mit einem separaten Hip-Hop-Tanz ihr Debüt feierten. Am Ende hatte sich alle Arbeit und Mühe der Akteure mehr als gelohnt. Es war ein schöner Fasnachtsabend.

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