Mit einer Petition für ein 1-Euro-Ticket im Landkreis Konstanz hat sich jetzt die ehemalige Kreisrätin Anne Overlack an den Landrat Zeno Danner und den Kreistag gewendet. Zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe und dem Konstanzer Oberbürgermeisterkandiaten Luigi Pantisano wirbt sie dafür, den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) durch ein 365-Euro-Jahresticket zu stärken.

Aus Sicht von Anne Overlack, die im Kreistag zur Fraktion der Grünen gehörte, verlangt die Zeit geradezu nach einem Umstieg auf den ÖPNV, um dem Raubbau der Erde endlich entgegen zu wirken. „Unsere Kinder gehen auf die Straßen und fordern uns zu einem Leben auf, das die natürlichen Grenzen unseres Planeten respektiert“, sagt sie zu ihrer Motivation.

Knapp 800 Unterstützter haben bislang unterzeichnet

Die war so groß, dass sie erstmalig überhaupt eine Petition für etwas gestartet hat. Dass ihre Meinung durchaus von anderen geteilt wird, zeigt die Zustimmung, die die Petition bereits hat. Auf der Internetseite change.org (siehe Infotext) haben sich bis zum Anfang der Woche bereits knapp 800 Menschen dem Wunsch nach einem günstigeren Bus-und Bahnticket im Landkreis Konstanz angeschlossen.

Wünscht sich das 1-Euro-Ticket im Landkreis Konstanz: Anne Overlack an einer Bushaltestelle in ihrem Wohnort Bankholzen. In einer Petition an den Kreistag fordert sie die Einführung des 1-Euro-Tickets.
Wünscht sich das 1-Euro-Ticket im Landkreis Konstanz: Anne Overlack an einer Bushaltestelle in ihrem Wohnort Bankholzen. In einer Petition an den Kreistag fordert sie die Einführung des 1-Euro-Tickets. | Bild: Jarausch, Gerald

Hinter der Idee steckt mehr als die reine Vergünstigung des Tarifes. Im Idealfall wird am Ende daraus ein Netzwerk, in dem die Menschen für einen Euro den öffentlichen Nahverkehr bundesweit nutzen können. Dass so etwas überhaupt funktionieren kann, zeigen einzelne Beispiele, auch im Landkreis Konstanz.

In Radolfzell gibt es das 1-Euro-Ticket für den Stadtbus bereits seit 2019. Schüler zahlen 200 Euro pro Jahr und Einzeltickets kosten einen Euro am Tag. Die Erfahrungen der Stadtwerke damit waren positiv. Jedenfalls stieg die Anzahl der Nutzer beträchtlich.

In Radolfzeller Stadtbussen stiegen mit einem ähnlichen Modell die Nutzerzahlen

Genau das erhoffen sich die Petitionsstarter auch von ihrer Initiative. „Radolfzell geht mit gutem Beispiel voran und zeigt uns, wie man es machen kann. Ist die 365-Euro-Flatrate einmal bezahlt, wird eher in Bus und Bahn als ins Auto eingestiegen“, argumentiert Anne Overlack.

Doch auch höhere Fahrgastzahlen machen aus dem Betrieb des ÖPNV nicht automatisch ein wirtschaftliches Unterfangen. Das ist den Petitionsstartern durchaus bewusst. Eine Querfinanzierung könnte aus ihrer Sicht unter anderem mit höheren Parkplatzgebühren oder einer City-Maut geschehen.

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„Die hierbei entstehenden Einnahmen müssen in zukunftsfähige und uns allen dienende Mobilität reinvestiert werden und damit in den dringend notwendigen Ausbau des ÖPNV in der Stadt und auf dem Land“, führt Anne Overlack weiter aus.

Overlack hält auch Finanzierung durch Abgabe für denkbar

Darüber hinaus könnte sie sich auch eine Finanzierung durch Unternehmen oder eine Art Zwangsabgabe aller Bürger vorstellen. „Es ist schließlich in unser aller Interesse, dass der Verkehr funktioniert.“

Dann würden zudem auch die Bürger im Landkreis in den Genuss eines günstigen Bus- und Bahntickets kommen, wie es schon den Touristen der Region zugänglich gemacht wird. Viele Orte im Landkreis finanzieren über ihre Kurtaxe deren ÖPNV-Tickets, die im gesamten Verbreitungsgebiet des Verkehrsverbundes nutzbar sind.

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Befürworter von Modellen wie dem 1-Euro-Ticket argumentieren zudem: Steigende Fahrgastzahlen würden wahrscheinlich sogar zu einer Verbesserung der Taktraten und des Streckennetzes führen. Je attraktiver das ÖPNV-Netz ist, desto mehr Menschen würden es nutzen und ihre Autos stehen lassen.

Die Umweltbelastung sinke, der Individualverkehr nehme ab und somit die tägliche Belastung für Mensch und Umwelt. Für Anne Overlack ist die Sache klar: „Wenn wir uns ökologisch vernünftig und im Interesse aller nachfolgenden Generationen zukunftsfähig bewegen wollen, dann sollte die öffentliche Mobilität Vorrang vor allen privaten Fortbewegungsformen haben.“