Gut gelaunt empfängt Waltraud Rasch die Abordnung der Messmer Stiftung in den Räumen der Zeller Kultur in der Fürstenbergstraße am Rande der Altstadt von Radolfzell. Die Vorsitzende des Vereins hat gleich mehrere gute Nachrichten zu verkünden. Baulich haben die Theaterräume einen Quantensprung gemacht. Nach dem Abschluss der Brandschutzarbeiten im vergangenen Jahr eröffnen nun der Einbau einer neuen Lüftung, neue Toilettenräume und eine Thekenanlage ganz neue Möglichkeiten. Auch personell fühlt sich Waltraud Rasch im Vorstand für die Zukunft gewappnet, mit Ingrid Dreisbach als Co-Vorsitzende habe sie die Unterstützung gefunden, die sie für Organisation und Verwaltung brauche.

Tüfteln auf dem Hof

Für die technischen Dinge in der Zeller Kultur ist neben seinen Schauspielrollen auf der Bühne Andreas Nitschke zuständig. Zusammen mit Thomas Eberhard hat er die neue Lüftungsanlage eingebaut. Auch das gehört zum Vereinsleben in der Zeller Kultur, wenn der Schreinermeister Nitschke und der Maschinenbauingenieur Eberhard sich auf dem Hof des Theaters tüfteln und beraten, wie sie die vielen Windungen der Zuleitungsrohre im und am Gebäude unterbringen. „Toller Helfer, tolle Erfahrung“, berichtet Bauleiter Andreas Nitschke über die Zusammenarbeit mit einem Ingenieur auf dem Bau.

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Dass es mehr Luft im Theater der Zeller Kultur werde, ist auch dem Findungsreichtum von Waltraud Rasch zu verdanken. Als die Bundesregierung im Rahmen der Corona-Hilfen das Programm „Neustart Kultur“ aufgelegt hat, kam der Vorsitzenden der Zeller Kultur der Gedanke: „Wir haben keine Lüftung“ und „es gibt Zuschüsse“. Zuerst habe man von einer Größenordnung von rund 10.000 Euro gesprochen. „Hinterher hat sich herausgestellt, dass wir über das Dreifache brauchen.“

Zuschuss aus Bundesförderung

Die Rechnung für die Lüftungsanlage geht für das Theater auf: Ein Drittel der Kosten wird über die Zuschüsse Neustart Kultur finanziert, ein Drittel steuert die Messmer Stiftung bei, ein Drittel bringt der Verein Zeller Kultur über Spenden und Eigenleistungen auf. Waltraud Rasch spricht von einem „Meilenstein, der weit in die Zukunft reicht“. Mit dieser Lüftungsanlage werden nicht nur die Zuschauer mit einem Fassungsvermögen von rund 100 Sitzplätzen mit Sauerstoff versorgt, auch die Schauspieler profitieren von der Technik. Die Anlage sei so leise, dass ihr Betrieb weder das Schauspiel noch die Aufmerksamkeit der Besucher stört. Und, sagt Andreas Nitschke: „Wir können die Lüftungsanlage auch an die Heizungsanlage anschließen.“ In der neuen Anlage sei ein Wärmetauscher eingebaut.

Versteckt hinter einer Tür: Die Steuerung der neuen Lüftungsanlage.
Versteckt hinter einer Tür: Die Steuerung der neuen Lüftungsanlage. | Bild: Becker, Georg

Wo es baulich in die Zukunft weist, gibt es jetzt auch für den 45 Mitglieder starken Verein einen Rahmen, der auf Dauer belastbar sein soll. Zum einen läuft der Überlassungsvertrag mit der Stadt für das Gebäude in der Fürstenbergstraße bis ins Jahr 2032. Zudem hat der Gemeinderat eine Grundförderung bewilligt. Darüber hinaus hat die Zeller Kultur als soziokulturelles Zentrum mit Schwerpunkt Theater die Möglichkeit, weitere Zuschüsse beim Land zu beantragen. Waltraud Rasch schöpft daraus Kraft: „So langsam nimmt unser Projekt Form und Gestalt an, so könnte es auch in der Zukunft gehen.“