Nur ein Nachbericht im evangelischen Gemeindebrief machte es publik für alle, die Corona-bedingt an Pfingsten nicht am Gottesdienst in Böhringen teilnehmen konnten: das seltene Orgeljubiläum, das Helga Keller nun feiern konnte. Die 79-Jährige Organistin ist eine Institution in Böhringen.

Unter dem Einfluss ihrer musikalischen Mutter fing sie bereits mit fünf Jahren an, Klavier und bald auch Orgel zu spielen. Mit 13 Jahren, direkt nach der Konfirmation, begann sie im Musiksaal der Böhringer Schule ihre Laufbahn als Organistin.

Manchmal zehn Gottesdienste an nur einem Tag

„Mein Vater machte mir schon früh klar, dass man, wenn man etwas anfängt, auch dranbleiben muss“, erklärt sie ihren Übungsfleiß als Teenager. Die ersten 40 Jahre begleitete Helga Keller die Gemeinde an jedem Sonn- und Feiertag. An manchen Feiertagen spielte sie in mehr als zehn evangelischen Gottesdiensten in den Kirchen der Ortsteile und auf der Höri.

In den Anfangsjahren in Böhringen, so erzählt sie, musste sie schon mal bis zu 14 Strophen eines Liedes spielen, weil es der pendelnde Pfarrer nicht immer rechtzeitig zum Gottesdienst schaffte.

Schmunzeln über alte Orgeln

Schmunzelnd berichtet sie auch von den alten Kirchenorgeln in Güttingen und Möggingen, bei denen noch Blasebälge getreten werden mussten. „Dafür waren immer einige Buben zuständig“, erzählt sie, „und wenn sie dann manchmal vergessen haben zu treten, ging gar nichts mehr.“

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Neben der christlichen Überzeugung – viele Jahre hielt sie auch Kindergottesdienste in der Evangelischen Gemeinde Böhringen ab – treibt die langjährige Organistin vor allem eines an: „Das Orgelspielen bereitet mir einfach Freude und die Besucher geben mir mit ihrer positiven Resonanz viel zurück.“

Hoch oben auf der Empore hat Helga Keller auch den Wandel in den Gottesdiensten miterlebt. „Alles, auch das Liedgut, ist moderner geworden“, berichtet sie. Bands, Chöre und Instrumentalisten hielten Einzug. „Viele moderne Lieder sind eben nicht für die Orgel“, so Helga Keller schulterzuckend.

Ans Aufhören denkt sie nicht. „Ich spiele solange ich gesund bin und gebraucht werde“, versichert sie zur Freude der Evangelischen Kirchengemeinde Böhringen, die ihr unermüdliches Engagement zu schätzen weiß.

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