Es sind ernüchternde Zahlen: Laut einer Umfrage zur Ministrantenarbeit 2020 für die Erzdiözese Freiburg, bei der sich 557 Pfarreien beteiligten, ist die Zahl der Ministranten im Vergleich zum Jahr 2015 rückläufig. 8,8 Prozent weniger Messdiener gab es demnach, 2671 an der Zahl. Auch in Radolfzell macht sich diese Entwicklung laut Jonas Teige, Oberministrant der Pfarrei St. Meinrad und der Seelsorgeeinheit St. Radolt, bemerkbar. Schon länger treten weniger neue Ministranten bei und bleiben auch nicht allzu lange im Dienst. Die Pandemie habe diese Entwicklung noch verstärkt.

Noch halb so viele neue Ministranten

„Die Zahlen sind deutlich zurückgegangen“, sagt Jonas Teige. Während im Jahr 2006, als er selbst Ministrant wurde, sich noch zehn bis zwölf Kinder in der Pfarrgemeinde St. Meinrad für den Dienst entschieden, seien es in den vergangenen Jahren im Schnitt noch zwischen fünf und sechs gewesen. Zudem seien aus seinem Jahrgang mit ihm selbst noch zwei im Dienst.

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Ministranten, die wie Teige noch mit 25 aktiv sind, sind recht selten. Laut der Umfrage unter den Pfarreien der Erzdiözese Freiburg machen sie einen Anteil von 0,3 Prozent der angegebenen Ministranten aus. Allerdings wurde nicht bei allen Ministranten das Alter genannt, weshalb diese Zahl abweichen kann. „Vor allem in den pubertierenden Altersgruppen“ würden vermehrt Ministranten ihren Dienst beenden, berichtet Jonas Teige – oder spätestens dann, wenn sie mit der Schule fertig sind und studieren gehen.

Viele kommen weniger in die Kirche

Und das Problem verschärft sich: „Es wird schwieriger und die Pandemie hat es deutlich erschwert“, sagt Jonas Teige. Derzeit gebe es 62 Ministranten in der Pfarrgemeinde St. Meinrad, 20 davon seien allerdings nur noch bei Hochfesten im Einsatz. In den Jahren 2020 und 2021 habe es in St. Meinrad sechs neue Ministranten gegeben, in Böhringen fünf, in Liggeringen zwei – „so viele, wie es normalerweise in einem Jahr hatte“.

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Zudem habe es am Anfang der Pandemie viele Ministranten gegeben, die aus Angst vor einer Infektion nicht in die Kirche gekommen seien. Mittlerweile gebe es über alle Altersgruppen hinweg zudem noch einige, die weniger aktiv am Dienst beteiligt seien und bei denen sich nach der Pandemie zeigen werde, ob sie wieder aktiver werden oder ganz aufhören, berichtet Jonas Teige. „Es gibt viele, die weniger kommen“, sagt er. Das berge die Gefahr, dass sie sich daran gewöhnen, am Sonntag nicht mehr in die Kirche zu gehen – und dann ihren Dienst aufgeben. In der Pfarrgemeinde St. Meinrad habe es auch schon jemanden gegeben, bei dem die Pandemie die Entscheidung verstärkt habe, aufzuhören.

Das Problem: Den Ministranten kann wenig geboten werden

Schuld an der Entwicklung gibt Jonas Teige dem Umstand, dass kaum Freizeitangebote gemacht werden konnten. Gruppenstunden durften im Sommer vereinzelt stattfinden, zum Teil seien sie auch online angeboten worden, „aber nicht das Pensum wie sonst“, so Teige. Zudem seien seit Beginn der Pandemie kaum Veranstaltungen wie Ausflüge oder Feste möglich gewesen. Auch kommen durch die Pandemie nicht mehr so viele Ministranten gleichzeitig zum Einsatz wie zuvor. Während in St. Meinrad ehemals acht Ministranten pro Sonntag eingeteilt wurden, seien es nun sechs, zu Beginn der Pandemie seien es sogar nur zwei gewesen.

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Weil die Ministranten ohnehin nicht in dem Umfang zum Einsatz kommen können wie vor der Pandemie, gab es laut Jonas Teige bislang noch keine Probleme bei den Besetzungen der Gottesdienste. „Wir versuchen aber auch so gut es geht, neue Ministranten zu gewinnen.“ So gebe es Überlegungen, etwa bei Elternabenden oder in den Gruppenstunden der Erstkommunionikanten für die Ministrantentätigkeit zu werben. Das sei aktuell aber schwer, weil keine Gruppenstunden stattfinden können. Eine Idee sei auch, mit Rundschreiben zu arbeiten.