Die Videokonferenz des Behindertenbeirats von Radolfzell erinnerte ein wenig an die Liveübertragung der ersten Mondlandung vor 51 Jahren. Aber dafür war sie audiovisuell in satten Farben und mit einem brillanten Klang. Jeder konnte dabei sein. Das ist besonders für Menschen mit schweren körperlichen Beeinträchtigung wichtig, da sie vom gesellschaftspolitischen Leben oft ausgeschlossen sind. Teilhabe ist eines der Themen, die sich der Behindertenbeirat auf die Fahne geschrieben hat. Die Videoplattform Zoom ermöglichte ebenso, dass zugeschaltete Gäste dem Beirat Anregungen geben oder ihren Kummer von der Seele sprechen konnten.

Erste Videokonferenz mit Technikproblemen

Die Premieren-Konferenz steckte noch ein wenig in den Kinderschuhen. Nach 40 Minuten brach in den Wohnungen die Videoschaltung zusammen. Und zwar mitten in der Diskussion zur Wahl des Stellvertreters der von der Stadt bestellten Behindertenbeauftragten.

Die erste Videokonferenz des Radolfzeller Behindertenbeirats steckte noch in den Kinderschuhen. Doch dafür konnte via Internet jeder interaktiv daran teilnehmen (v.li.): Constanze Werdermann (Behindertenbeauftragte), Friedhelm Niewöhner (Stadtverwaltung), Daniela Trescher, Heinz Küster (Stellvertreter Beirat) sowie Elisabeth Störk (AWO).
Die erste Videokonferenz des Radolfzeller Behindertenbeirats steckte noch in den Kinderschuhen. Doch dafür konnte via Internet jeder interaktiv daran teilnehmen (v.li.): Constanze Werdermann (Behindertenbeauftragte), Friedhelm Niewöhner (Stadtverwaltung), Daniela Trescher, Heinz Küster (Stellvertreter Beirat) sowie Elisabeth Störk (AWO).

Constanze Werdermann erklärte nach der spontanen Video-Reanimation die Gründe hierfür: Die Gratisversion der Zoomkonferenz sei auf 40 Minuten beschränkt. Es sei sinnvoll, für den Beirat eine lizensierte Version zu haben. Sie wolle hierfür einen Antrag bei der Stadt stellen. Nach der neuen Schalte wurde Heinz Küster vom Beirat zum Stellvertreter gewählt.

Warteliste für geeigneten Wohnraum ist lang

Die Konferenz machte deutlich, wie wichtig in Radolfzell eine koordinierte kommunale Wohnraumpolitik ist. Werdermann wurde von mehreren Behinderten angesprochen, dass sie mit ihren Rollstühlen in ihren Wohnungen weder hinein noch heraus kommen. Allein der Arbeiterwohlfahrt lägen mehr als 100 Anmeldungen für passende Einraumwohnungen in Radolfzell vor.

Werdermann möchte den dringenden Wohnungsbedarf für Menschen mit Behinderungen, die keinen Wohnraum erwerben können, an oberste Stelle ihrer Agenda setzen. Eigentlich sollten Wohnungen so gebaut sein, dass jeder Mensch gut hinein komme – ob man einen Kinderwagen schiebe, durch einen Unfall temporär beeinträchtigt sei oder dauerhaft im Rollstuhl sitze, so die Behindertenbeauftragte: Es sei für jeden sinnvoll.

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Workshop für mehr Mitsprache

Was kann man dafür beitragen, dass sich auch Menschen mit einer Behinderung am Stadtentwicklungsprozess beteiligen können? Dafür plant der Beirat in Kooperation mit dem Fachbereich Bürgerbeteiligung einen Workshop, der zum Jahresende stattfinden soll. Dieser soll von einem Coach unterstützt werden und dessen zusammengetragene Ergebnisse in den Aufbau eines modernen Behindertenbeirats münden, so Werdermann.

Strandrollis in den Radolfzeller Freibädern

Ab sofort können Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte im Strandbad Mettnau sowie im Seebad in Radolfzell uneingeschränkt ins Wasser gehen, verkündete die Behindertenbeauftragte in der Konferenz: Die neu angeschafften Geländerollstühle seien modern, stabil und äußerst leicht handzuhaben.

In jedem Freibad könnten nun Menschen mit Gehschwierigkeiten mit einem Strandrolli in das Wasser gleiten. Mit ihnen kann gebadet, geschwommen und geduscht werden. Die Rollstühle sind für alle Altersgruppen geeignet. Die Nutzung sei kostenfrei und ohne eine Reservierung möglich. Man benötige lediglich einen Ausweis mit Foto. Je nach Bedarf könnten weitere Strandrollis beschafft werden. Sie wurden durch die Erika und Werner Messmer Stiftung sowie von den Radolfzeller Bürgern finanziert.