Bürgermeisterin Monika Laule brachte es in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses mit wenigen Worten auf den Punkt: „Unsere Stadtbibliothek ist ein Erfolgsmodell“, fasste sie die Bilanz der vergangenen fünf Jahre zusammen, die Bibliotheksleiterin Petra Wucherer dem Gremium vorstellte. Denn die fiel fast durchgehend positiv aus.

Über 673.000 Personen hätten zwischen 2015 und 2019 die Stadtbibliothek besucht, um etwa Medien auszuleihen, zu recherchieren oder an Veranstaltungen teilzunehmen. Im Jahr 2020 habe es bisher 46.000 Besucher gegeben. Alleine 2019 hätten zudem 5696 Personen ihren Bibliotheksausweis aktiv genutzt – und damit über 18 Prozent der Bürger.

Eine der ausleihstärksten Bibliotheken im Regierungsbezirk

Besonders erfreulich: Mit mehr als 1,4 Millionen Entleihungen aus dem Medienbestand der Bibliothek innerhalb der vergangenen fünf Jahre gehöre die Einrichtung in Radolfzell „zu den ausleihstärksten Bibliotheken des Regierungsbezirkes Freiburg„, heißt es in der Mitteilungsvorlage. 30 Prozent des Medienbestandes sei immer ausgeliehen.

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Und auch digitale Medien werden vermehrt genutzt: 2019 verzeichnete die Stadtbibliothek Radolfzell fast 30.000 Online-Downloads über den Verbund Onleihe Hegau-Bodensee, in dem die öffentlichen Bibliotheken Engen, Konstanz, Radolfzell, Singen und Stockach digitale Medien bereitstellen. 2018 waren es laut Petra Wucherer noch knapp 24.000, 2015 sogar nur etwa 14.000. Besonders beliebt seien digitale Romane.

Online-Downloads nehmen in Corona-Zeiten zu

Und die Corona-Pandemie habe zu dieser Entwicklung noch weiter beigetragen: „Online wird derzeit mehr genutzt“, erklärte Petra Wucherer. Aus Sorge vor einer Übertragung der Erreger gebe es aktuell eben auch Personen, die nichts Gebrauchtes ausleihen wollen. Die Downloads über die Onleihe würden in diesem Jahr voraussichtlich auf knapp 40.000 Entleihungen ansteigen – also rund 10.000 mehr als im vergangenen Jahr.

Ebenfalls hilfreich in Corona-Zeiten: Der Rückgabeautomat, der an der Außenfassade der Bibliothek zu finden ist und durch den die Besucher das Gebäude bei der Abgabe ihrer Medien nicht mehr betreten müssen. Die steigende Akzeptanz des Automaten führe seit 2015 zu sinkenden Besucherzahlen, im Jahr 2019 waren es nach Petra Wucherers Bilanz aber dennoch 122.100 Besucher – nur etwa 200 weniger als im Jahr zuvor bei einer leichten Zunahme der Vorort-Entleihungen.

In Corona-Zeiten können Medien nur über den Rückgabeautomaten abgegeben werden.
In Corona-Zeiten können Medien nur über den Rückgabeautomaten abgegeben werden. | Bild: Julian Widmann

Ebenfalls stark gefragt seien die Drucker und Kopierer der Stadtbibliothek, denn durch den Trend zu Tablets oder Smartphones hätten zahlreiche Menschen derartige Geräte nicht mehr selbst zu Hause.

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Jugend wird ans Lesen herangeführt

Besonders erfreut zeigten sich aber sowohl Petra Wucherer als auch Bürgermeisterin Monika Laule über die Leseförderung durch die Stadtbibliothek und die Medienpädagogik für Kinder – etwa durch Programme wie Autorenbegegnungen und Führungen für Schüler, Jugendbuchtage oder den Sommer-Lese-Club „Heiß aufs Lesen“. „Da macht man vorbildliche Bildungsarbeit„, lobte Monika Laule. Wie Petra Wucherer vorstellte, konnten mit den Leseförderungsangeboten in fünf Jahren etwa 18.500 Kinder und Jugendliche ab drei Jahren erreicht werden. Etwa durch regelmäßige Einladungen von Kindertagesstätten gelänge eine Bindung von Kindern und Eltern. Es scheint sich zu lohnen: Der Spitzenwert bei der Nutzung der Stadtbibliothek liege in der Gruppe der sechs- bis 17-jährigen, so Petra Wucherer. 54 Prozent der Radolfzeller Jugendlichen hätten 2019 Medien ausgeliehen.

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Es muss weiter investiert werden

Trotz der guten Nachrichten richtete sich Petra Wucherer aber auch mit einer deutlichen Botschaft an die Stadtverwaltung und die Stadträte: Damit sie weiterhin ein Erfolgsmodell bleiben kann, müsse in die Zukunft der Stadtbibliothek nämlich auch weiter investiert werden. „Wir müssen auch in Zukunft an ihr arbeiten“, appellierte sie. Ein Ziel sei es, alle Medien der Stadtbibliothek auch digital zur Verfügung zu stellen, zudem solle die Zusammenarbeit mit den Schulen und Kindertagesstätten weiter ausgebaut werden, um mit den Angeboten alle Kinder zu erreichen. Auch Sprachförderung sei ein großes Thema, sowie die digitale Bildung von Erwachsenen und Kindern. Um die aktuellen Trends vermitteln zu können, sei es notwendig, IT- und medienpädagogisches Wissen einzukaufen, zudem wolle sich die Stadtbibliothek Radolfzell beim Förderprogramm Wissenswandel bewerben, mit dem der Deutsche Bibliotheksverband Bibliotheken und Archive bei ihrer digitalen Weiterentwicklung unterstützen möchte.

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Und dann sei da noch der Gewölbekeller der Stadtbibliothek, wo etwa Vorträge oder Lesungen stattfinden: „Die Akustik macht uns zu schaffen“, erklärte Petra Wucherer. Mit der Mikrofonanlage sowie dem Schall gebe es dort Probleme. „Es gibt keine Veranstaltungen, zu denen keine Beschwerden kommen.“

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