Am Radolfzeller Seeufer gab es am Samstag ein echtes Novum zu beobachten: Zwei berittene Polizisten schauten, ob sich die Menschen an das ausgerufene Versammlungsverbot aufgrund der Corona-Krise halten. Denn auch weiterhin gilt, dass sich maximal zwei Personen, die nicht gemeinsam in einem Haushalt leben, im Freien zusammen aufhalten dürfen. Ausnahmen dieser Regelung sind Familien, die innerhalb eines Haushalts leben. Davon unabhängig gilt die Maßgabe, dass die Personen möglichst einen Abstand von 1,5 bis zwei Metern voneinander halten sollten.

Ab 15 Uhr kontrollierten zwei Mitglieder der Polizeireiterstaffel aus Stuttgart, ob sich die Radolfzeller und Besucher der Stadt an diese Vorgaben halten. Polizeioberkommissar Walter Horländer und Polizeiobermeisterin Lisa Pscheidl auf ihren Pferden Vinzenz und Wotan zogen dabei unweigerlich die Blicke der Menschen auf sich. In erhabener Höhe sitzend, hatten die beiden Beamten einen besonders guten Blick auf die Umgebung und Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe.

Die Radolfzeller Polizei wurde am Samstag von der Reiterstaffel aus Stuttgart unterstützt (von links): Revierleiter Willi Streit, Polizeioberkommissar Walter Horländer, Polizeiobermeisterin Lisa Pscheidl und Oberbürgermeiste Martin Staab. Bilder: Gerald Jarausch
Die Radolfzeller Polizei wurde am Samstag von der Reiterstaffel aus Stuttgart unterstützt (von links): Revierleiter Willi Streit, Polizeioberkommissar Walter Horländer, Polizeiobermeisterin Lisa Pscheidl und Oberbürgermeiste Martin Staab. | Bild: Jarausch, Gerald

Polizei zu Pferd flößt Respekt ein

Normalerweise sind die Mitglieder der Polizeireiterstaffel, von der es in Baden-Württemberg nur zwei Standorte gibt (siehe Kasten), bei Großereignissen im Einsatz, wo ihre Tiere nicht zuletzt wegen ihrer imposanten Größe Respekt einflößend sind. Walter Horländer und Lisa Pscheidl waren in den vergangenen Tagen bereits in Konstanz mit den Pferden unterwegs, um auch dort die Einhaltung der momentanen Vorschriften zu überprüfen. In Radolfzell ritten sie gemessenen Schrittes den Bereich von der Mettnau bis nach Moos und Teile der Innenstadt innerhalb von 2,5 Stunden ab.

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Der Radolfzeller Revierleiter der Polizei, Willi Streit, zeigte sich erfreut über die Unterstützung der Reiterstaffel: „Seit dem 16. März gibt es verstärkte Polizeikontrollen. Das kann unser Revier aber nicht allein leisten. Wir werden dabei immer wieder von Kollegen vom Standort in Göppingen unterstützt. Berittene Polizei haben wir hier in Radolfzell nun das erste Mal. So etwas hat es noch nicht gegeben“, stellte er vor Ort fest. Er sieht in der Unterstützung durch die Reiterstaffel unter anderem eine psychologische Wirkung für die Bevölkerung. „Die Menschen sind momentan sehr verunsichert. Mit unserer Präsenz stärken wir das Sicherheitsgefühl der Menschen“, erklärte er weiter.

Bisher 16 Ordnungswidrigkeiten

Aber natürlich haben die Überprüfungen der Vorschriften auch eine konkrete Folge. Seit dem 16. März wurden in Radolfzell von den Beamten bei 84 Kontrollen von Personen acht Strafanträge und 16 Ordnungswidrigkeiten ausgesprochen. „Das ist nicht sehr viel. Das zeigt, dass sich die Radolfzeller vernünftig verhalten“, stellte Willi Streit in diesem Zusammenhang fest. Das Lob für die Besonnenheit der Bürger sprach auch Oberbürgermeister Martin Staab aus.

„Die Radolfzeller sind verantwortlich“, sagte er. Gleichwohl sieht er eine Notwendigkeit der Kontrolle. „Im Moment sind wir alle sehr in unserer persönlichen Freiheit eingeschränkt. Nicht alle haben dafür Verständnis. Es gibt immer die Unbelehrbaren. Deshalb musste man handeln“, ließ der Oberbürgermeister wissen.

Hoch zu Ross in Radolfzell: Polizeioberkommissar Walter Horländer und Polizeiobermeisterin Lisa Pscheidl auf ihren Pferden Vinzenz und Wotan Bild:Gerald Jarausch
Hoch zu Ross in Radolfzell: Polizeioberkommissar Walter Horländer und Polizeiobermeisterin Lisa Pscheidl auf ihren Pferden Vinzenz und Wotan | Bild: Jarausch, Gerald

Dabei verfolgt man mit den Kontrollen durch die Polizei die klare Strategie, die noch vorhandenen Freiheiten möglichst aufrecht zu erhalten. „Wir wollen das Seeufer offen halten. Das trägt auch erheblich zur Lebensqualität bei“, sagte Martin Staab während des Pressetermins. Allerdings wollte er die Schließung zu einem späteren Zeitpunkt nicht gänzlich ausschließen. Die Entscheidung darüber wird man in Absprache mit der Polizei treffen – je nachdem wie einsichtig und vernünftig sich die Menschen im Freien verhalten. Generell sieht er die Entwicklung der Corona-Infektionen in Radolfzell „auf einem guten Weg“, wie er sagte.

Corona-Kontrolle am Radolfzeller Seeufer: Polizeioberkommissar Walter Horländer und Polizeiobermeisterin Lisa Pscheidl von der Polizeireiterstaffel in Stuttgart.
Corona-Kontrolle am Radolfzeller Seeufer: Polizeioberkommissar Walter Horländer und Polizeiobermeisterin Lisa Pscheidl von der Polizeireiterstaffel in Stuttgart. | Bild: Jarausch, Gerald

Die Staffel soll wiederkommen

In Radolfzell gibt es aktuell 44 infizierte Personen, im gesamten Landkreis 262. Während die Verdopplung der Zahlen am 18. März bereits nach 2,3 Tagen eintrat, hat sich dieser Wert mittlerweile auf 10,1 Tage verlängert. „Wir dürfen dennoch nicht nachlassen“, mahnte der Oberbürgermeister. Die erhöhte Aufmerksamkeit durch die berittene Polizei begrüßte er deshalb ausdrücklich.

Revierleiter Willi Streit stellte einen nochmaligen Auftritt der Reiterstaffel in Radolfzell in Aussicht: „Die sind nicht das letzte Mal in Radolfzell gewesen“, sagte er.

Auf Nachfrage teilte die Polizei am Sonntag mit: „Die Kontrollen der Reiterstaffel ergaben zwar ein witterungsbedingt erhöhtes Personenaufkommen im Uferbereich, aber es konnten keine Verstöße festgestellt werden.“

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