Ein Gang, vier Türen – und hinter jeder Tür könnte das Leben eines jungen Menschen von einem Vermittler in eine neue Bahn gelenkt werden. Auf der Last-Minute-Lehrstellen-Börse (LMLB) im Berufsschulzentrum Radolfzell gab es eine riesige Auswahl an noch freien Lehrstellenplätzen für dieses Jahr.

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Für den Landkreis Konstanz hielten die Berater der Agentur für Arbeit, der Handwerkskammer, des Einzelhandels und der Industrie- und Handelskammer 590 freie Ausbildungsplätze für dieses Lehrjahr parat. Weitere 160 freie Schulplätze an gewerblichen Schulen im Landkreis kamen hinzu. In den Anfängen der Börse kamen auf 400 Bewerber rund 100 Ausbildungsplätze. „Nun ist das Verhältnis umgekehrt“, berichtete die Veranstalterin, Eveline Hagen, vom Landratsamt Konstanz. Ursächlich sei hier die demografische Entwicklung.

Hilfe seit mehr als 15 Jahren

Seit mehr als 15 Jahren organisiert das Landratsamt Konstanz die Lehrstellen-Börse. Sie ist für junge Menschen gedacht, die bis dato keinen Ausbildungsvertrag hatten, eine Absage erhielten oder einfach nur unentschlossen waren. An mehreren Ausbildungsbetrieben könne man bis zum 1. Oktober einsteigen, erläuterte Eveline Hagen: Manche Berufsschulen beginnen im Dezember, so hätten die Jugendlichen keinen Unterrichtsstoff versäumt. Auch das Landratsamt trat als Ausbilder für Lehrberufe an. Eigens für die Lehrstellen-Börse hielt es Ausbildungsplätze zurück.

Gute Vernetzung ist hier Trumpf

„Zwischen voller Orientierungslosigkeit und großer Offenheit bis hin zu konkreten Berufswünschen und Berufsbildern war die Bandbreite der Anfragen“, berichtete Timo Guth vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit aus Singen: „Da konnten wir konkret Adressen von Arbeitgebern servieren.“ Etwas schwerer gestaltete es sich bei der Berufsberatung. Doch alle seien ein Stück weitergekommen, erläuterte Sabine Moll von der Berufsberatung. Suchte eine Person mit einem Studium in Mexiko eine Zertifizierung für den Außenhandel, so konnte Sabine Moll sie direkt ein Zimmer weiter zur IHK schicken.

Corona legt Ausbildungsmarkt fast lahm

Viele Arbeitgeber hatten wegen der Pandemie ab März ihre Angebote zurückgezogen und storniert, sagte Timo Guth: Seit den Lockerungsmaßnahmen hätten sie sich wieder geöffnet. So habe sich die Zugangssituation zum Markt um etwa drei Monate verschoben. „Auch viele Jugendliche waren blockiert“, weiß Moll zu berichten. Erschwerend kam hinzu, dass die direkte Beratung an den Schulen gefehlt hatte. So sei insgesamt der Ausbildungsmarkt erst im Juli und August in Schwung gekommen. Wegen der Pandemie kam es auf beiden Seiten zu Verschleppungen, sodass mancher Ausbildungsplatz erst im Dezember beginnt.

Praktikum – und dann?

Maria Grundler von der Konstanzer Handwerkskammer hatte viele offene Ausbildungsplätze zum Elektroniker, Anlagenmechaniker oder KFZ-Mechatroniker in ihrem Gepäck. Für gewöhnlich empfiehlt die Leiterin der Nachwuchswerbung ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb. Bedingt durch die Corona-Pandemie hätten Betriebe der Kammer ihr Bedauern signalisiert, dass es keine verpflichtenden Praktika der Schulen gab. Die Kammer bot den Betrieben Web-Seminare an, wie ein Praktikum in Corona-Zeiten organisiert und durchgeführt werden kann. „Einige wollten sich nicht unterkriegen lassen“, erzählte Maria Grundler: Sie hätten die Stirn geboten und das Praktikum als die Option für den Ausbildungsplatz gesehen. 80 Prozent der Betriebe geben an, dass ein Praktikum Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz sei.

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Auch Utz Geiselhart hatte noch offene Lehrstellenplätze für Verkäufer und Kaufmann respektive Kauffrau im Einzelhandel mitgebracht. „Junge Menschen, die in den Einzelhandel gehen, sollten offen und kontaktfähig sein“, beschreibt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer vom Handelsverband Baden-Württemberg. Da der Einzelhandel vom Antiquariat bis zum Zoohandel reiche, sollte der Jugendliche wissen in welchen Bereich er gehen wolle.

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