Beim Thema Corona-Tests ist der Mediziner Frank Burkart ganz vorne mit dabei. Im Dezember gehörte seine Hals-Nasen-Ohren-Praxis, die er mit seinem Kollege Markus Steinwaller führt, zu den ersten Schnelltest-Anlaufstationen in Radolfzell. Und nun betreibt er mit seinem Team das erste mobile Testzentrum in der Stadt: In einem Kleinbus sind er und seine Frau Eva gemeinsam mit studentischen Hilfskräften seit rund einer Woche an verschiedenen Orten in Radolfzell unterwegs, um spontane Bürgertests durchzuführen.

Ursprünglich nur Firmentests

Dabei hatte die Aktion eigentlich in Form einer Firmentestung angefangen: Die Automobilhandelsgruppe Graf Hardenberg habe ihn angefragt, ob er nicht Schnelltests für die Mitarbeiter durchführen könne, erinnert sich Frank Burkart. In diesem Zusammenhang sei den Testern der Kleinbus zur Verfügung gestellt worden, mit dem sie die verschiedenen Standorte des Unternehmens in der Region abfahren konnten.

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Doch dabei sollte es nicht bleiben. „Wir haben dann angefragt, ob wir den Bus auch für Bürgertests nutzen können“, erzählt Burkart. Graf Hardenberg erklärte sich einverstanden. „Das freut uns auch, wenn wir durch die Kooperation einen Beitrag leisten können“, erklärt Geschäftsführer Benjamin Menche. Er finde es gut, dass dadurch nicht nur die Bürger selbst ein Stück Freiheit zurück gewinnen können, immerhin sind mit negativem Testergebnis etwa Restaurantbesuche möglich. Dadurch würden auch Gastronomen unterstützt.

Frank Burkart und Eva Burkart stehen mit dem Geschäftsführer von Graf Hardenberg, Benjamin Menche, vor dem Bus. Zu sehen ist auch der QR-Code für die Terminvereinbarung.
Frank Burkart und Eva Burkart stehen mit dem Geschäftsführer von Graf Hardenberg, Benjamin Menche, vor dem Bus. Zu sehen ist auch der QR-Code für die Terminvereinbarung. | Bild: Marinovic, Laura

So funktionieren die Tests

Obwohl die Tests spontan stattfinden, müssen sich die Testwilligen registrieren. Dafür scannen sie vor Ort einen auf dem Kleinbus abgedruckten QR-Code ab, über den sie kurzfristig einen Termin buchen können. „Das müssen wir so machen, um das verarbeiten zu können“, erklärt Burkart. „Wir machen die Termine aber nur knapp vorher zugänglich, damit man nicht ewig vorher buchen kann.“

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Sind die Angemeldeten dann dran, wird im Bus ein Nasenabstrich durchgeführt und im Anschluss erhalten sie einen Ausdruck mit einem weiteren QR-Code. Über diesen können sie dann später das Ergebnis abrufen, ohne noch einmal zum Testbus zurückkehren zu müssen. Das sei auch mit der Luca- und der Corona-Warn-App möglich.

Frank Burkart erklärt Susanne Bruns, die derzeit als Touristin die Region besucht, wie der Test und die Auswertung abläuft.
Frank Burkart erklärt Susanne Bruns, die derzeit als Touristin die Region besucht, wie der Test und die Auswertung abläuft. | Bild: Marinovic, Laura

Viele Vorbereitungen

Seit vergangenem Wochenende ist der mobile Testbus in Radolfzell unterwegs. Der Premiere voran ging ein großer Organisationsaufwand: 20 Stunden habe er gebraucht, um alles vorzubereiten, berichtet Frank Burkart. Zum einen mussten die Tests, die es als offizielles Testzentrum vom Staat gibt, bestellt werden. Zum anderen musste die Technik stehen – um einen Laserdrucker im Bus zu installieren, braucht es etwa ein Aggregat, außerdem musste für eine Internetanbindung gesorgt werden. Am ersten Tag sei er noch nervös gewesen, ob wirklich alles so funktioniert, wie es sollte, erinnert sich Frank Burkart. Schließlich wollte man keine Testwilligen wieder wegschicken, weil die Technik streikt.

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Doch die Premiere, bei der der Testbus am Seetorplatz aufgestellt wurde, verlief reibungslos. Der Standort sei sehr gut, da er sich in der Stadt, aber nahe am See befinde, zudem passieren ihn auch Bahnreisende. Nur das Internet sei an dieser Stelle etwas langsam gewesen. Dennoch konnten innerhalb von vier Stunden 165 Personen getestet werden. Am Sonntag seien in etwas mehr als sechs Stunden am Seetorplatz und am Yachtclub 200 Tests durchgeführt worden. Und dabei sei der Testbus nicht einmal aktiv beworben worden.

Im Bus werden auch die Proben auf einer Arbeitsfläche ausgewertet.
Im Bus werden auch die Proben auf einer Arbeitsfläche ausgewertet. | Bild: Marinovic, Laura

Auch viele Tests für Touristen

Getestet werden wollen die Leute aus unterschiedlichen Gründen, berichtet Frank Burkart – etwa, weil sie Freizeitangebote wahrnehmen oder im Restaurant essen gehen wollen. Aber es seien auch Personen, die sich mit Freunden oder Verwandten treffen und diese nicht gefährden wollen. Mit dabei seien auch Touristen, die sich für die Übernachtung in Hotels oder Ferienwohnungen alle drei Tage testen müssen, oder Personen aus Landkreisen, in denen es noch nicht so viele Lockerungen gibt.

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Die Getesteten seien alle dankbar, einen Termin zu bekommen. Motivierend für das Team: „Das macht Spaß“, so Burkart. Deshalb sei er auch bereit, zusätzlich zu seiner Arbeit in der Praxis in der mobilen Teststation zu arbeiten. Das würde übrigens auch sein Kollege Markus Steinwaller, der aber aktuell noch Urlaub habe. Toll sei es, dass die Stadtverwaltung dem Team die Erlaubnis erteilt habe, sich mit dem Bus an alle möglichen Orte in Radolfzell zu stellen.

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Aktive Ansprache

In der kommenden Woche will Frank Burkart auch aktiv auf die Bürger zugehen und Gruppen ansprechen, die sich an gut besuchten Plätzen wie dem Skateplatz treffen. Denn: „Wir testen ja oft die Falschen“, sagt HNO-Arzt Burkart. Bei Testzentren melden sich oft die Menschen, die ohnehin vorsichtig seien und darum auch die Schutzangebote annehmen. Diese hätten dann meistens ein negatives Ergebnis. Eigentlich müsse man aber die Unvorsichtigen testen. „Wir wissen noch nicht, wie es läuft“, sagt Frank Burkart zu seinem geplanten Vorhaben. „Aber wir wollen es ausprobieren.“