Wer sich zwischen Moos und Öhningen auf ein Fahrrad setzt, den Fahrtwind im Gesicht spürt und durch die mondäne Ufergegend fährt, der wird schnell daran erinnert, warum sich namhafte Künstler in dieser Region niederließen. Es ist eine Tour der Kontraste, die einen auf dem zirka 18 Kilometer langen Bodensee-Radweg der Höri erwartet.

Mattgrüne, kirchturmhohe Pappeln, die den dahinterliegenden See zum Leuchten bringen, enge Dorfkerne, die von weitläufiger Natur abgelöst werden, geteerte Straßen gefolgt von Schotterwegen, mal flach mal hüglig. Vor allem dann, wenn sich Sonne, Wind und Temperatur angenehm absprechen, verwandelt sich der Radweg in ein betriebsames Treiben.

Wandern oder Radfahren sind bei Touristen sehr beliebt

„Wir schätzen den offenen Blick auf den See, den man vom Radweg aus immer wieder hat“, sagen Michaela und Wolfgang Grau. Die aus der Nähe von Ludwigsburg stammenden Urlauber haben ihre Räder gleich mit auf die Höri genommen. „Entweder wir ziehen wandernd durch die Gegend oder wir nehmen die Fahrräder, mit dem Radweg hier sind wir sehr zufrieden.“

Ausblick auf die Pappel-Allee in Wangen.
Ausblick auf die Pappel-Allee in Wangen. | Bild: Luca Hartmann

Landschaftliche Erkundungen mit dem Fahrrad liegen bei vielen Urlaubern im Trend. Aber nicht nur sie nutzen vermehrt das Rad, auch Einheimische haben die Alternative zum Auto längst für sich entdeckt. Hinzu kommt die steigende Nachfrage nach E-Bikes, die sich auch auf der Höri deutlich zeigt. Fortschritte in den Bereichen Reichweite und Komfort haben aus den elektrisch angetriebenen Rädern binnen weniger Jahre ein Massenphänomen gemacht. Allein im letzten Jahr wurden deutschlandweit über zwei Millionen Exemplare verkauft.

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Navigationsgeräte gehören zur Grundausstattung

Auch Werner Glaser aus Iznang fährt E-Bike. Da die Beine nicht mehr so wollen wie früher, gibt es ihm die Möglichkeit, weiterhin zu kleineren und größeren Touren rund um die Höri aufzubrechen. „Man will ja auch noch was sehen“, sagt er. Die Beschilderung der Radwege sei in Ordnung, nur die Straße könnte hier und da noch etwas besser asphaltiert sein. Weiße Schilder mit grünen Pfeilen weisen die Richtung.

Ein Schild weist die Richtung auf dem Radweg.
Ein Schild weist die Richtung auf dem Radweg. | Bild: Luca Hartmann

Manche von ihnen sind verblasst. Spätestens dann kommen die Navigationsgeräte der Radfahrer zum Einsatz, die für die meisten heute zur Grundausstattung gehören. „Groß verfahren kann man sich hier aber im Grunde nicht, man muss sich ja bloß nach ihm richten“, sagt Werner Glaser und zeigt dabei in Richtung See, auf den blau schimmernden Wegweiser.

Mancherorts herrschen enge Verhältnisse

Während der Hochsaison kann es mancherorts schon mal eng werden. Zum Beispiel wenn Radfahrer in Gaienhofen auf die Hauptstraße geleitet werden und aus der ohnehin schon schmalen Passage ein regelrechtes Nadelöhr wird. Aber natürlich gibt es auch die andere Seite: Wer Iznang hinter sich lässt und in den ufernahen Radweg nach Horn einbiegt, erblickt eine malerische Landschaft.

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Kontrastreich sind auf dem Bodensee Radweg auch die Radfahrer selbst. Verschiedene Typen lassen sich beobachten. Hier einige davon: der ambitionierte Rennradfahrer in enger Bekleidung und isotonischem Getränk; der technikversierte E-Bike Fahrer mit am Lenker befestigten GPS-Gerät und Seitenspiegel, obendrein manchmal ein Headset im Ohr; der Hundeliebhaber, der seinen besten Freund im angehängten Kinderwagen mitzieht; oder der lässige Freizeitradler, der mit aufgeknöpftem Hemd und nur einer Hand am Lenker aus dem Radweg eine verlängerte Flaniermeile macht.

Fahrrad als ganzjähriges Fortbewegungsmittel

„Von hier aus stelle ich mir oft vor, direkt vom Fahrrad in den See zu springen“, sagt Theresa Roeck, die zum Typ der zügigen Radfahrerinnen gehört. Sie meint die Abfahrt vom Schloss Marbach hinunter nach Wangen, auf der man einen Panoramablick auf den glitzernden See hat. Die junge Öhningerin ist Stammgast auf dieser Passage und alles andere als eine Schönwetter-Radlerin. Selbst im Winter fährt sie mit dem Rad nach Gaienhofen zur Arbeit. „Es hilft mir, den Kopf zu lüften“, sagt sie.

Da sie gerne schnell fährt, ist sie gelegentlich etwas genervt von schleichenden E-Bikes, die trotz ihres elektrischen Vorteils nicht recht vom Fleck kommen.

In vielen Lokalen, so wie hier in Iznang, sind Radfahrer willkommene Gäste.
In vielen Lokalen, so wie hier in Iznang, sind Radfahrer willkommene Gäste. | Bild: Luca Hartmann

Die gestiegene Popularität von Fahrrädern und E-Bikes haben längst auch Hotels und Restaurants für sich erkannt. Sie verweisen auf Streckennetze und bieten Angebote für Aktivurlaube mit Radtouren an. Sogar eine kulinarische Genuss-Radtour über die Höri lässt sich buchen. Vier Gänge in drei verschiedenen Restaurants. Und die Zwischengänge bestehen aus Radeln.

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