Der Entwurf zur städtebaulichen Neugestaltung des Bahnhofsquartiers ist in einer Bürgerwerkstatt vorgestellt und besprochen worden. Auf Beschluss des Gemeinderats hat die Stadt nach einem Zufallsverfahren Bürger ermittelt und zur Mitarbeit am städtebaulichen Entwurf ins Milchwerk eingeladen. 32 Personen sind der Einladung gefolgt. Ihre Wünsche und Verbesserungsvorschläge sollen ebenso wie die Stellungnahmen des Gemeinderats und der Stadtverwaltung in der weiteren Planung berücksichtigt werden, so Oberbürgermeister Martin Staab.

Für das Engagement überreicht Birgit von Glan, die Bürgerbeteiligungen organisiert, jedem Teilnehmer ein kleines Dankeschön.
Für das Engagement überreicht Birgit von Glan, die Bürgerbeteiligungen organisiert, jedem Teilnehmer ein kleines Dankeschön. | Bild: Natalie Reiser

Mit ihrem Entwurf „Die doppelte Stadtkante“ gewann das Büro „bb22 architekten und stadtplaner“ den Ideenwettbewerb zum Bahnhofsquartier. Durch eine aufgelockerte Bebauung der südlichen Seite der Friedrich-Werber-Straße in Höhe des Scheffelhofs bis zur Kapuzinerstraße wollen die Architekten prominente Blickachsen aus Richtung der Stadt auf den See und das gegenüberliegende Ufer freilegen. Grünflächen zwischen den Gebäuden sollen eine Verbindung der Natur in Richtung Stadt und Stadtgarten darstellen.

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An vier Thementischen besprachen die Bürger verschiedene Aspekte des Entwurfs und brachten Lob und Kritik, Wünsche und Verbesserungsvorschläge zu Papier. Fokussiert wurden die Fragen, wie sich die Zugänge von der Stadt in Richtung Bahnhof gestalten, welche Infrastruktur in Nähe des Sees wünschenswert wäre und ob die vorgeschlagene Verkehrsführung und Parklösung als angenehm empfunden wird.

Ein Treffpunkt für Vereine fehlt

Nach den zweistündigen Gesprächen, in denen Jung und Alt zusammenarbeitete, kristallisierte sich heraus, dass die Beteiligten sich vor allem Gastronomie am See wünschen. Es fiel auch der Vorschlag, eine regionale Markthalle in einem Gebäude und ein Restaurant auf einem der Gebäudedächer mit freiem Blick auf den See anzusiedeln. Zusätzlich schlugen die engagierten Bürger einen Treffpunkt für Vereine, einen Generationentreff und ein Gesundheitszentrum vor.

Die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt zur Neugestaltung des Bahnhofsviertels, die im Milchwerk stattfand, verfolgen gegen Ende der Veranstaltung die Präsentation ihrer gesammelten Vorschläge.
Die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt zur Neugestaltung des Bahnhofsviertels, die im Milchwerk stattfand, verfolgen gegen Ende der Veranstaltung die Präsentation ihrer gesammelten Vorschläge. | Bild: Natalie Reiser

Einen Lebensmittelmarkt in Höhe der Lohmühlenstraße unterzubringen, wurde nicht gut geheißen. Einerseits sollte den Lebensmittelgeschäften in der Stadt, die gut angenommen werden, keine zusätzliche Konkurrenz gemacht werden, lautete ein Argument. Andererseits würden Autofahrer sicherlich wenige Meter weiter zu den großen Lebensmittelmärkten im Westen der Stadt fahren, statt in der Stadtmitte in einer Tiefgarage zu parken, um dann im Erdgeschoss einzukaufen. Dass die Parkplätze vor allem in unterirdischen Parkhäusern geplant sind, fand jedoch allgemein Anklang. Auch die Idee, den Übergang vom Seetorplatz zum Bahnhof als Bereich zu gestalten, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind (“shared space“), gefiel den Anwesenden.

Viel Lob, aber auch Kritik

Kritisiert wurde der Vorschlag, einen Fahrradparkplatz unterirdisch unterzubringen. Das könne gerade in Bahnhofsnähe Ängste bei Benutzern auslösen. Der Stadt schwebe eher ein oberirdisches Parkhaus, eventuell auch mit einem Fahrradservice vor, meinte Staab dazu. Weitere Überlegungen betrafen die geplante Umgestaltung des Busbahnhofs. Der Entwurf des Architekturbüros sieht vor, die Bushaltestellen künftig entlang der Straße anzuordnen. In diesem Fall fiele für bereits bestehende Restaurants an der nördlichen Seite des Bahnhofplatzes die Möglichkeit weg, Gäste im Freien zu bewirten.

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Mehrfach wurde die Meinung geäußert, es sei besser, den Busbahnhof an der bisherigen Stelle zu belassen. Der geplante Fahrradweg hinter der neuen Bebauung entlang der Gleise und die Grünflächen zwischen den Neubauten wurden als positiv gewertet. Birgit von Glan, die Bürgerbeteiligungen organisiert, freute sich über die produktive Mitarbeit der Teilnehmer: „Es ist begeisternd, wie verantwortungsbewusst die Teilnehmer auf die Einladung reagiert haben und sich einbringen.“

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