Fast 10.000 ehrenamtlich geleistete Stunden selbst unter schwersten Corona-Bedingungen in 2020, zuverlässige Einsatzbereitschaft rund um die Uhr, steigende Mitgliederzahlen in schwieriger Zeit, neue zeit- und pandemiegerechte Ausbildungsstrukturen mit virtuellen Trainings, der Bezug der neuen Wasserrettungswache im Seebad, motivierte Mitglieder mit spürbarem Zusammenhalt und Freude am sozialem Miteinander – die Hauptversammlung der DLRG Radolfzell zeigte einmal mehr auf beeindruckende Weise, wie gut die Rettungsorganisation vor Ort aktuell aufgestellt ist. Und doch gibt es große Sorgen: Seit Frühjahr 2020 kann die DLRG mangels Hallenbad keine Anfänger-Schwimmkurse anbieten.

Probleme, weil Kurmittelhaus für Vereine gesperrt ist

Bisher fand der Schwimmunterricht im Kurmittelhaus statt. Weil dort viele Hochrisikopatienten unterwegs sind, ist das Kurbad für die Öffentlichkeit inklusive aller Vereine geschlossen. „Es tun sich große Defizite auf“, schlug der Vorsitzende Steffen Mengele vor zahlreichen Gästen im Milchwerk Alarm und ebenso Wolfgang Stegmaier, lange Jahre Technischer Leiter Ausbildung.

Im Normalfall lernten jährlich 50 bis 80 Kinder bei der DLRG Radolfzell das Schwimmen. Werden sie älter und sind ohne Eltern in den Strandbädern unterwegs, würden sie einer immer größeren Gefahr ausgesetzt, so die Warnung. Das Problem verschärfe sich, da auch die Schulen keine Möglichkeit haben, Schwimmunterricht in der Nähe anzubieten. Unter anderem drohe der DLRG auf lange Sicht ein Nachwuchsmangel.

OB Staab versichert, sich für mehr Schwimmzeiten einzusetzen

„Es ist bei mir angekommen“, so Oberbürgermeister Martin Staab, der versicherte, sich bei der Kur für Schwimmzeiten einzusetzen. Vor allem aber dankte er der DLRG für ihren Einsatz in den Testzentren und ihre beherzte, spontane Zusage, als es bei internen Corona-Planungen der Stadt darum ging, für verschiedene Szenarien die Unterstützung durch Hilfsorganisationen sicherzustellen. „Da braucht es einfach zuverlässige Helfer“, so Staab.

Als „außergewöhnliches Projekt“ bezeichnete er die neue Rettungswache im Seebad, die nur dank des gelungenen Zusammenspiels von Stadt und DLRG so schnell aus dem Boden habe gestampft werden können.

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Rund 10.000 ehrenamtliche Stunden wurden im vergangenen Jahr in den verschiedenen Arbeitsbereichen der Ortsgruppe geleistet, darunter 225 Einsätze und Sicherungsdienste. Unter anderem galt es 145 mal Erste Hilfe bei Unfällen aller Art zu leisten. 64 mal wurden die Einsatzkräfte über Funkmeldeempfänger gerufen, oft war hier die DLRG-Rettungshundestaffel gefragt. Letztere erfreut sich eines großen Zulaufs an neuen Interessenten.

Weil die Hälfte der Vorstandschaft schon seit 19 Jahren im Amt ist, nutzte der Vorsitzende Steffen Mengele – auch anlässlich des 70-jährigen Bestehens der DLRG Radolfzell – die Gelegenheit zu einem Rückblick auf zwei Jahrzehnte. Nicht ohne Stolz nannte er die Investitionen von rund 1,024 Millionen Euro, die in dieser Zeit getätigt wurden.

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Dass dafür neben dem Anteil der öffentlichen Hand von rund 60 Prozent ganze 40 Prozent aus eigenen Mitteln und mit Spenden von Unterstützern wie der Stiftung Wasserrettung, der Erika- und Werner Messmer-Stiftung und der Sparkasse Hegau-Bodensee aufgebracht wurden, sei für eine ehrenamtliche Organisation eine enorme Summe, unterstrich er.

Bei den Vorstandsneuwahlen galt es diesmal, zwei Drittel der Positionen neu zu wählen, einige für zwei Jahre und andere auf drei Jahre. Um sich noch effizienter aufzustellen, wurde der Bereich Ausbildung mit fünf statt mit zwei Personen besetzt.

Großer Beifall für Wolfgang Stegmaier

Großen Beifall für sein Wirken gab es für das Urgestein Wolfgang Stegmaier, der seit 1963 dem DLRG angehört, nun nach 25 Jahren zwar die Technische Leitung Ausbildung abgibt, aber weiterhin die Ausbildungsverwaltung „Nass“ und das Seniorenschwimmen betreut. Auf zwei Jahre wiedergewählt wurden der Vorsitzende Steffen Mengele, der zweite Vorsitzende Stephan Wien, Gruppenarzt Florian Zimmermann, als Referent Technik 2 Markus Ruf und als Webmasterin Iris Schöpf.

Weitere drei Jahre üben Sandra Götting, zweite Vorsitzende in Doppelspitze mit Stephan Wien, und Schatzmeisterin Nicole Wien ihre Ämter aus. Neu auf drei Jahre gewählt wurden Schriftführerin Petra Tretthahn, als Technischer Leiter Ausbildung Trocken Falco Drießen, als Referentin für die Ausbildungsverwaltung Trocken Elisa Haffenegger sowie Volker Schilling als Referent Technik 1 und Margit Stegmaier als Kassenprüferin. Alle Wahlen gingen einstimmig über die Bühne.