Mit der Freude kam die Sorge. Die ersten Lockerungen der Corona-Verordnung stellte die Hoteliers ein Ende der Zwangsschließung in Aussicht. Doch wie genau die Regeln dafür sein würden, das war eine ganze Weile nicht klar. Darf jedes Zimmer vermietet werden? Oder doch nur jedes zweite?

„Wir verbrennen so mehr Geld, als wenn wir weiterhin geschlossen hätten“, sagte Markus Kümmerle, Inhaber des Radolfzeller Hotels K 99 kurz vor Öffnung der Hotels. Heute ist klar, dass es keine Einschränkungen bei der Anzahl an Gästen gibt. Die Gäste müssen sich innerhalb des Gebäudes mit Mundschutz bewegen, es liegt Handdesinfektionsmittel aus, alle müssen Abstand halten.

Im K 99 hofft man auf einen Anstieg der Besuchzahlen in den nächsten Wochen.
Im K 99 hofft man auf einen Anstieg der Besuchzahlen in den nächsten Wochen. | Bild: Jarausch, Gerald

Dennoch sei man noch weit entfernt von einer Auslastung, wie es das Hotel mit 71 Zimmern bräuchte, um wirtschaftlich rentabel zu sein. „Viele Menschen sind noch verunsichert, ob sie überhaupt wegfahren sollen. Bei anderen spielt die finanzielle Lage eine Rolle, einen Kurzurlaub am See in Erwägung zu ziehen“, sagt Kümmerle.

Das Leben der Familien sei durch das Schließen der Schulen und Kitas und durch Kurzarbeit sehr beeinträchtigt worden. Das würde sich auch jetzt bei der Urlaubsplanung zeigen. „Ich hoffe, dass wir ab Mitte Juni oder Juli wieder etwas aufholen können, aber die Folgen von Corona werden uns noch einige Jahre begleiten“, sagt der Hotelinhaber.

Region muss erlebbar sein, sonst kommen die Touristen nicht

Viele Besucher würden die Region als Gesamtpaket buchen wollen. So lange es noch größere Einschränkungen gebe, würde es einige Touristen abschrecken. Andere Bundesländer seien mit den Lockerungen im Freizeitbereich schneller gewesen, diese hätten für die Pfingstferien sicher einen Vorteil gebracht, sagt Kümmerle.

Im Hotel Aquaturm ist Abstand halten besonders wichtig, da es wenig Platz gibt.
Im Hotel Aquaturm ist Abstand halten besonders wichtig, da es wenig Platz gibt. | Bild: Jarausch, Gerald

Für Gäste ändert sich vor allem der Umgang mit dem Frühstück im Hotel. Vor allem klassische Frühstücksbuffets seien nach der Corona-Verordnung nicht erlaubt. Im K 99 würden Gäste aktuell am Tisch bedient werden. Ursula Sohst, Geschäftsführerin im Hotel Aquaturm, bietet für ihre Gäste unterschiedliche Frühstückszeiten an, damit nie zu viele Menschen gleichzeitig in dem relativ kleinen Speiseraum sind.

„Wir bieten zwar noch ein Frühstücksbuffet an, aber das dürfen nur Gäste aus einem Zimmer zeitgleich nutzen“, erklärt sie. Jedes Zimmer bekäme eine individuelle Frühstückszeit und müsse sich auch daran halten. Ausschlafen und erst kurz vor Ende der Frühstückszeit in den Speisesaal gehen, das wäre aktuell nicht mehr drin, sagt Sohst. Aber die Gäste seien alle einsichtig und die Stimmung sei entspannt.

Gutes Geschäft an Pfingsten

Aktuell kämen eher kurzfristige Anfragen von Gästen, aber es kämen immer mehr. Ursula Sohst blickt positiv in die neue Saison und ist froh, wieder im Hotel arbeiten zu dürfen. Ähnlich erleichtert ist auch Christina Scholter, Leiterin des Hotels „Am Gleis“ in Markelfingen.

Man habe viele Stornierungen gehabt, aus Vorsicht hätten viele ihre geplante Radtour abgesagt, auch weil nicht klar war, wann die Hotels wieder öffnen dürfen. „Aber Pfingsten lief es wieder bombig“, sagt Christina Scholter. Sie habe das Gefühl, die Menschen freuten sich wieder Reisen und Radfahren zu dürfen.

Rad-Touristen kommen vermehrt an den See

Die Anfragen für Übernachtungen, wenn auch nur Kurzaufenthalte, würden wieder anziehen. An der Rezeption sei eine Plexiglasscheibe eingebaut worden. Und ein Frühstücksbuffet habe es ohnehin nie gegeben. „Am Gleis“ dürfe man sich im Vorfeld ein Frühstück bestellen und bekäme es im benachbarten Restaurant Einkehr an den Tisch gebracht.

Dort würden die selben Hygieneregeln gelten wie in allen Gaststätten, so Scholter. Doch hatte das „Am Gleis“ nie ganz geschlossen. Die Sanierung der Bahnübergänge in Markelfingen und Allensbach hätten dem Hotel einige Geschäftsgäste gebracht.

Für Gäste ist der Badebereich im Bora-Hotel ab heute wieder geöffnet.
Für Gäste ist der Badebereich im Bora-Hotel ab heute wieder geöffnet. | Bild: Jarausch, Gerald

Auch das Sauna-Hotel Bora hat seit einigen Tagen wieder geöffnet. Auch wenn Saunieren laut Corona-Verordnung noch nicht erlaubt ist. Bora-Besitzer Bernd Schuler berichtet, ein paar Gäste seien trotz geschlossener Sauna ins Hotel gekommen. Am Samstag dürfe er für die Gäste wenigstens das Schwimmbad wieder öffnen.

Dass die Saunalandschaft wieder in Betrieb genommen werden kann, darauf hoffe er in den kommenden zwei Wochen. Finanziell sei die Schließung „ein Leidensweg“ gewesen, 150 Mitarbeiter waren und sind in Kurzarbeit. Doch einer, der das Gelände der Bora für sich entdeckt hatte, war der Biber. Ohne die Gäste im Außenbereich hatte er angefangen, Bäume auf dem Gelände der Bora-Sauna anzunagen. „Wir haben sie aber alle gesichert“, sagt Schuler.

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