Die Stadtkapelle Radolfzell zählt als musikalisches Aushängeschild der Bodenseestadt. Doch in voller Stärke trat die fast 250 Jahre alte Kapelle zuletzt vor 20 Monaten auf. „Für das Jahr 2020 hatten wir so viel vor“, bedauerte auf der Hauptversammlung im Clubhaus des BSV Nordsterns Dirigent Kuno Rauch.

Auf der Agenda stand im Frühling des letzten Jahres das sogenannte Herr-der-Ringe-Konzert des Komponisten Johan de Meij. Im Mai sollte es zum Deutschen Orchesterwettbewerb gehen. Und für das Marktplatzkonzert 2020 hatte sich die Stadtkapelle ein besonderes Konzept überlegt. „Alles fiel ins Wasser“, so Kuno Rauch. Sein Bericht warf nicht nur einen Blick auf all dasjenige, was hätte sein können. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden, Thomas Späth, zeigte er auf, wie regsam und kreativ das Vereinsleben während der Pandemie trotzdem verlief.

Trotz Lockdown keine Untätigkeit

Die Musiker lernten ab dem 22. März des letzten Jahres die Bedeutung des Lockdowns kennen. Und mit ihm auch die Einschränkungen im öffentlichen Leben. Bereits drei Tage vor den bundesweit angeordneten Corona-Maßnahmen habe die konstituierende Sitzung des neuen Vorstands der Stadtkapelle stattgefunden. Schon damals kamen die Mitglieder virtuell via Videokonferenz zusammen und berieten über die Folgen für den Verein.

Das könnte Sie auch interessieren

Früh habe die Stadtkapelle nach einem Ersatz für das Frühjahreskonzert gesucht. Kuno Rauch habe aus dem Tonfundus früherer Konzerte der Stadtkapelle und des Jugendblasorchesters Aufnahmen für ein Ersatzkonzert im Internet gesichtet. Das daraus entstandene nahezu zweistündige Frühjahrskonzert 2020 wurde dann digital übertragen. Während des strengen Lockdowns besuchte eine Abordnung der Stadtkapelle gemeinsam mit der Narrenmusik drei Seniorenheime und das Krankenhaus.

Nicht alles musste abgesagt werden

Im Vorstandsbericht lobte Thomas Späth die Arbeit des Bunds deutscher Blasmusikverbände, der sich für die Blasmusik eingesetzt und früh ein Hygiene-Konzept entwickelte habe. So konnte die Stadtkapelle früh in kleinen Gruppen ihre erste Probe abhalten.

Kurz vor dem zweiten Lockdown konnte die Stadtkapelle im Milchwerk noch ihr Herbstkonzert zum Beethovenjahr geben. Dirigent Kuno Rauch machte auch die Bedeutung der Einschränkungen für das Radolfzeller Jugendblasorchester (JBO) deutlich. Denn das geplante Adventskonzert im Milchwerk entfiel im letzten Jahr. Somit hatten die Jugendlichen im Dezember 2019 ihren letzten öffentlichen Auftritt – das seien 20 Monate ohne ein Ziel vor Augen. Er hoffe, dass das JBO zumindest im Herbst bei der Veranstaltung Musik uff de Gass auftreten könne.

Das ist für kommendes Jahr geplant

Für das 250-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr gab die Stadtkapelle unter dem Arbeitstitel Lacus Acronius (der Untersee) eine Komposition in Auftrag. Das Werk soll im nächsten Jahr beim Frühjahrskonzert uraufgeführt werden. Zeitgleich präsentiere sich Radolfzell in einer Ausstellung im Stadtmuseum als Musikstadt, so Späth.

Anlässlich der 250-Jahr-Feier dürfe die Stadtkapelle den Kern der Ausstellung bilden. Geplant seien zudem Jubiläumskonzerte bei München sowie die Teilnahme an den Innsbrucker Promenadenkonzerten. Thomas Späth gab in der Versammlung das Ausscheiden Roland Schuhwerks als Festwirt bekannt. Der Vorsitzende würdigte Schuhwerks über 30 Jahre andauernde Vereinsarbeit.