Am Mittwoch haben die Schüler der Teggingerschule ihre Zeugnishefte in den Händen gehalten und sich in die wohlverdienten Sommerferien verabschiedet. Besmira, Emilian, Lorna, Elona und Bijhana gehören zu ihnen. Aber die fünf Schüler haben am letzten Schultag noch einen weiteren Grund zum Feiern erlebt. Alle fünf besuchen die Vorbereitungsklasse (VKL) an der Teggingerschule und haben sich dort mit außerordentlichen Leistungen, nicht nur den schulischen, sondern auch den sozialen, verdient gemacht.

Die VKL-Klasse im Sekundarbereich (von links): Nour, Preisträgerin Lorna, Melanie, Tarek, die beiden weiteren Preisträgerinnen Elona und Bijhana, Eyas und Ahmed.
Die VKL-Klasse im Sekundarbereich (von links): Nour, Preisträgerin Lorna, Melanie, Tarek, die beiden weiteren Preisträgerinnen Elona und Bijhana, Eyas und Ahmed. | Bild: Matthias Güntert

Aus diesem Grund wurden sie von Kreis- und Stadträtin (Freien Grünen Liste) Zekine Özdemir mit dem neuen Preis „Neues Land, neues Glück“ ausgezeichnet. Es ist das erste Mal, dass die Auszeichnung überhaupt vergeben wurde. „Euer Verhalten ist vorbildlich, denn ihr habt nicht nur fleißig gelernt, sondern Euren Mitschülern auch beim Deutschlernen geholfen“, sagte Lehrerin Maren Siegrist, die die VKL-Klasse im Grundschulbereich unterrichtet.

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Wie wichtig das Erlernen der deutschen Sprache für eine gelungene Integration ist, machte Zekine Özdemir bei der Preisübergabe deutlich. „Dort, wo wir leben, ist die Sprache des jeweiligen Landes extrem wichtig“, sagte sie. Deutsch sei in Radolfzell die gemeinsame Sprache und somit auch der Schlüssel zur Integration. Unterstützung erhielt sie von Schulleiter Norbert Schaible, der hervorhob, dass die deutsche Sprache auch im Schulalltag eine wichtige Rolle spiele. „Bei uns in der Teggingerschule steht sie in der Hausordnung“, so Schaible. Überhaupt sehe sich die Teggingerschule nicht nur als rein Schulanstalt. „Wir sind eine innerstädtische Bildungs- und Begegnungsstätte für alle Kulturen, die in Radolfzell beheimatet sind“, sagte Schaible.

„Deutsche Sprache, schwere Sprache“

Für Zekine Özdemir, die den Preis aus eigenem Antrieb ins Leben rief, war es eine Reise in die eigene Vergangenheit, wie sie den Schülern bereitwillig erklärte. Sie sei vor rund 40 Jahren selbst als Kind mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Ohne ein Wort Deutsch zu können. Damals war sie zwölf Jahre alt. Auch sie besuchte von 1980 bis 1981 eine internationale Vorbereitungsklasse in Rheinland-Pfalz und weiß, welch Tücken die deutsche Sprache mit sich bringen kann. „Das Sprichwort ‚Deutsche Sprache, schwere Sprache‘ stimmt, aber auch eine schwere Sprache kann man in jungen Jahren lernen, wenn man fleißig ist“, sagte sie. Es sei manchmal nicht einfach, den Knoten einer fremden Sprache zu lösen. „Aber Ihr schafft das“, machte Özdemir den jungen Schülern Mut.

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Die Idee, den Preis „Neues Land, neues Glück“ aus der Taufe zu heben, begründet Zekine Özdemir mit dem einfachen Wunsch, den Fokus mehr auf die Vorbereitungsklassen zu legen. Diese führen trotz der Initiative wie an der Teggingerschule nach wie vor ein Randdasein im Bildungsbereich der Städte und Kommunen. „Der Preis war eine Herzensangelegenheit“, sagte die Radolfzeller Stadträtin. Sei sei sehr froh, dass es die Klassen und Lehrerinnen wie Rahel Andersen, Eva Kubisch und Maren Siegrist gebe, die die VKL-Klassen an der Teggingerschule betreuen.

Hoffen auf Regelunterricht nach den Sommerferien

Özdemir kündigte bei der Premieren-Übergabe des Preises an, dass er im nächsten Jahr fortgeführt werden solle. Und auch mit Blick auf die derzeitigen Corona-Verordnungen hegt sie einen einfachen Wunsch: „Ich hoffe, dass der Schulbetrieb im September nach den Sommerferien wieder normal weitergehen kann“, sagte sie.