Das Frühjahrskonzert und das Marktplatzkonzert der Stadtkapelle Radolfzell fielen der Corona-Krise zum Opfer. Umso glücklicher waren die Musiker und ihr Leiter Kuno Rauch, dass nun bei freiem Eintritt ein Sonder-Herbstkonzert im trotz reduzierter Sitzplätze sehr gut besuchten Milchwerk stattfinden konnte.

Dabei galten nicht nur für die Zuhörer Hygieneregeln, sondern auch für das Orchester: um große Abstände zu gewährleisten war es auf der Bühne mit Vorbühne untergebracht und trat daneben in vielen kleineren Ensembles auf.

Hornisten der Stadtkapelle
Hornisten der Stadtkapelle | Bild: Veronika Pantel

So spielte zur Einstimmung ein Ensemble im Foyer Beethovens Marsch, eine Zwischenmusik aus seiner Oper „Fidelio“, bevor Beispiele aus seiner Militärmusik von der Bühne erklangen. Mit viel Spielfreude, feiner dynamischer Stufung durch leises und lautes Spiel und durch Wechsel von größeren und kleineren Instrumentengruppen und mit großer Präzision erklangen eine schwungvolle Polonaise, eine Ecossaise als schottischer Drehtanz und ein schmissiger Marsch. Mit der „Equale Nr.1“, ein Choral von vier Posaunen meisterlich von der Empore gespielt, zwang eine getragene Trauermusik zum still werden.

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Präsentation des neuen Logos

Dann aber wurde mit Alfred Reeds „El Camino Real“, 1984 bis 1985 komponiert, ein Programmblock mit feuriger, an Spanien orientierter Musik eingeläutet. Die klanggewaltige Komposition für symphonisches Blasorchester beschreibt den historischen Königsweg, der die spanischen Missionsstationen in Kalifornien miteinander verband. Spannende Kontraste in Lautstärke, Tempo und Besetzung barg die Musik, die im abgedunkelten Milchwerk gespielt wurde. Denn sie war Kulisse für die Vorstellung des neuen Logos, das die Stadtkapelle in Auftrag gegeben hatte.

Das neue Logo der Stadtkapelle
Das neue Logo der Stadtkapelle | Bild: Veronika Pantel

Auf einer Leinwand erschien zu den realen Klängen die grafische Klangwelle in den Farben Blau und Violett, die zugleich die bergige Hegau-Landschaft wie auch die Spiegelung der Hügel im See assoziieren lasse, wie die Vertreterin der zuständigen Werbeagentur aus Konstanz erläuterte. Dem werbewirksamen Auftritt der Stadtkapelle zum 250. Geburtstag im Jahr 2022 dürfte also nichts mehr im Wege stehen.

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Finale mit Filmmusik

Das tiefe Blech und Schlagwerk spielten das schmissige „Espana Cani“ von 1923 und sechs Klarinetten überzeugten mit feiner Kammermusik in Isaac Albeniz` “Sevilla“. Astor Piazzollas „Libertango“ mit seinem grundierenden Ostinato und darüber schwebender, suggestiver Melodie erklang vom versiert aufspielenden Blasorchester unter Kuno Rauchs präziser Leitung schwungvoll und mitreißend. Dem in diesem Jahr verstorbenen Filmmusik-Komponisten Ennio Morricone war das Finale gewidmet: Längst sind die Melodien aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Zwei glorreiche Halunken“ klassische Evergreens geworden.

Den begeisterten Applaus der Zuhörer belohnte die Stadtkapelle mit einem weiteren Beethoven´schen Zapfenstreich und der Wiederholung des Libertango, der vielen als Ohrwurm den Heimweg versüßte.

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