Wer in den vergangenen Tagen in der Radolfzeller Bahnhofsunterführung unterwegs war, musste die Füße mehr und länger heben, um keine nassen Schuhe zu bekommen. Auf den Bodenplatten bildeten sich auch Tage nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Woche Pfützen – gespeist durch kleine Rinnsale, die an der Wand hinunterliefen. Dabei ist die Unterführung gerade erst saniert, Anfang Juni ist sie mit weiß gestrichenen Wänden und frisch gefliest dem Fußgängerverkehr neu übergeben worden.

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Mittlerweile stören gelblich-braune Verfärbungen, die sich durch die Feuchtigkeit an ein paar Stellen an der Wand gebildet haben, das makellose Weiß. Aufgefallen ist das auch Stadtrat Christof Stadler (CDU). In einem Schreiben an die Stadtverwaltung, das dem SÜDKURIER vorliegt, beklagte er die lecken Stellen und eine aus dem Wasseraustritt resultierende Rutschgefahr sowie Schmutz in der Unterführung. Außerdem würden sieben Lampen morgens nicht brennen.

Wasser tritt durch einen Riss ein

Wie kam es zu den Pfützen? Sind sie auf Baufehler bei der Sanierung zurückzuführen? Auf SÜDKURIER-Nachfrage teilt Moritz Schade, Pressesprecher der Stadt Radolfzell mit, dass das Wasser durch einen Riss an der höhergelegenen westlichen Wand in die Unterführung eingetreten sei und durch das Quergefälle der Unterführung über die Bodenplatten laufe. Erst dann fließe es im Entwässerungssystem ab.

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„Bei Starkregen kam es immer schon zu Wasseraustritt an der Bodenfuge“, schreibt Schade. „Dies wurde durch die Sanierung nachhaltig beseitigt“. Allerdings seien die Wände und die Decke der Unterführung, wie vom Gemeinderat beschlossen, während der Maßnahme lediglich gestrichen worden. Auch durch die übermalten Risse und Fugen könnte Wasser austreten. Der Pressesprecher stellt zur Sanierung fest: „Diese Maßnahme ist nicht ausreichend, um die ungewöhnlich hohen Wassermaßen dieser Tage dauerhaft abzuhalten.“

Riss soll nur überstrichen werden

Um den Wasseraustritt zu verhindern, wäre laut Moritz Schade eine dauerhafte Sanierung der Betonwände von außen durch die Deutsche Bahn nötig. Die Bahn habe diesbezüglich allerdings keine Pläne, wie ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage mitteilt. Und auch die Stadt Radolfzell sieht erst einmal keine weiteren Maßnahmen vor. Nach der vollständigen Trocknung solle ein Riss in der Wand lediglich wieder überstrichen werden.

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Für die von Christof Stadler angesprochenen nicht brennenden Lampen sei dagegen kein Schaden verantwortlich, erklärt Moritz Schade: Stattdessen bleibe in den Dämmerungszeiten einfach jede dritte Lampe dunkel. „Damit wird der Adaptionszeit des menschlichen Auges Rechnung getragen, wie es auch in Straßen-Tunneln allgemein üblich ist.“ So komme es zu dem Umstand, dass in der Unterführung tagsüber oft mehr Leuchten brennen würden als in der Nacht. Als Adaption wird die Fähigkeit des Auges bezeichnet, sich an Lichtverhältnisse anzupassen.